HiFi lebt!

Autoren: Detlev Schnick und Matthias Walther-Richters, HIFI-REGLER - update: 08.04.2004

High Fidelity, kurz HiFi, übt von jeher eine ganz eigene Faszination aus. Für viele von uns "älteren Semestern" war eine HiFi-Anlage die erste große Investition in der frühen Jugend, sorgsam ausgesucht und mit mühevoll erarbeitetem und erspartem Taschengeld bezahlt. Rechnen wir heute einmal zusammen, was wir dann allein im Laufe der ersten Jahre der HiFi-Begeisterung in unsere Plattensammlung investiert haben, kommt da schnell ein Sümmchen zusammen, bei dem man sich rückblickend fragt, wo das ganze Geld damals eigentlich herkam - in der einkommensschwachen Schüler- und Studentenzeit. Doch allein daran erkennen wir, welch hohen Stellenwert Musik - oder eben ganz einfach HiFi - einmal hatte und für viele von uns noch heute hat - oder gerade heute wieder hat. Grund genug, uns hier mal ein wenig näher mit dem Phänomen HiFi zu befassen.
 

HiFi - der Begriff und seine Geschichte

Wir wollen hier natürlich nicht historisch oder wissenschaftlich werden. Dennoch finden wir es ganz interessant, was Frank Wonneberg in seinem "Vinyl Lexikon - Wahrheit und Legende der Schallplatte" (Lexikon Imprint Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89602-226-1) zum Begriff HiFi schreibt: "High Fidelity - ein in den 30er-Jahren in den USA geprägter Begriff für eine hohe Wiedergabequalität bei der Heimwiedergabe von Tonaufzeichnungen. Die Einführung der elektrischen Tonaufnahme (1925) und die Vorstellung von elektrischen HiFi im Vinyl-LexikonVerstärkerbauteilen ermöglichten erste Schritte zu einer dramatisch verbessrten Heimwiedergabe. In einer Zeit, in der das Basteln von Radios und Verstärkern noch üblich war und zum guten Ton gehörte, benutzten fortgeschrittene Bastler und Ton-Amateure anfänglich den Begtriff HiFi, um die Qualität ihrer Geräte zu beschreiben. Schon damals verfügten aufwändige HiFi-Eigenbau-Konstruktionen über separierte Vor- und Endverstärker, ausgelagerte Zuspielgeräte (Radio/Phono) und separate Lautsprecher. Obwohl die Geräteindustrie den HiFi-prägenden Kettengedanken aus Gründen der Wohnraumgestaltung erst sehr spät aufgriff und zunächst weiterhin Phonotruhen und Radioschränke produzierte, verbesserte sie im Laufe der Zeit dennoch - im ständigen Wettbewerb mit den HiFi-Amateurkonstruktionen stehend - zunehmend die Wiedergabequalität ihrer Geräte. Darüber hinaus nahm man das Prädikat HiFi auf und formte "High Fidelity" zu einem überaus werbewirksamen Slogan. In den 60er-Jahren setzte seitens der HiFi-Geräte-Industrie ein Wettkampf um die besten Messdaten ein. Es entstand die DIN 45 500 (HiFi), die das untere Ende der high-fidelen Grundanforderungen festlegte und in Folge von praktisch allen neukonstruierten HiFi-Geräten übertroffen wurde. In der heutigen Zeit liegen alle produzierten Hifi-Geräte mit ihren Messdaten weit oberhalb der Norm und auch dioe HiFi-Presse hat sich vom messtechnisch orientierten Analysten zum blumig-prosaischen Marketingspezialisten gemausert." Soweit das Vinyl-Lexikon zum Begriff HiFi.

 

HiFi und High-End

In der HiFi-Welt hat sich für das besonders ambitionierte Musik-Erleben der Begriff "High-End" geprägt. Für high-endige HiFi-Komponenten gibt es im Preis nach oben fast keine Grenze. Keine technische Finesse ist zu verrückt, um nicht umgesetzt zu werden, solange sie dem Ziel dient, damit eine noch authentischere Musikreproduktion und einen noch natürlicheren Musikgenuss zu erreichen.

HiFi-High-End-LautsprecherJBL K2 S9200
Die JBL K2 S9800

Wilson WATT/Puppy System 7
WATT/Puppy System 7 aus dem Hause Wilson Audio.

 

Keine Frage, dass solche Boxen nur mit allerfeinsten Lautsprecherkabeln angeschlossen werden. Das Supra Sword ist eines der zum Empfehlenden Kabel ...

Dies sind nur einige Beispiele aus dem Bereich Lautsprecher. Bei fast allen anderen HiFi-Komponenten kann man problemlos in ähnlicher oder weit größerem Maße investieren.

In der High-End-Szene kennt man sich untereinander. Hersteller audiophiler Komponenten, eine kleine Schar spezialisierter Händler und eine ebenso überschaubare Zahl von High-End-Enthusiasten treffen sich alljährlich zur "HIGH-END", Europas größter High-End-Messe (bisher im Kempinsky in Neu-Isenburg, ab 2004 im M,O,C in München vom 20.05. bis 23.05.2004). So mancher High-Ender bezeichnet sich selbst mit einem Schmunzeln als "Verrückten", als süchtig nach immer neuem und immer teurerem Equipment. Die einzige Versicherung vor dem finanziellen Ruin ist oft der Lebenspartner oder die Familie ... smile. Doch all das ist nebensächlich und trifft den Kern nicht wirklich. Der Punkt ist: Wer sich intensiv mit seinem HiFi-Equipment befasst, der hört bewusst Musik, er lauscht dem Klanggeschehen. Erst durch dieses bewusste Erleben fängt er das ein, was der Künstler, Komponist und Interpret uns geben will, und geht so eine, nennen wir es Symbiose mit dem Künstler ein. Deshalb hört ein wahrhaft Musikbegeisterter am liebsten Musik in einem Raum, in dem er mit seiner HiFi-Anlage ganz für sich allein ist. Die meisten Musikhörer hingegen hören nicht konzentriert Musik, sondern betrachten Musik als Untermalung für ein andere Tätigkeit, sie hören Musik also kaum bewusst und konzentriert. Sie können daher gar nicht nachempfinden, welche Emotionen ein High-Ender beim Musikhören erleben mag. So ist es kein Wunder, dass man aus dieser Ecke nicht selten Spott und Hohn hört über die "Verrückten", die viel Geld ausgeben und "Tuning-Voodoo" betreiben. Doch dieses Schicksal teilen die audiophil begeisterten High-Ender wohl mit den meisten anderen Gruppen in unserer Gesellschaft, die einem Hobby abseits des Mainstreams nachgehen. Komisch ist nur, dass hier zu Lande als "normal" gilt, wer sich für die Leasingraten seines auf über 500 PS getunten AMG-Mercedes abkämpft, bei dem allein die Alufelgen mit einem Barwert von über 8.000 Euro zu Buche schlagen.
 

HiFi im digitalen Zeitalter

Wir beobachten heute eine hochinteressante Entwicklung: Als Mitte der 80er-Jahre die PCs für zu Hause aufkamen, hat die Computer-Euphorie den Stellenwert von HiFi für viele Technikbegeisterte im privaten Bereich zurückgedrängt. Dann kam mit der DVD das Thema Heimkino auf und drängte HiFi weiter an den Rand. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre reagierte die Industrie und fuhr ihr Angebot an HiFi-Geräten radikal herunter. Plötzlich hatten die klassischen HiFi-Spezialisten wie Denon, Yamaha, Onkyo, Kenwood oder Technics kaum noch typische HiFi-Komponenten im Programm. Es war die Zeit, in der klangvolle Namen und HiFi-Marken wie Akai, I.Q., MB-Quart, Heco, Magnat oder Thorens vom Markt verschwanden oder in Konkurs gingen (die vier Letztgenannten haben den Konkurs überlebt und sind heute noch am Markt.). Seit etwa 2001 / 2002 setzt aber wieder ein HiFi-Revival ein. PCs haben ihren technischen Reiz eingbüßt und sind für viele schlicht ein Alltagsgegenstand geworden, der mental zudem eher mit Arbeit als mit Entspannung verbunden wird. Heimkino ist zweifellos auch eine tolle Sache, aber es hat eben - abgesehen von Live-Konzert-DVDs - wenig mit Musikhören zu tun. Und irgendwie fehlt uns allen ein wenig die Wärme der Musik, die wir von früher kennen und die in unserer technikdurchdrungenen Welt irgendwie verloren gegangen zu sein scheint. So rückt für viele HiFi wieder in den Vordergrund.

Mit dem neuerwachten Interesse an HiFi kramen viele ihre alte Plattensammlung wieder heraus und stellen plötzlich fest, was eingefleischte und oft ein wenig spöttisch belächelte High-Ender schon immer verkündeten: Schallplatten klingen ganz anders - wärmer, natürlicher - als CDs und auch anders als DVD Audio und SACD. Anscheinend geht beim digitalen Speichern von Musik tatsächlich einiges an Originalität und Authentizität verloren. So mancher Interpret oder Komponist hat im engen persönlichen Kreis schon geäußert, dass sein Kunstwerk auf CD "kalt" und "steril" klingt. Selten hört man davon in der Öffentlichkeit, denn die Musikindustrie lebt ja primär von verkauften Ton-Konserven, und die mag man dann natürlich nicht schlecht reden. Interessant ist aber, dass es solche Äußerungen niemals zum Thema Schallplatte gab. DVD Audio und SACD stellen im Vergleich zur herkömmlichen Audio-Compact-CD zwar eine wahre Revolution dar, basieren aber eben auch wieder auf einer Analog-Digital-Analog-Wandlung. So verwundert es nicht, dass die erwartete Begeisterung in der Musik- und HiFi-Szene bisher ausgeblieben ist. Im Gegenzug zur "digitalen Revolution" entwickelt sich "Analog" immer mehr zum klangbestimmenden Element. Versuchen wir zu ergründen, warum das so ist ...
 

Musik ist mehr als Bits und Bytes - HiFi ist analog

Wenn wir HiFi heute als High Fidelity definieren wollen, dann führt an "analog" kein Weg vorbei. Ja, wir behaupten, HiFi ist das genaue Gegenteil von allem Digitalen. Digital ist das Logische, das Analytische, das Rationale. Ja oder nein, 0 oder 1. Das passt gut in die heutige Zeit. Doch ist es das, was wir wirklich wollen? Der Mensch ist kein digitales Wesen. Wir haben Gefühle und Emotionen, empfinden Liebe. Ein ergreifendes Musikstück kann uns zu Tränen rühren. Das alles lässt sich nicht in Bits und Bytes zerhacken und dann wieder in das gleiche analoge Ausgangsprodukt zurückverwandeln. Das nämlich ist es, was bei der Aufnahme eine CD und beim Abspielen auf der HiFi-Anlage passiert. Musik zu erleben, ist ein rein analoger Vorgang oder in der "menschlichen Sprache" ausgedrückt: ein rein gefühlsmäßiges Erleben. Musik löst etwas in uns aus, was wir mit "Sehnsucht", "Tonschönheit" oder "Klangssinnlichkeit" nur höchst unvollkommen umschreiben können. Wir behaupten daher, dass Musik etwas enthalten muss, was die weltbesten Messinstrumente nicht erfassen können. Und dieses "Etwas" geht anscheinend bei jeder noch so hochentwickelten Analog-Digital-Analog-Wandlung verloren. Wie und warum es allerdings z.B. auf einer Schallplatte oder einem Tonband gespeichert werden kann und beim Abspielen wieder zum Vorschein kommt, ist ein Rätsel, das wohl für immer ungelöst bleiben wird. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. HiFI lebt!

Das ganze Universum besteht aus feinsten Schwingungen, man könnte sagen, das ganze Universum ist Musik. Diese Schwingungen sind es, die Komponisten und Interpreten auffangen und transportieren wollen, und die Musik erst zur wahren Musik machen. In der mystischen Literatur ist manchmal von der Musik der Sphären zu lesen, einer verzaubernden und energiegeladenen Musik der Astralregionen, die mit unseren physischen Ohren nicht zu hören ist und die der Mensch nur im Unterbewusstsein erfahren kann. Das ist es wohl auch, was geniale Musiker spüren, wenn sie berichten, dass sie manchmal bei Konzerten den Eindruck haben, dass ein unerklärlicher Energiestrom über sie ins Publikum strömt. Dieses Musik-Erleben, diese wahre Musik, ist uns leider mit der Einführung der Digitaltechnik verlorengegangen - nicht nur zu Hause, wenn wir auf unserer HiFi-Anlage CDs oder auch SACDs oder DVD-Audio-Discs hören, sondern immer öfter auch in Konzerten. Denn leider ist die Digitaltechnik auch an der Bühnenbeschallung (Mikrophone, Verstärker u.sw.) nicht vorbeigangen. Doch es gibt sie noch, die guten alten Schallplatten und die analogen Radiosender. Und es gibt noch analoge HiFi-Technik. Und das Schöne ist, dass die Nachfrage wieder steigt, so dass wir in den nächsten Jahren wieder mit einigen neuen interessanten HiFi-Komponenten rechnen können.

 

Tuning der HiFi-Anlage

Heutige HiFi-Komponenten kann man mit Recht als ausgereift bezeichnen. Dennoch gibt es nach wie vor eine kleine aber sehr engagierte Tuning-Gemeinde. Die meisten "Normal-Hörer" bezeichnen HiFi-Tuning, das über ein gewisses, nachvollziehbares Maß hinausgeht, als puren Quatsch. Doch wer einmal die Euphorie eines audiophil Infizierten erlebt hat, wenn eine Tuning-Maßnahme zu ungeahnter Klangsteigerung geführt hat - oder scheinbar dazu geführt hat - der fängt irgendwie an, die Sache ernster zu nehmen. Wenn man dann noch erlebt, wie der gleiche HiFi-Freund geradezu zu Tode betrübt ist, wenn eine aufwändige Tuning-Maßnahme unerwartet zu einer Klangverschlechterung geführt hat, so ist man umso mehr geneigt, manchen Mitmenschen ein Gehör zu unterstellen, das schon fast übersinnlich ist.

Um sinnvolles von unserer Meinung nach unsinnigem Tuning abzugrenzen, verweisen wir auf einen der "100 besten Tuning-Tipps" der STEREO in ihrer Ausgabe 09/1999. Tuning-Tipp Nr. 72 lautet original zitiert (Kein Witz!):

"Heilerde aus der Apotheke (Schachtel zehn Mark) kaufen und in ultraflache Beutel der jeweiligen Gerätegröße abfüllen und einschweißen (Einschweißgerät ca. 50 Mark). Den flachen Beutel auf das Gerät legen und dem frappierenden Effekt lauschen."

Unserer Meinung nach ist das eine Art von "Tipp", die die HiFi-Tuning-Szene in Verruf gebracht und schon in so mancher Familie für Unfrieden gesorgt haben. Doch hier ein fast ebenso unglaubliches Zitat - allerdings mit absolut ernstzunehmendem Hintergrund. Wir haben diesen "Fall" in dem Artikel "Du sollst ..." von Wilfried Kress in "hifi & records", Heft 04/2003 gefunden und zitieren wörtlich:

"Das folgende Beispiel ist alles andere als frei erfunden und stammt aus der, nennen wir es audiophilen Praxis. Es taugt geradezu als Schulbeispiel, und daher hat unser Leser Chr. I. aus S. [Name und Ort im Originalartikel der "hifi & records" vollständig, Anmerkung des Autors] freundlicherweise auch zugestimmt, dass wir seine Geschichte hier erzählen. Es begann mit einem Anruf, eigentlich einem Hilferuf. Herr I. hatte seine Anlage, bestehnd aus einem Lindemann SACD-Player, Burmester-Verstärkern und der Audiodata Elegance Anniversaire weiter voranbringen wollen. Er hatte sich bereits ein stabiles Rack aus dünnwandigen Stahlrohren maßfertigen lassen und schwere Granitplatten als »Fachböden« eingesetzt. Selbst an Kleinigkeiten hatte er dabei gedacht, zum Beispiel lagen die Granitplatten nicht direkt auf den Stahlrohren, sondern auf Kunststoffkappen. Bei fünf Ebenen kamen so allein über 170 Kilogramm Granit unter den HiFi-Geräten zum Liegen. Mit seiner Anlage war Ch. I. zu diesem Zeitpunkt sehr zufrieden.
Dann kam dem Techniker und Perfektionisten in ihm die Idee, auch noch dem letzten Rest an Resonanzen den Garaus zu machen. Man könnte doch auch die Rohre des Racks mit feinem Quarzsand befüllen und auf diese Weise effektiv bedämpfen. Die Sache wurde vorbereitet, an einem sonnigen Wochenende in die Tat umgesetzt - am Montag klingelte dann bei uns das Telefon. High-Ender I. war gelinde gesagt irritiert: Seine vorher so geschätzte Anlage klang jezt »leblos, ausgebremst, total stumpf«, ja sogar »so miserabel«, dass er sie gar nicht mehr anschalten wollte. Und das alles nur wegen der paar Kilo Sand und den beiden Bitumenplatten, die er unter den Böden für den SACD-Player und den Verstärker angebracht hatte? Ist das vorstellbar? Kann das wirklich daran liegen?
Wir haben Herrn I. zum Rückbau der Sache geraten, was er dem eigenen Bekunden nach peinlich genau getan hat: Er wollte selbst wissen, ob das nur am Sand lag. So eine Aktion ist bei dem Gewicht natürlich eine gehörige Plackerei, und auch das Entfernen der Bitumenplatten ist kein Vergnügen. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Ch. I. vermeldete: »Alles wieder im Lot.« Und er war froh, dass er wieder Musik genießen konnte: »Mit der Anlage hätte ich nie mehr gehört, sondern mich nur noch schwarz geärgert. Das Klangbild war total beschädigt.«
Eine harte, aber sehr lehrreiche Aktion. Selbst bei einem 200 Kilogramm schweren Unterbau und solide gemachten Geräten, die zum Teil ja sogar auf Entkopplungfüßen stehen, ist so ein Absturz möglich. Masse allein reicht anscheinend nicht aus, und bei der »Bedämpfung von Resonanzen« muss man offensichtlich sehr, sehr vorsichtig vorgehen. Die eigentliche Lektion aber lautet: Das Umfeld war viel wichtiger für den Klang als die sicherlich hervorragenden Komponenten ..."

Ein sicherlich extremes Beispiel. Es soll zeigen, dass bis zu einem gewissen Punkt Tuning durchaus sinnvoll sein kann - wenn man ein entsprechend feines Gehör hat. Der Begriff HiFi-Tuning umfasst im Prinzip die Summe vieler Kleinigkeiten, basierend auf der einmal getroffenen - hoffentlich richtigen - Auswahl der Komonenten. Know-How, Justage und Aufstellung sind dabei nur die wichtigsten Punkte. Dies alles kann letztlich entscheidend dafür sein, dass eine 5.000-Euro-HiFi-Anlage am Ende besser klingen kann, als eine 100.000-Euro-Anlage. Konkrete positive Ideen und Know-How für Tuning gibt es so viele, dass der Umfang dieses Specials schnell um ein Vielfaches überschritten würde. Ein entsprechendes Special "HiFi-Tuning" ist in Vorbereitung. Schicken Sie uns eine E-Mail. Wir informieren Sie, sobald das Special online ist. Vorab nur so viel: Ein Feld, in dem man sehr viel ereichen kann, ist der gesamte Bereich Netzanschluss. Lesen Sie dazu unsere Specials Brummen / Brummschleife, Blitzschutz / Überspannungsschutz, Mantelstromfilter, Netzfilter, Netzleiste und die Produktübersichten zum Thema Netzanschluss: Netzkabel, Wandsteckdose (Steckdosen), Netzleisten (Steckdosenleisten), Netzadapter (Netzstecker)

Was bringen SACD und DVD-Audio für den HiFi-Genuss?

Was man so hört und liest - vor allem aus der Richtung der Musikindustrie - stehen mit Super-Audio-CD (SACD) und DVD-Audio ganz klar die Nachfolge-Formate zur guten alten Audio-CD in den Startlöchern. Betrachten wir unsere Verkaufszahlen von CD-Playern und SACD-/DVD-Audio-Playern im Vergleich, dann kann man mit Recht behaupten: Die gute alte CD ist "out". Mit einer - für digitale Quellen - besseren Klangqualität und einem deutlich erweiterten Dynamikumfang begeistern die neuen HiFi-Formate in der Tat. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass es doch einige "Experten" gibt, die keine signifikanten Klangunterschiede zur Audio-CD heraushören.

Während die Audio-CD ein reinrassiges Stereoformat ist, nutzten sowohl SACD wie auch DVD-Audio die Mehrkanaltechnik mit bis zu 6 Audiokanälen, was allerdings nur bei entsprechend ausgestatteten Anlagen gehört werden kann. Da der überwiegende Teil der SACD-Quellen nur in Stereo vorliegt, und SACD bereits in Stereo seine klangsteigernden Eigenschaften voll ausspielt, kann man sich bei diesem Format durchaus auf eine Anlage mit zwei Lautsprechern beschränken. Einem späteren Ausbau steht ja nichts im Wege. Bei DVD-Audio hingegen werden fast alle Discs als Mehrformat-Versionen produziert.

Beide Formate haben gegenüber der Audio-CD den Vorteil, ein wesentlich feineres Aufzeichnungsverfahren zu verwenden. Entscheidend ist die Samplingrate, auch Abtastfrequenz genannt. Zum Vergleich: Das PCM-Verfahren (PCM = Pulse Code Modulation) der Audio-CD tastet das analoge Ausgangssignal 44.100 Mal in der Sekunde ab (44,1 kHz) und wandelt das Signal in einen digitalen Wert mit 16 Bit Genauigkeit um. Mit 16 Bit Auflösung (Samplegröße) lassen sich 65.536 unterschiedliche Werte darstellen.

Die DVD-Audio arbeitet ebenfalls mit dem PCM-Verfahren, tastet jedoch 192.000 Mal in der Sekunde ab, also über 4-mal so oft. Und die Auflösung arbeitet mit einer Genauigkeit von 24 Bit, womit sich 16.777.216 unterschiedliche Töne darstellen lassen. Die Feinheit der Auflösung ist also 256-mal so hoch wie bei der Audio-CD. Und das Ganze funktioniert auch noch mit einer fast 7-mal höheren Datenrate: 9,6 MBit/s bei der Audio-DVD vs. 1,4 MBit/s bei der Audio-CD. Das sind für sich schon beeindruckende technische Werte.

Die von Philips und Sony aus der Taufe gehobene Super-Audio-CD, kurz SACD geht andere Wege. Die SACD verwendet nicht das gute alte PCM-Verfahren, sondern eine völlig neue Abtastung mit dem Namen DSD (Direct Stream Digital). DSD arbeitet mit einer unglaublichen Samplingfrequenz von rund 2,8 Millionen Informationen pro Sekunde (2,8224 MHz). Das ist das 64-fache der Audio-CD. Allerdings verwendet SACD eine 1-Bit-Auflösung und muss daher eine riesige Menge an Nullen und Einsen verwenden, um das analoge Ausgangssignal abzubilden. Als Datenrate werden 2,8 MBit/s pro Kanal angegeben. Was vielfach in der Herstellerwerbung untergeht: Auch bei der SACD handelt es sich letztlich um eine DVD. Bei der häufigsten Variante, der Hybrid-SACD, handelt es sich um eine dual-layer DVD-9. Dabei enthält eine Schicht den SACD-Datenstrom, die andere das CD-Audio-Format. Diese SACDs lassen sich problemlos auf einem herkömmlichen VD-Player abspielen.

Beide Systeme sollen eine Frequenzbandbreite von bis zu 100 kHz (SACD) bzw. 96 kHz (DVD-Audio) wiedergeben können. Die Audio-CD beschränkt sich hingegen auf 20 kHz. Diese Werte sind allerdings mit etwas Skepsis zu sehen, denn schon weit vor Erreichen der 20 kHz kann das Gehör eines normal veranlagten Menschen bewusst keinen Klang mehr wahrnehmen. Die Betonung liegt jedoch auf dem "bewussten Hören". Die Frage ist, ob wir nicht auch suprasonale Schwingungen in feinen Obertönen irgendwie empfinden, und ob nicht gerade dies einen Teil des Erlebens von Musik ausmacht. Solange allerdings nicht die gesamte Kette vom SACD- / DVD-Audio-Player über den Verstärker bis hin zu den Lautsprechern einschließlich der Verkabelung diesen hohen Frequenzen gewachsen ist, solange also noch ein "schwaches Glied" in der Kette ist, kann eine Anlage die volle Frequenzbandbreite von SACD und DVD-Audio nicht wiedergeben. Und dies ist auch im Jahr 5 nach Einführung der neuen Formate nur höchst selten der Fall.

Nun zur alles entscheidenden Klangqualität. Mit dem analogen Erleben einer guten Schallplattenaufnahme, abgespielt auf einem gut justierten hochwertigen Plattenspieler, kommt keine digitalisierte Aufnahme mit. Das ist nicht nur die ganz persönliche Meinung des Autors, sondern spiegelt sich auch in den Äußerungen von nicht wenigen HiFi-Begeisterten wider. Sowohl für SACD wie auch für DVD-Audio sind Neuaufnahmen der betreffenden Musiktitel erforderlich, wenn das Klangpotential der neuen Formate ausgeschöpft werden soll. Bei vielen historischen Aufnahmen wird man lediglich die einmal gefertigten Masterbänder auf die neuen Formate übertragen können, was natürlich nicht besonders effektiv ist. Jeder hat sein persönliches Musikempfinden. Deshalb enthalten wir uns hier ganz bewusst einer Wertung, auch wenn wir eine ganze Reihe sehr ergreifender SACD-Aufnahmen hören konnten. Unsere Meinung: Bei der Neuanschaffung eines Players lohnt es sich auf jeden Fall, ein SACD-Laufwerk zu wählen. Noch besser ist es, gleich einen Player zu kaufen, der neben SACD auch noch DVD-Audio (und damit auch gleich DVD-Video) beherrscht. Die Abwärtskompatiblität zur Audio-CD ist bei jedem Player ohnehin Standard. Übrigens kann man nicht pauschal behaupten, dass SACD etwa immer besser klingt als CD. Dazu Wilfried Kress in der "hifi & records" 04/2003:

"... Wir haben ein Referenz-CD-Laufwerk und einen SACD-Player Hybridscheiben im Vergleich abspielen lassen. Zwar klingt SACD - einem MC-System vergleichbar - aufgelöster, detailreicher und feiner, aber den Druck, die Präzision und die Innenspannung bestimmt das Laufwerk. Sprich: Das überlegene Laufwerk klingt unterm Strich auch »nur« mit CD einfach besser."
 

Welchen Einfluss haben Kabel auf den HiFi-Klang?

Es gibt viele klangbeeinflussende Faktoren, die außerhalb der eigentlichen HiFi-Geräte stehen. Siehe oben unter HiFi-Tuning. Doch unbestritten ist, dass die Kabel-Verbindungen der HiFi-Komponenten den mit Abstand größten Einflusss auf das Klangerlebnis ausüben. Man stelle sich nur vor, mit welcher Akribie hochwertige HiFi-Komponenten kontruiert und gebaut werden. Alle Signalwege innerhalb der Geräte sind sorgfältig auf die Vermeidung von potentiellen Klangverlusten hin optimiert. Dies endet dann allerdings oft an den vergoldeten Anschluss-Buchsen auf der Rückseite. Denn noch immer schenken selbst ambitionierte HiFi-Freunde der Kabelverbindung zu wenig Aufmerksamkeit. Wie komplex z.B. ein hochwertiges Lautsprecherkabel aufgebaut sein kann, zeigt unser Special zur Technik der Lautsprecherkabel am Beispiel des Inakustik LS-1102. Wenn auch dem Lautsprecherkabel als letzte analoge Verbindung zum Schallwandler die weitaus größte Bedeutung im Klanggeschehen zukommt, so gilt das Verhältnis von technischem Aufwand zu Klangsteigerung im Prinzip für alle analogen Verbindungen. Gute HiFi-Kabel zeichnen sich nicht nur durch hochreines Leitermaterial und ausgeklügelte, laufrichtungoptimierte Windungsgeflechte der Aderseelen aus, sie sind auch mehrfach geschirmt, verwenden spezielle Lötmittelmischungen in den Steckern und haben einen besonderen Knick- und Zugschutz an der kritischen Schnittstelle Kabel-Stecker. Welchen Aufwand man allein zum Thema Stecker betreiben kann, zeigt der Spezialist WBT mit seiner neuen Stecker-Serie WBT nextgen.

Ein gutes HiFi-Kabel ist zwar i.d.R. erheblich teurer als ein Standard-Kabel. Doch wenn man z.B. für ein NF-Kabel (Audiokabel) mehr als 100 Euro ausgibt - Beispiel: Straight Wire Encore II, 0,50 m - erhält man schon ein absolut hochwertiges und klangsteigerndes Kabel. Auch bei einem Lautsprecherkabel liegt man mit einem Kimber 8 PR, das man sich dann vielleicht noch konfektionieren lässt, z.B. mit Kabelschuhen Kimber PM33 oder mit WBT 0645 Safty-Pin Bananas, je nach Terminierung zwischen 200 und 300 Euro. Mit einem solchen Lautsprecherkabel kann man aber schon eine frappierende Klangsteigerung erreichen.
 

Zum Teil 2 von HiFi lebt! ...


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