AV-Boliden Check 2012 (Teil 1/4) - Onkyo TX-NR 5010 und Pioneer SC-LX86

AV-Boliden Check 2012 (Teil 1/4) - Onkyo und Pioneer

Autor: Carsten Rampacher, AREADVD, exklusiv für HIFI-REGLER, 05.10.2012
 


Inhalt:
 


Die Ansprüche von Liebhabern höchster Klangqualität befriedigen preisgünstige AV-Receiver nicht. Zu wenig  Feindynamik, zu wenig Detaillierungsvermögen und ein insgesamt zu wenig räumlicher Klang werden oftmals als Nachteile angeführt. Bei Video- und Multimediafunktionen sind die Unterschiede zwischen teuren und preiswerten AV-Receivern weit weniger gravierend als hinsichtlich der akustischen Güte. Wir stellen Ihnen in diesem Special aktuelle hochwertige AV-Receiver vor, mit denen Sie aus klanglicher Sicht in die erste Liga ein- bzw. aufsteigen. Wir wünschen viel Freude beim Lesen!

 

Onkyo TX-NR 5010

Onkyo TX-NR 5010
Beeindruckende Schaltzentrale: Der Onkyo TX-NR 5010 in der Preisklasse um 2.999,00 Euro


Mit knapp 3000 EUR ist der Onkyo TX-NR5010 der teuerste der hier vorgestellten Kandidaten, dafür bietet er aus audiophiler Sicht auch den aufwändigsten Aufbau. Im Zentrum des Innenlebens steht der massive Ringkerntransformator, der für eine hohe Stromlieferfähigkeit auch beim Dauereinsatz mit hohem Pegel sorgt. Als Gütesiegel für höchste klangliche Performance trägt der Onkyo, wie übrigens auch der Pioneer SC-LX86, das THX Ultra 2 Gütesiegel.

  Einmess-Mikrofon des IOnkyo TX-NR 5010
  Das Einmmess-Mikrofon des Onkyo TX-NR5010. Zum Vergrößern aufs Bild klicken ...

Klar, dass Onkyo mit 220 Watt pro Kanal auch reichlich Endstufenleistung einschenkt. Der TX-NR5010 mit neuen eingebauten Endstufen beschallt problemlos große Hörräume, die gern auch über 40 Quadratmeter messen dürfen. Damit die Signale vor der Weiterleitung zu den Lautsprechern auch qualitativ hochwertig von der digitalen in die analoge Ebene gewandelt werden, hat der große Onkyo 192 kHz/32-Bit D/A-Wandler eingebaut. Die im Vergleich zu früheren Wandlern nochmals erhöhte Bittiefe sorgt für mehr Präzision in der Wiedergabe.

Fernbedienung des Onkyo TX-NR 5010  
Angesichts der Funktionsvielfalt des TX-NR 5010 wirkt die Fernbedienung schon fast puristisch. Zum Vergrößern aufs Bild klicken ...  

Natürlich decodiert der TX-NR5010 alle aktuellen HD-Tonformate, hinzu kommen Decoder für Audyssey DSX, Dolby Pro Logic IIz sowie DTS Neo:X. Dafür, dass beim Decoding immer Höchstleistungen a

nstehen, sorgt ein 32-Bit DSP-Prozessor. Als Einmesssystem kommt das aktuelle Top-Produkt für den Consumermarkt aus dem Hause Audyssey zum Einsatz: MultEQ XT 32 erlaubt das Einmessen an bis zu acht Hörpositionen und eine genaue Anpassung auch des aktiven Subwoofers.

Video-Processing wird beim TX-NR5010 ebenfalls groß geschrieben. Der HQV Vida VHD1900 sorgt für bestmögliche Ergebnisse. Typisch für Onkyo, gibt es einen reichhaltigen Video-EQ und auch noch zwei ISF-Betriebsarten (je ein Preset für Tag und Nacht).

Grandios bestückt ist die Anschlusssektion. 11 (!) HDMI-Anschlüsse sprechen hier eine deutliche Sprache. Wer sein Smartphone oder Tablet an den frontseitigen HDMI-Port anschließt, kann sich über die Unterstützung von Mobile High Definition Link (MHL) freuen und multimediale Inhalte vom mobilen Device über den Onkyo wiedergeben.

Rückseite des Onkyo TX-NR 5010
Die rückwärtigen Anschlüsse des Onkyo TX-NR 5010


Das Thema Multimedia schreibt Onkyo besonders groß – auch im Vergleich mit manchem Konkurrenten. Verschiedene internetbasierte Musikdienstleister sind ab Werk vorinstalliert. Dazu gehören Spotify, vTuner als kostenlose Plattform und auch das deutsche Start-Up AUPEO!. Wie alle anderen Kandidaten außer Denon (hier werden auch jpeg-Bilder gestreamt) beschränkt sich die Streamingfunktion auf Musikdateien.
 

User Interface des Onkyo TX-NR 5010
Alles was State-of-the-Art ist in Sachen Netzwerk findet sich im Onkyo TX-NR 5010


FLAC, WAV, ALAC, AAC sowie MP3 werden beispielsweise wiedergegeben. Unter „Streaming“ versteht man das Zuführen entsprechender Dateien von PCs oder Servern, die sich im gleichen Netzwerk wie der AV-Receiver befinden. Übrigens: Ebenso wie bei Pioneer gibt es auch bei Onkyo einen optionalen WLAN-Adapter für die kabellose Integration. In beiden Fällen haben die Adapter makellos funktioniert.
 

Frontanschlüsse des TX-NR 5010
HDMI-Frontanschluss ist MHL-tauglich

 

Optisch unterscheidet sich der große Onkyo auf den zweiten Blick von den günstigeren „Geschwistern“. Besonders hochwertige Gehäuseseitenteile und ein besonders massiver Deckel sind die Kennzeichen. Der Onkyo ist wahlweise in schwarzer oder silberner Version erhältlich, wie auch bei Pioneer und Denon. Nur beim Yamaha RX-A3020 gibt es neben der schwarzen eine titanfarbene, aber keine silberne Variante.

Die partiell beleuchtete Fernbedienung liegt gut in der Hand und ermöglicht zusammen mit dem ordentlich aufgebauten und grafisch attraktiv gestalteten OSD eine komfortable Bedienung. Der TX-NR5010 reagiert meist schnell auf per Fernbedienung gegebene Befehle. Praktisch sind die Direktzugriffstasten für die unterschiedlichen Musik- und Filmton- sowie Game-Decoding-Programme. Wer möchte, kann, ebenso wie bei allen anderen Konkurrenten, den TX-NR5010 auch über eine kostenlos erhältliche App steuern (für Android- und Apple iOS-Smartphones/Tablets).
 

Manueller Equalizer am Onkyo TX-NR 5010
Manueller grafischer Equalizer


Akustisch zeigt der TX-NR5010 seine große Klasse. Besonderheit ist bei verschiedenen hochwertigen AV-Receivern, dass hochauflösende Dateien im FLAC 96 kHz/24-Bit oder 192 kHz/24-Bit Format, die vom PC/Server oder über USB-Medien zugespielt werden, wiedergegeben werden können. Man hat hier in der Theorie eine Klangqualität, die deutlich über dem liegt, was eine CD oder DVD bereit stellt. SACD oder Blu-ray sind hier eher die Konkurrenten aus dem Bereich der konventionellen Medien.  Mit enormer Grob- und Feindynamik gibt der TX-NR5010 klassische Musikstücke oder auch zeitgenössischen Jazz wieder. Einzelne Instrumente sind klar zu orten, die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist sehr gut gelungen.

Verglichen mit den hier vorgestellten Konkurrenten entpuppt sich der TX-NR5010 als klanglich recht neutral, er tendiert im Vergleich mit Denon und Pioneer ebenso wie der Yamaha RX-A3020 eher in Richtung des klassischen HiFi-Ideals, das wir aus der Höhe-Phase aus den 80ern und der seligen „Only Stereo“ Zeit her kennen. Pegelfest ist der TX-NR5010, und auch bei gewaltiger Lautstärke arbeitet er auch kleinere Effekte noch präzise heraus.

Im Filmtonbetrieb beeindruckt der hervorragende Tiefgang, und auch die Endstufen-Performance. Wer große Standlautsprecher vorn einsetzt, die das gesamte Frequenzspektrum abdecken, braucht keinen separaten aktiven Subwoofer  - obwohl der TX-NR5010, wie auch die Konkurrenten, gleich zwei Pre-Outs auf der Rückseite besitzt. Leise Kritik müssen wir am Einmesssystem üben – ist dieses aktiviert, verliert der Onkyo etwas an Detailtreue, Neutralität und Klarheit, die Durchhörbarkeit im Hochtonbereich sinkt.
 

Auto-Setup des Onkyo TX-NR5010
Die Einmess-Software Audyssey arbeitet beim TX-NR 5010 nicht ganz so überzeugend.

 

Top ist das Videoprocessing.  576i Quellen, ganz gleich, ob Film- oder Videomaterial, werden in hoher Qualität auf 1080p hoch konvertiert. Sogar bis auf 4K rechnet der TX-NR5010 hoch – ebenso wie die Konkurrenz (außer dem Pioneer SC-LX86 – dieser schleift nur 4K Signale durch, Hochkonvertierung ist nur bis 1080p möglich), die allesamt nicht nur ein Durchleiten eingehender 4K Signale ermöglicht, sondern tatsächlich eingehende Signale auf bis zu 4K  hochwandeln kann. Onkyo aber hat als einziger Hersteller in diesem Kreise bei einigen Modellen bereits letztes Jahr die 4K-Hochkonvertierung angeboten.

Bilanzierend macht der Onkyo gerade durch seine hohe Klangtreue und die enorme Souveränität bei hohem Pegel klar, dass er völlig zu Recht die teuerste der hier vorgestellten Alternativen ist. Allerdings sollte der versierte Hörer selber einpegeln und sich gegebenenfalls mit dem ebenfalls eingebauten grafischen EQ ein eigenes Setup bauen. Obwohl Audyssey MultEQ XT32 deutlich verbessert in Vergleich zu früheren Ausbaustufen ist, zeigen sich Pioneers MCACC und auch Yamahas YPAO in nochmals besserer Form.

Pioneer SC-LX 86

Pioneer SC-LX 86 von vorne
Pioneer SC-LX86 für 2699 Euro

 

Pioneer SC-LX 86 von hinten
Die hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

„Mehrkanal-Receiver“ und nicht mehr „AV-Receiver“ nennt Pioneer die Aushängeschilder der „Kollektion“ seit diesem Jahr. Wieso diese Namensänderung? Klare Antwort: Musikwiedergabe steht klar im Mittelpunkt des Produktkonzeptes. Videoprocessing ist bei den großen SC-LX-Modellen ebenso Ehrensache wie Filmton-Power bis zum Abwinken. Daher mussten neue Ziele her, und diese betreffen im Wesentlichen zwei Dinge:

Blick ins Innere des Pioneer SC-LX 86  
Innenleben des SC-LX 86. Pioneer setzt auf digitale Endstufen. Zum Vergrößern aufs Bild klicken ...
 
 

Multimediale Musik-Fähigkeiten von höchstem Range inklusive HiRes-Audio-Streaming und Auslegung von Vor- und Endverstärkersektion auf höchste Musikalität. Umso überraschender, dass Pioneer z.B. beim 2699 EUR kostenden Topmodell SC-LX86 auf digitale Endstufen setzt: „Direct Energy HD“ soll dem allgemeinen Vorurteil entgegen wirken, dass digitale Endstufen zwar kaum Verlustwärme entwickeln, aber auch genauso wenig klangliche Emotion darstellen können. Doch die erfahrenen Toningenieure der weltweit renommierten Londoner Air Studios vertrauen der „digitalen Kraft“, haben den SC-LX86 mit neun jeweilis 190 Watt starken Endstufen mit abgestimmt und ihr Logo auf die hochwertige Vorderseite des SC-LX86 gesetzt. Übrigens – auch das THX Ultra 2-Logo fühlt sich beim großen Pioneer heimisch.

Klanglich hat Pioneer einen großen Aufwand betrieben, um den SC-LX86 ins rechte Licht zu rücken. Die neueste und beste Version des automatischen Einmesssystems MCACC ist mit dabei, diese Evolutionsstufe verfügt auch über Phase Control Plus, hier wird eine Echtzeit-Messung der Phase möglich. Damit man die überragende Klangqualität flexibel nutzen kann, hat Pioneer entsprechend vorgesorgt: Über den vorderen USB-Input werden Dateiformate (LPCM, FLAC, WAV) in bis zu 192 kHz/24-Bit Auflösung unterstützt – das hat Seltenheit. Doch das ist nicht alles – am hinteren USB-Eingang wird sogar bis zu 192 kHz/32-Bit akzeptiert. Zudem hat der AV-Receiver einen asynchronen USB-Wandler mit an Bord. Dieser USB-DAC sorgt bei Verbindung mit einem PC dafür, dass der SC-LX86 als Soundkarte auftritt und keine weitere Soundkarte mehr nötig ist. Dies bietet derzeit kein anderer AV-Receiver. Auch, dass neben diversen anderen Formaten (WAV, FLAC, AAC …) ebenso das Format der SACD, Direct Stream Digital (DSD) wiedergegeben werden kann, ist derzeitiges Alleinstellungsmerkmal. Im Bereich der hochauflösenden Audio-Dateiformate kommt neben FLAC auch DSD immer mehr „in Mode“.

Einmessen mit MCACC: Time Alignment
Das OSD-Menu der Einmess-Software MCACC: Hier das Time Alignment
MCACC - das derzeit beste Einmesssystem
Die derzeit Einmess-Software: MCACC
Einmessen mit MCACC: Stehende Wellen eliminieren
Akustisch versierte Anwender freuen sich über die üppige Ausstattung des MCACC.


MHL unterstützt der SC-LX86 übrigens auch, sogar ein entsprechendes Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Dank Precision Quartz Locking System (PQLS) können  in Verbindung mit einem ebenfalls mit PQLS ausgestatteten Pioneer BD-Player Laufzeitfehler im HDMI-Signal ausgeglichen werden.

Der SC-LX86 kommt, ebenso wie der Denon AVR-3313, mit gleich drei  HDMI-Ausgängen, einer kann sogar, wie beim Yamaha RX-A3020 (dieser hat jedoch nur 2 HDMI-Outs insgesamt), für HD-Bildsignale einer 2. Zone verwendet werden.  HDMI-Eingänge hat der SC-LX86 sieben und damit deutlich weniger als der Onkyo TX-NR5010, der dafür „nur“ zwei HDMI-Ausgänge hat.

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