9.2 Mehrkanal-Netzwerk-Receiver Pioneer SC-LX801: Kraftpaket mit digitalen Endstufen

Carsten Rampacher (HIFI-REGLER Redaktion) am 01.11.2016

Pioneer hat schon einige Jahre Erfahrungen mit digitalen Endstufeneinheiten. Bereits seit dem 7.000 EUR Boliden SC-LX90 "Susano" im Jahr 2009 kommen in Pioneers Top-Modellen digitale "Direct Energy HD" Endstufen zum Einsatz. Neu entwickelt, speziell im Hinblick auf die objektbasierten "Immersive Sound" Tonformate dts:X und Dolby Atmos, präsentieren sich die "Direct Energy HD" Endstufen-Einheiten im 2.199 EUR kostenden, von den legendären Londoner "Air Studios" akustisch feingetunten Pioneer SC-LX801.

 

Auf 2.199 EUR kommt der 9.2 Netzwerk-Receiver Pioneer SC-LX801

 

 

Kennzeichen digitaler Endstufen sind hohe Leistungsfähigkeit sowie geringe Verlustwärme beim Verstärkungsprozess. Satte 810 Watt an simultan verfügbarer Leistung hält der SC-LX801 bereit. Hochleistungs-Chips mit enormer Performance (Cirrus Logic Quad-Core-CPU) erledigen das Decoding von Dolby Atmos und dts:X. Natürlich fehlen auch die Upmixer dts Neural:X und Dolby Surround nicht. Mit deren Hilfe können konventionelle Tonspuren hochskaliert werden. Die Top Firing-Module oder Deckenlautsprecher, je nach Aufbau, werden dann mit ins akustische Geschehen einbezogen.

Apropos Top Firing Module - dank spezieller Technologie werden sie besonders gut in die Gesamt-Akustik integriert. Pioneers Einmess- und Room EQ System MCACC Pro, auf welches der SC-LX801 zurückgreifen kann, hat eine spezielle "Phase Reflex" Technologie an Bord, die für eine nahtlose Integration sorgt. MCACC Pro mit "Full Band Phase Control", einem eigenen 4-Band-EQ für den Subwoofer sowie zahlreichen Nachbearbeitungsmöglichkeiten für de erfahrenen Anwender ist nach wie vor, das zeigt auch unser Check, eines der potentesten Einmess- und Room EQ-Systeme am Markt. Einzig und allein die Tatsache, dass MCACC Pro beim Einpegeln der Lautsprecher in mehreren Test-Reihen etwas zu vorsichtig zu Werke ging, trübt die erstklassige Bilanz. Hier muss der Anwender unter Umständen manuell nach korrigieren.

 

Der Pioneer SC-LX801 von innen - ein sorgfältiger Aufbau aus besten Bauteilen

 

 

Eine überragende, hochpräzise Signalverarbeitung hängt auch stark von der Güte der eingesetzten digital-analogen Wandler, kurz DACs, ab. Daher verwendet Pioneer mit das Beste, was der Markt derzeit bereithält. Die 384 kHz/32-Bit ESS Sabre32 Ultra DACs ermöglichen eine Wandlungsqualität auf Studio-Niveau. Ideal für den Einsatz des SC-LX801, wenn es um die Wiedergabe von HiRes-Audio-Dateien geht. In unseren Testeihen kam der edel verarbeitete, formschöne und moderne Mehrkanal-Receiver mit zahlreichen DSD- und FLAC-Dateien glänzend zurecht und bot im 2-Kanal-Betrieb ein detailreiches, fein auflösendes Klangbild mit hervorragender Dynamik und authentischer Räumlichkeit. DSD kann der SC-LX801 bis 11,2 Mhz (Quad-DSD) wiedergeben, FLAC bis 192 kHz/24-Bit. WAV, AIFF sowie ALAC-Dateien kann der Pioneer ebenfalls wiedergeben.

Per Firmware-Update wird der Pioneer SC-LX801 Google Cast sowie Fire Connect unterstützen. Hinter Fire Connect verbirgt sich der von der Firma Blackfire Research entwickelte Angriff von Pioneer und Onkyo auf Yamaha Music Cast und Heos by Denon. Die Signale des jeweiligen Mehrkanal-Receivers können, so das Konzept, auf Fire Connect-kompatible Devices in bis zu 8 anderen Räumen/Zonen verteilt werden. Fire Connect ist dabei im Gegensatz zu Heos und MusicCast ein offener Standard und kann daher prinzipiell auch von anderen Geräte-Herstellern verwendet werden.

Schon jetzt ist der Pioneer SC-LX801 gerüstet für Apple AirPlay, Spotify, Tune In Internet-Radio, Tidal und Deezer. Die Reaktionszeiten bei der Verwendung der Multimedia-Sektion sind beispielhaft kurz. Ganz gleich, ob man sich einen HiRes-Audio-Titel, der auf dem NAS-System gespeichert ist, aussucht, oder aber Musik von Spotify hören möchte: Der SC-LX801 sorgt immer für einen zügigen und störungsfreien Beginn der Wiedergabe. Und auch die Qualität der Wiedergabe stimmt. Selbst dann, wenn man Spotify-Tracks mittels dts Neural:X für die Wiedergabe über ein 5.1.4-Lautsprechersystem aufpoliert, ist das Klang-Erlebnis klar, umfassend und erstaunlich präzise. Die Einbindung der Top Firing-Module ist ausgezeichnet. Schnell wird überdies deutlich, wie gut dts Neural:X ist, schon bei datenreduziertem Spotify-Material erfolgt eine tadellose Aufbereitung.

Bei nativen dts:X Tonspuren (Independence Day, Ultra HD Blu-ray) begeistert die extrem dichte, kraftvolle Wiedergabe des SC-LX801. Dynamische Unterschiede werden exzellent und impulstreu herausgestellt. Stimmen fügt der Pioneer hervorragend ins akustische Gesamt-Gefüge ein, überdies lösen sich, ein entsprechend hochwertiges Mehrkanal-Lautsprecherset vorausgesetzt, alle akustischen Anteile sehr gut von den Boxen. Bei "San Andreas" (Ultra HD Blu-ray) setzt der SC-LX801 die Dolby Atmos-Tonspur akustisch erstklassig um und schafft so eine vielschichtige Atmosphäre, welche die Überkopf-Ebene lebendig einbindet. Der gewünschte dreidimensionale Höreindruck wird daher in nahezu vollem Umfang geboten.

Nicht ganz so viele Worte muss man über die Video-Sektion verlieren. Der Pioneer SC-LX801 bringt ausschließlich ein Upscaling von Full HD auf 4K mit. Hinzu kommt ein Regler für die Optimierung der Auflösung des betreffenden Video-Materials - das war alles. Die Qualität des Upscalings ist aber mit guter Detaillierung sowie einer relativ geringen Rauschneigung kaum zu kritisieren.

 

Sehr gutes, aber nicht perfektes Anschluss-Angebot hinten

 

 

Mit acht HDMI-Eingängen, von denen sich sieben hinten und einer vorne befindet (hinten sind die Inputs 1 bis 5 mit HDCP 2.2 ausgestattet), aber nur zwei HDMI-Ausgängen (die Konkurrenz von Denon zum Beispiel bietet schon in der 1.600 EUR-Liga drei HDMI-Ausgänge) muss im Detail leise Kritik geübt werden.

 

Die MCACC Einmessung ist in die Ersteinrichtung integriert

 

 

Bleibt noch anzumerken, dass sich der SC-LX801 trotz des großen Ausstattungsumfangs insgesamt leicht handhaben lässt. Ein ins OSD integrierter Assistent hilft mit Grafiken sowie Texten bei der ersten Inbetriebnahme. Die Menü-Grafik ist als ausgesprochen hochwertig zu bezeichnen.

 

Einfach gehaltene Fernbedienung

 

 

Das trifft auf die mitgelieferte Fernbedienung nicht zu. Sie ermöglicht zwar eine sehr einfache Bedienung und weist eine angenehme Größe auf, wirkt aber im Gegensatz zum Hauptgerät wenig edel.

 

Pioneer iControl AV5 App

 

 

Viel Spaß verspricht die Pioneer iControl AV5 App, mit der sich der SC-LX801 per Smartphone oder Tablet bedienen lässt. Grafisch toll gemacht und mit großartigemm Funktionsumfang, stellt sie einen ausgezeichneten Ersatz für das Bedienkonzept Fernbedienung/OSD dar.

Bilanzierend ist der Pioneer SC-LX801 für 2.199 EUR ein faszinierender, edler Mehrkanal-Receiver, der mit erstklassigem Klang und sehr großzügiger Ausstattung für sich einnimmt. Dass im Inneren digitale Endstufen werkeln, merkt man akustisch nicht - so lebendig und kultiviert tritt der SC-LX801 aus. Überdies verfügt er mit MCACC Pro über eines der besten Einmess- und Room EQ-Systeme.

 

 

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