HIFI-REGLER-SPECIAL: Dolby Atmos, DTS:X oder Auro-3D – was klingt am besten?

Thomas Schmittlein (HIFI-REGLER) am 29.04.2016

Was heißt „objektbasiertes Audioformat?

Früher, bis einschließlich Dolby TrueHD/DTS-HD Master Audio, war das Layout einer Surround-Tonspur komplett im „fertigen“ Kanal-Layout gehalten. Mit dem fixen Layout bekam der AV-Receiver die Informationen zugespielt und musste diese mittels des entsprechenden Decoders decodieren.

Moderne AV-Receiver oder AV-Vorstufen bringen viel Rechenleistung mit. Nun ist nur noch eine kanalbasierte Grundform vorhanden. Ansonsten gibt es einzelne sogenannte Audio-Objekte, die in Echtzeit vom AV-Receiver auf die einzelnen Lautsprecher des jeweiligen Set-Ups verteilt werden. Je nachdem, wie viele Lautsprecher vorhanden sind, gestaltet sich die Verteilung der einzelnen Audio-Objekte anders. Klar ist, dass der AV-Receiver oder die AV-Vorstufe deutlich mehr interne Rechenleistung benötigen, da sie die Verteilung der Objekte organisieren müssen.

Wo spielt sich das Geschehen ab?

Früher gab es bereits Versuche, das Klangbild im Surroundbetrieb um eine Ebene über den Köpfen der Zuhörer zu erweitern: DTS:Neo:X, Dolby Pro Logic IIz und Audyssey DSX hießen diese allesamt matrixbasierten Versuche. Überall aber standen Präzisions- und Ortungsverluste dem – nicht besonders deutlichen – Gewinn an Räumlichkeit und Dreidimensionalität gegenüber.

„Immersive Sound“

Nun kommt "Immersive Sound" in einer ganz neuen Qualität, in HiRes-Auflösung und mit fein dosierter, gleichwohl gut wahrzunehmender, echter Räumlichkeit – ein ganzheitliches Hörerlebnis ist die unmittelbare Folge.

  • Dolby Atmos bietet zwei gebräuchliche Versionen fürs Heimkino an: Entweder mit zwei Height-Lautsprechern (vorn links/rechts) oder mit vier (vorn links/rechts, hinten links/rechts). Die Lautsprecher selbst können entweder sogenannte Top Firing-Module sein, die einfach auf die Front- oder auf die Front + Surround-Lautsprecher draufgestellt werden, oder aber an der Hörraumdecke montierte Lautsprecher.
  • Auro-3D verfolgt ein anderes Prinzip, hier gibt es – eigentlich – keine Top Firing-Module. Vielmehr werden Regallautsprecher (Bookshelfs) oberhalb der Front- oder der Front + Surroundlautsprecher montiert. Zusätzlich gibt es noch die sogenannte „Voice Of God“ – die „Stimme Gottes“ ist ein Deckenlautsprecher, zentriert über den Zuhörern angebracht. Der Kanal für die „Voice Of God“ ist nicht zwingend notwendig. Das ist auch gut so, denn ansonsten bräuchte man einen 10. Kanal, und die meisten, auch hochwertigen, AV-Receiver bringen neun Kanäle mit.
  • DTS:X rühmt sich damit, das flexibelste System zu bieten. Sowohl Auro-3D – als auch Dolby Atmos-Konfigurationen können verwendet werden. DTS:X erkennt die jeweilige Positionierung der Lautsprecher im Hörraum und passt dementsprechend an.

 

Die Upmixer

Native Blu-rays mit objektbasierten Audio-Formaten mehren sich auf dem Markt, allerdings weitaus weniger nachdrücklich, als wir uns das wünschen würden. Da nur wenige Studios das Format unterstützen, fristet Auro-3D außerdem ein Schattendasein. Nur verschiedene Denon & Marantz AV-Receiver und AV-Vorstufen sind gegen 150 EUR Aufpreis mit einem online-basierten Auro-3D-Update auszurüsten. Doch ist man bei den drei Formaten überhaupt auf natives Material angewiesen? Schließlich haben alle drei Formate einen sogenannten „Upmixer“, der aus herkömmlichen Tonspuren (z.B. Dolby Digital Plus oder DTS-HD) unter Einbeziehung der Height-Lautsprecher ein vollwertiges „Immersive Sound“ Klangerlebnis zu machen verspricht. Hier die drei Upmixer:

  • Dolby Surround. Der Dolby-Upmixer heißt schlichtweg „Dolby Surround“
  • DTS Neural:X. Das Pendant von DTS.
  • Auro-Matic – der Upmixer von Auro-3D.

 

Welches objektbasierte Audio-Format klingt nativ am besten?

Pauschal kann dies nicht bewertet werden. Wichtiger als das zugrunde liegende Format ist, wie gut innerhalb des Systems jeweils gearbeitet wird. So gab es einige Dolby Atmos-Titel, die offensichtlich mit wenig Sorgfalt entstanden sind (Transformers – Ära das Untergangs, Gravity zum Beispiel) und kaum wahrnehmbare Effekte offerieren. Mit deutlich mehr „Verve“ haben sich die DTS-Entwickler auf der aktuellen DTS Demo-BD ans Werk gemacht (Auszug aus dem Animationsfilm „Rio 2“), hier sind die Effekte sehr gut wahrnehmbar. Nur wenig Software gibt es mit Auro-3D, was passiert, wenn man sich hier mit Sorgfalt einer entsprechenden Tonspur widmet, zeigt sich bei „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“. Sehr viel präzise gestaffeltes und dynamisches Geschehen oberhalb der Köpfe der Zuhörerschaft beweisen, wie umfassend ein „Immersive Sound“ Hörerlebnis sein kann.

Welcher Upmixer ist der Beste?

Auro-Matic arbeitet hervorragend

Alle drei Upmixer leisten eine grandiose Arbeit. Es kommt sogar vor, dass sehr lebhaft abgemischte 5.1-Blu-rays mit aktiviertem Upmixer besser klingen als native Atmos/DTS:X/Auro-3D Tonspuren. Alle drei Upmixer bieten eine klare Durchstrukturierung der Effekte, kein früher leider gängiges „Verschwimmen“ mit merklichem Präzisionsverlust. Stimmen bleiben fundiert und charismatisch erhalten. Sehr schön wird die Klangbühne nach oben geweitet, der Zuhörer fühlt sich merklich intensiver ins Geschehen eingebunden. Besonders überzeugt hat uns Auro-Matic. Detaillierung, feine räumliche Verteilung und das Management von Dynamiksprüngen sind hier besonders gut ausgeprägt. Leider ist Auro-Matic nur für wenig AV-Receiver/AV-Vorstufen, samt und sonders von D&M, erhältlich. Und noch etwas zeigt die Erfahrung. Man kann auch ein Auro-Setup mit Top Firing-Modulen betreiben. Manche mögen dies als Frevel oder Unsinn bezeichnen, in der täglichen Praxis aber ist die akustische Performance auf hohem Level. Die beiden Upmixer von Dolby und DTS operieren unseren Erfahrungen nach auf einem gleich hohen Niveau, die Auflösung ist bei DTS vielleicht minimal besser, dafür überzeugt der Dolby-Upmixer mit besonders homogenen, nahtlosen Übergängen zwischen Front- und Height-Lautsprechern.

 

Unser Fazit

Es lohnt sich definitiv, in die neuen objektbasierten Tonformate zu investieren und einen entsprechenden AV-Receiver plus entsprechende Lautsprecher zu erstehen. Nicht nur native Tonspuren, sondern auch konventionelle Tonspuren, die per Upmixer angepasst werden, klingen sehr gelungen und binden den Zuhörer deutlich authentischer ins akustische Geschehen ein.

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