Onkyo AV-Receiver TX-NR656 im Test bei HIFI-REGLER

Karl Breitmoser am 16.04.2016

Im Frühjahr startet Onkyo schon traditionell mit der Auslieferung neuer AV-Receiver. Auf besonderes Interesse bei uns stößt dabei TX-NR656, der in neuer, attraktiver Optik und mit sieben Endstufen ausgeliefert wird.

Kraft satt, aber leider noch kein DTS:X

Der TX-NR656 bietet eine üppige Endstufenleistung von 160 Watt pro Kanal, 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler für eine besonders exakte Wandlung des digitalen Audiosignals in ein analoges und einen Dolby Atmos-Decoder. Der AV-Receiver ist zwar geeignet für DTS:X als weiteres objektbasiertes Audioformat, aber leider wird das für den Betrieb erforderliche Firmware-Update erst für den Sommer erwartet.  Und noch etwas ist etwas betrüblich. Der TX-NR656 bringt zwar gleich acht 4K/60 Hz/HDR-fähige HDMI-Eingänge mit, auch die beiden HDMI-Ausgänge unterstützen diese Standards. Allerdings ist der Onkyo lediglich in der Lage, Videosignale durchzuschleifen. Es gibt kein internes Video-Processing, das zum Beispiel niedriger auflösende Bildsignale auf 4K hochrechnen kann. Bluetooth sowie ein WLAN-Modul bringt der TX-NR656 mit.

AccuEQ und AccuReflex

Für die Einmessung und die Abstimmung des angeschlossenen Lautsprechersystems auf den Hörraum ist AccuEQ mit an Bord. Im Testbetrieb funktionierte der Einmessvorgang problemlos, und was die Leistungsfähigkeit anbetrifft, ist die 2016er Version von AccuEQ besser unterwegs als die letztjährige Variante.  So ist der Klang ausgewogener und nuancierter im Hochtonbereich, wenn man AccuEQ aktiviert. Störende Einflüsse des Hörraums werden effektiv verringert.  Neu hinzu kommt die Technologie AccuReflex. Diese kümmert sich um die Phasenanpassung von Top Firing-Modulen in Relation zu den übrigen Lautsprechern. Die hörbare Folge sind nahtlose Übergänge und ein somit noch geschlossener auftretendes Klangbild.

Multimedia: Vieles kommt per Update

Schon jetzt kann der Onkyo alle gängigen HiRes-Audioformate wie FLAC, DSD oder WAV wiedergeben. Dank seiner hochwertigen D/A-Wandler eignet er sich auch gut für die High Resolution Audio-Wiedergabe.  Unsere Testreihen bestätigen dies, der TX-NR656 liefert eine klare und überraschend detailreiche Wiedergabe bei der Präsentation von FLAC-Files im Stereo-Betrieb mit Auflösungen von 88,2, 96 sowie 192 kHz mit jeweils 24 Bit TiefeSpotify und AirPlay sind ebenfalls schon installiert. Richtig interessant wird es aber erst, wenn voraussichtlich ab Sommer das Update für die Verwendung von „FireConnect“ kommt. Mittels FireConnect lassen sich beliebige analoge oder digitale Audio-Quellen vom TX-NR656 zu entsprechend geeigneten Wireless-Lautsprechern in anderen Hörzonen streamen. Weitere onlinebasierte Dienste wie Tidal oder Deezer kommen ebenfalls per Firmware-Update hinzu. Auch Google Chromecast wird folgen. Schade, dass Onkyo nicht zumindest einen Teil der Features jetzt schon implementiert hat, so drängt sich ein wenig der Eindruck auf, ein erst „halbfertiges“ Gerät vor sich zu haben.

Anschlussbestückung: Reichhaltig

Was die Bestückung mit Anschlüssen angeht,  lässt sich der TX-NR656 nichts vorwerfen. Die bereits erwähnten acht HDMI-Eingänge (sieben davon hinten, einer vorne), die beiden HDMI-Ausgänge, ein koaxialer Digitaleingang, zwei optische Digitaleingänge, eine Ethernetbuchse, USB-Terminal (5V/1A), Komponenten-Video-Eingänge (analog-Cinch) und, für Vinyl-Liebhaber ein Phono-Eingang notieren wir erfreut. Zwei parallel geschaltete Vorverstärkerausgänge zum Anschluss von zwei aktiven Subwoofern sind auch auf der gut verarbeiteten Rückseite des TX-NR656 untergebracht.

Neue Optik, solide Verarbeitung

Der TX-NR656 verfolgt optisch einen neuen Weg – uns gefällt der Siebenkanal-Receiver sehr gut.  Von den 2015 erstmals eingeführten TX-RZ-AV-Receivern der angehenden Oberklasse wurde die Optik des großen Lautstärke-Drehreglers übernommen. Überhaupt, so scheint es, standen die TX-RZ-Boliden „Pate“ für das Design des TX-NR656. Nicht zu befürworten ist, dass die früher aus Aluminium gefertigte Frontblende nur noch aus Kunststoff besteht. Dieser ist zwar recht hochwertig gemacht, kann aber natürlich kein echtes Aluminium ersetzen. Die beiden auf der linken Seite der Frontblende untergebrachten kleinen Drehregler liegen gut in der Hand und sind für die Einstellung des Hörmodus und für die Klangeinstellung verantwortlich.

Auch im Geräteinneren herrscht Ordnung

Das Geräteinnere ist gut aufgebaut, allerdings besteht der Kühlkörper nur aus Blech. Selbst in höheren Preisklassen kommt nicht immer Aluminium zum Einsatz, welches Hitze besser ableitet als Blech, aber natürlich entsprechend teurer ist.  Das Platinenlayout ist übersichtlich, ebenso die Verkabelung.

Inbetriebnahme

Dank des Einrichtungsasssistenten, den der TX-NR656 mitbringt, gestaltet sich die Inbetriebnahme des AV-Receivers relativ einfach.  Vor Beginn der eigentlichen Einrichtung zeigt der Einrichtungsassistent alle Schritte an, die erforderlich sind, um den TX-NR656 betriebsfertig zu machen.  In jedem der anschließend folgenden Schritte gibt es gut verständliche Hilfetexte. Integriert in den Einrichtungsassistenten sind AccuEQ Lautsprechereinmessung, Eingangszuweisung sowie Netzwerkeinbindung (drahtlos oder kabelbasiert).

Einfache Handhabung

Während des Betriebs lässt sich der TX-NR656 dank der recht kompakten und übersichtlichen mitgelieferten Fernbedienung einfach handhaben. Die Fernbedienung ist nicht mit Tasten überfrachtet, was sehr sympathisch ist. Leider ist sie komplett unbeleuchtet, was den Betrieb im abgedunkelten Heimkino-Raum erschwert. Wer nicht auf die mitgelieferte Fernbedienung zurückgreifen möchte, kann den TX-NR656 alternativ auch per App steuern. Diese steht für Android- und Apple iOS-Devices zum Download in den entsprechenden Stores bereit und lässt sich bequem bedienen.  Die Menüs des TX-NR656 präsentieren sich grafisch leicht überarbeitet und somit zeitgemäß. Praktisch ist die mit einem „Q“ auf der Fernbedienung markierte Quick Menu-Taste, mit der man direkt per Einblendung eines kleinen Menüs auf dem Bildschirm auf elementare Funktionen zugreifen kann.

Akustisch talentiert

Der Onkyo TX-NR656 erweist sich als akustisch ausgesprochen talentiert. Das gilt sowohl für die Wiedergabe von Filmton als auch für die Wiedergabe von Musik, ganz gleich, ob in Stereo oder in einem Mehrkanal-Format. Dolby Atmos-Tonspuren zum Beispiel von „Mission Impossible: Rogue Nation“ oder von „The Expandables: A Man’s Job“ werden exzellent präsentiert, hier merkt man die Vorzüge von „AccuReflex“: Die beiden vorderen Top Firing-Module sind absolut stimmig eingebunden, so dass man eine lebendige, homogene, in sich schlüssige Klangkulisse genießen kann. Die kraftvollen Endstufen des TX-NR656 sind so leistungsstark, dass man sogar große Standlautsprecher für vorne links/rechts ohne den zusätzlichen Support durch einen aktiven Subwoofer einsetzen kann. Die Pegelfestigkeit in einem knapp 30 Quadratmeter großen Hörraum hat uns überzeugt. Der TX-NR656 klingt verbindlicher als die 2015er Onkyo-Modelle, der ab und zu vorhandene metallische Unterton ist nur noch selten herauszuhören. Die Feindynamik des TX-NR656 ist für seine Preisklasse sehr ausgeprägt, so dass man aus klanglicher Perspektive absolut zufrieden sein kann.

Fazit

Mit seiner schicken Optik, den kraftvollen Endstufen, dem sehr guten Einrichtungsassistenten, dem ausgezeichneten AccuEQ Einmesssystem und natürlich mit dem lebendigen und fein dosierten Klang wird sich der Onkyo TX-NR656 viele Freunde schaffen. Diese Liebhaber müssen aber damit leben, dass viele interessante Features und auch DTS:X erst per Update der Firmware nachgereicht werden. Auch die fehlende interne Video-Sektion ist ein Minuspunkt.

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