DVD-Audio - Einführung in die Technik
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Update: 24.06.2008, Detlev
Schnick
Dieses Special wurde ursprünglich 2002 erstellt von
Carsten Rampacher (AREADVD)
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Einführung
Mit
der DVD Video eröffneten sich neue Dimensionen in Bild und Ton. Der
verwöhnte Musikliebhaber aber wandte sich oftmals uninteressiert ab.
Verbunden mit der sehr hohen Ton-Kompression bei Dolby Digital und
der immer noch hohen Ton-Kompression bei DTS, waren die Ergebnisse
für verwöhnte HiFi-Fans in Punkto Klangtreue
und Präzision noch nicht zufrieden stellend. Nach längerem Hin und
Her präsentieren die DVD-Macher den Standard DVD Audio,
der die hohe Speicherkapazität der DVD neben einigen interaktiven
Features wie Informationen über die Künstler oder zu den Musikstücken
für reine Audio-Daten ausnutzt. So wird bei DVD Audio
linear codiert, und zwar mit Abtastraten von 44,1, 48, 88,2, 96, 176,4
und 192 kHz. Eine maximale Datenrate von 9,6 Mbit/s ist möglich. Damit
ist allerdings klar, dass DVD Audio nicht in der Lage ist, für alle
der maximal sechs möglichen Kanäle (5.1 Surround-Klang) die maximale
Abtastrate (192 kHz) und die maximale Wortbreite (24 Bit) gleichzeitig
zu verwenden. Es ist aber technisch möglich, die Abtastraten und die
Wortbreiten für die Front- und die Surroundkanäle sowie den Subwooferkanal
unterschiedlich zu codieren. Der Nutzen dieser Funktion wird beispielsweise
bei Konzertaufnahmen deutlich: Die Frontkanäle dienen der Musikreproduktion,
die Surroundkanäle aber ausschließlich der Abbildung des Raums und
dem Klatschen des Publikums. In einem solchen Fall versieht der Masteringtechniker
die Frontkanäle mit einer höheren Auflösung und Abtastrate als die
Surroundkanäle, an die geringere Anforderungen gestellt werden. In
der Praxis aber sind meist gleiche Abtastraten bei 5.1-DVD-Audio-Discs
zu beobachten (entweder 96 kHz/24-Bit oder 48 kHz/24-Bit pro Kanal).
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| Ein Multiplayer der neuesten
Generation. Der Denon DVD-1940
spielt nicht nur DVD Audio, sondern auch das Konkurrenzformat
SACD. |
Technik
Setzt man eine lineare Pulse
Code Modulation (PCM)-Codierung voraus, so ergibt sich bei einer
Single-Layer-DVD (DVD-5) bei Stereoausgangsmaterial und einer 48 kHz-Abtastrate
sowie einer Wortbreite von 24 Bit eine Abspielzeit von 258 Minuten.
Bei einer DVD-9 (Eine Seite, zwei Layer, das meistgebräuchliche Format
für Spielfilme auf DVD Video) wächst die Spielzeit auf 469 Minuten
an. Erhöht man die Abtastrate auf das bei DVD Audio mögliche Maximum
von 192 kHz, bleiben im Falle DVD-5 noch 64 und im Falle DVD-9 noch
117 Minuten übrig. Dies gilt für eine Stereo-Aufnahme, anders sieht
es im Mehrkanalmodus aus. Hier ist es zwar, wie schon erwähnt, wegen
der maximalen Datenrate nicht möglich, mit einer Abtastfrequenz von
192 kHz zu arbeiten, 96 kHz, kombiniert mit einer Wortbreite von 24
Bit, sind aber realisierbar. Nutzt man dies aus, bliebe bei einer
LPCM-DVD noch eine Spielzeit von 43 Minuten (DVD-5) beziehungsweise
78 Minuten auf einer DVD-9. Zu wenig, so die einhellige Meinung der
DVD-Audio-Macher, also musste die Spielzeit erhöht werden - aber bitte
nicht mit Hilfe eines verlustbehafteten Komprimierungsverfahrens.
Im Computerbereich sind verlustfreie Packing-Verfahren nichts besonderes.
Viele PC-Anwender werden das Programm "WinZip" kennen, mit dessen
Hilfe Dateien effektiv "gepackt", das heißt in der Dateigröße reduziert
werden können, um so den Versand via e-mail oder das Abspeichern auf
einer CD-R oder einer Diskette zu erleichtern. Nach dem "Entpacken"
des Programms ist dann wieder alles im Ursprungszustand, also kein
Verlust ist durch das "packen" von Daten entstanden. Nach diesem Prinzip
arbeitet nun auch "Meridian Lossless Packing", kurz MLP genannt. Hier
ist das decodierte Audiosignal mit dem PCM-Signal bitidentisch, MLP
decodiert mit hoher Präzision Bit für Bit. Wie stark komprimiert wird,
hängt vom Programmmaterial und von den eingestellten Parametern ab.
Umso höher die Bitrate und die Auflösung, umso höhere Bitraten lassen
sich erreichen. Gebräuchlich sind Kompressionswerte zwischen 1,3 und
1,7. Erreicht werden aber teilweise auch deutlich höhere Werte bis
zu 50 Prozent. Anders ausgedrückt: MLP kann die Spielzeit einer DVD
Audio von 25 bis 55 Prozent erhöhen.
Liegt eine DVD Audio im Surroundformat vor, muss alternativ auch
noch ein Stereosignal bereitstehen, um die Kompatibilität auch zu
einer hochwertigen HiFi-Anlage sicherzustellen. Hier können zwei
unterschiedliche Wege unterschiedlicher Güte beschritten werden: Der
klanglich weniger überzeugende Weg ist die Umkehrung der von Dolby
ProLogic bekannten Matrixarbeit. Während bei ProLogic mit Hilfe einer
Matrix aus den zwei Kanälen, in denen der Centerkanal und der monoaurale
Kanal für die Surroundlautsprecher mitverschlüsselt sind, die vier
Kanäle gewonnen werden, nutzt man hier ein Matrixverfahren, um aus
dem Surround- ein Stereosignal zu gewinnen. Diese Verfahren ist auch
vom sogenannten Downmix bei Dolby Digital bekannt. Die Qualität aber
stellt den anspruchsvollen Musikliebhaber nicht zufrieden. Daher gibt
es auch noch einen zweiten Weg, nämlich eine vollkommen unabhängig
abgemischte Stereospur anzubieten. Über das Menü am DVD-Audio-Player
kann die Tonspur, die wiedergegeben werden soll, ausgewählt werden.
Die nun folgende Tabelle soll einen kurzen Vergleich zwischen der herkömmlichen
CD, der DVD Video und der DVD Audio geben.
DVD Audio: Systemvergleich
| System |
Audio-CD |
DVD Video |
DVD Audio |
| Auflösung (in Bit) |
16 |
16/20/24 |
16/20/24 |
| Abtastrate (in kHz)
|
44,1 |
48/96 |
44,1/48/88,2/96/176,4/192 |
| Maximale Datenrate für
Audio (in Mbit/s) |
1,4 |
6,1 |
9,6 |
| Verlustfreie Kompression
|
Nicht möglich |
Nicht möglich |
Möglich via MLP |
| Beste Qualität 2-Kanal
PCM-Ton |
16 Bit/44,1 kHz |
24 Bit/96 kHz |
24 Bit/192 kHz |
| Beste Qualität 5-Kanal
PCM-Ton |
Nicht möglich |
Nicht standardisiert |
24 Bit/96 kHz |
| Maximale Spieldauer
(Min.) |
74 |
~ 410 (DVD 5) |
~ 600 (DVD 5) |
| Tabelle: Denon |
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Erläuterungen zu den Auflösungen und Abtastraten: Die Angabe 96 kHz/24
Bit bedeutet zum Beispiel, dass sich ein entsprechender Wandler im
DVD-Player 96000mal pro Sekunde und Kanal mit Hilfe von 16777216 (24
Bit) verschiedenen Spannungsstufen an das analoge Signal annähern
kann und somit eine viel exaktere tonale Reproduktion ermöglicht als
eine CD dies von ihren technischen Eigenschaften her kann: Denn die
CD unterscheidet sich, wie der Tabelle zu entnehmen ist, mit 44,1
kHz (= 44100mal pro Sekunde) und 16 Bit, was 65536 Spannungsstufen
entspricht.
Aufbau einer DVD-Audio-Disc
Der
Inhalt einer DVD Audio nennt sich "Album", das in bis zu neun Gruppen
aufgeteilt werden kann. Über eine Gruppe lässt sich zum Beispiel Material
mit anderen Audioformaten oder Codierungen zusammenfassen. Was nicht
möglich ist: Direktes Umschalten zwischen den einzelnen Gruppen, was
den Bedienkomfort schmälert. Jede Gruppe kann bis zu 99 Tracks umfassen,
jeder dieser Tracks kann wiederum in bis zu 99 Indizes aufgesplittet
werden.
Anschluss des DVD-Audio-Players
DVD-Audio oder die Renaissance der Cinch-Kabel: Hochwertige Cinch-Kabel
sind - zumindest vorerst - wieder gefragt. 192 kHz/24 Bit-Aufnahmen
oder Musikstücke, die in 96 kHz/24 Bit-Fünfkanaltechnik aufgenommen
werden, können beim Anschluss des Players via optischem oder koaxialem
Digitalkabel nicht entsprechend wiedergegeben werden, denn: Das Maximale,
was über ein optisches oder koaxiales Digitalkabel übertragen werden
kann (mehr ist erst via IEEE1394 drin), ist 96 kHz/24 Bit-Zweikanal.
Und auch das setzt voraus, dass der Verstärker oder Receiver dann
echte 96 kHz/24 Bit-Digital/Analogwandler besitzt.
Wer also höchste Klangqualität bei DVD Audio genießen möchte, schließt
seinen DVD-Audio-Player mit denen schon vom Anschluss eines DVD-Player-internen
Decoders her bekannten sechs einzelnen Cinch-Kabeln an einen Verstärker/Receiver
mit 5.1-Eingang an. (Kabel-Empfehlung: Wireworld
Rainbow 5.1) Und dieser Eingang am Verstärker/Receiver sollte
100 kHz-tauglich sein, um auf die 192 kHz Abtastfrequenz bei DVD-Audio-Aufnahmen
vorbereitet zu sein. Alternativ zum analogen Anschluss bietet sich
auch eine digitale Schnittstelle an, die unter der Bezeichnung iLink
(bei Denon: "Denon Link") bekannt geworden ist. Dieses kopiergeschützt,
auf dem FireWire- (IEEE1394)
-Standard basierende digitale Übertragungsprotokoll spart einen
D/A-Wandlungsprozess und erhöht daher im Ergebnis die Wiedergabequalität.
Voraussetzung ist aber auch hier die Verwendung eines hochwertigen
Kabels, z.B. des Denon AK-DL1.
Wie sind die 100 kHz-Tauglichkeit und die 192 kHz Abtastfrequenz
in Einklang zu bringen? Des Rätsels Lösung liegt im Zusammenhang zwischen
Abtast- und Nutzsignal: Nach dem Abtasttheorien des Mathematikers
Shannon kann man mit einer bestimmten Abtastfrequenz höchstens ein
Nutzsignal codieren, das keine höheren Anteile als die Hälfte der
Abtastfrequenz in sich trägt - sonst treten schwerwiegende Fehler
auf: Im Falle einer 192kHz-Aufzeichnung heißt das, dass fehlerlos
Tonfrequenzen mit maximal 192 : 2, also mit 96 kHz, wiedergegeben
werden können, die dann via Cinch in den Analogeingang des Receivers
hineinströmen. Somit sind Verstärker/Receiver mit 100 kHz-tauglichen
Eingang für alle DVD-Audio-Formate geeignet. Ab dem HDMI 1.1.Standard
ist es ausserdem möglich DVD-Audio über HDMI zu übertragen.
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| Der Multiplayer Denon
DVD-2930 weist alternativ zum 5.1-Ausgang Denon's Variante
von iLink mit Namen Denon-Link
auf. |
Klangqualität
Wer
im direkten Vergleich eine herkömmliche Audio-CD hört, kann live miterleben,
dass die DVD Audio ein neues Kapitel in punkto Klangtreue aufschlägt:
Die DVD-Audio-Aufnahmen kamen in kristallklarer Auflösung zum Zuhörer
- vor allem im 192 kHz/24-Bit-Zweikanal-Modus, aber auch bei 96 kHz/24-Bit-5.1.Kanal-Aufnahmen
ist das Klangerlebnis beeindruckend. Besonders Klassik- und Jazzfans
dürfen sich freuen, konnte mit der Abtastfrequenz und der Auflösung
einer bisherigen CD gerade ihre Lieblingsmusik nur mit Einschränkungen
wiedergegeben werden: Aufgrund der technischen Defizite der CD klangen
Instrumente wie zum Beispiel ein Saxophon oder eine Violine zu wenig
differenziert und zu mittenbezogen. Gerade der bei einem Streichinstrument
fein auflösende Hochtonbereich kam nicht annähernd in Originalqualität
herüber. DVD Audio schafft hier einen Quantensprung: Fein gestuft
und auch in kleinen Details präzise kommt der Klang der Instrumente
zum Zuhörer, mit stets einwandfreier Ortbarkeit und einem nicht zu
verschwommenen und unpräzisen Klangbild, welches Nuancen gerne untergehen
lässt.
Equipment
Der klangliche Unterschied zwischen einer CD und einer DVD-Audio ist mit
einem guten Lautsprechersystem nachvollziehbar. Dieses muss sich nicht
in der Preisklasse ab 10.000 Euro aufwärts bewegen, sondern kann sich
durchaus noch in finanzierbaren Dimensionen aufhalten. Klar ist, dass
mit einem Subwoofer/Satellitensystem aus dem Elektroniksupermarkt
oder dem Onlinediscounter kein DVD-Audio-Genuss möglich ist. Ebenfalls
sollten keinesfalls die Dipole der Heimkinoanlage bei der Wiedergabe
5.1-DVD-Audio-Discs zum Einsatz kommen. Im Idealfall sollte der Hörraum
für die DVD-Audio-Wiedergabe mit fünf identischen Lautsprechern, allesamt
mit hochwertigen Frequenzweichen bestückt, ausgerüstet werden. Der
Einsatz eines Subwoofers sollte man gut abwägen und letztendlich nach
dem persönlichen Hörgeschmack entscheiden. Bei der Einstellung und
Auslegung des Subwoofers ist unbedingt zu beachten, dass der aktive
Basslautsprecher auf jeden Fall in der Lage sein muss, einen trockenen
und absolut präzisen Bass zu erzeugen. Die Übernahmefrequenz sollte
nicht zu hoch angesetzt werden. Die von uns getesteten DVD-Audio-Player
zeichneten sich alle durch sehr gute Wiedergabequalitäten aus.
Die Mitte 2008 üblichen Multiplayer (spielen DVD-Audio und
SACD) speisen ihre analogen Ausgänge über mittlerweile hochausgereifte
D/A-Wandler und weisen zusätzlich digitale Ausgänge wie
z.B. iLink oder DenonLink auf, bzw. geben die Signale über HDMI
aus. Einer der meistverkauften Multiplayer der mittleren Oberklasse
ist der Denon DVD-2930,
der dank besonders hochwertigem D/A-Audio-Wandler (Burr Brown PCM1791
24-Bit/192-kHz) und gemessen am Kaufpreis, ein wirklich beeindruckendes
Klangerlebnis bietet - und zwar sowohl bei DVD Audio, wie auch über
SACD. Eine Klasse tiefer stellt der Denon
DVD-1940 einen günstigen Einstiegs-Player dar, ebenfalls
Multiformat-fähig, jedoch ohne Denon-Link und mit einem etwas
einfacheren D/A-Wandler (Burr Brown DSD-1608 24-Bit/192-kHz). Nur
wer auch in Sachen Bilddarstellung höhere Ambitionen hat, für
den lohnt es sich, einen Blick auf Player der absoluten Top-Klasse
zu werfen, z.B. den Denon DVD-3930.
Hier liegt man allerdings dann schon deutlich jenseits der 1.000-Euro-Marke.
Bei diesen Geräten macht sich dann nochmal qualitätssteigernd
bemerkbar, dass Audio- und Video-Sektionen sehr sorgfältig getrennt
und isoliert sind. Hochwertige Ringkern-Transformatoren, sowie nochmals
optimierte D/A-Wandler und mehrlagige Chassis-Konstruktionen (zur
Reduktion von Vibrationen) runden das Bild dieser Edel-Player ab.
In Verbindung mit entsprechend hochwertigen Kabel-Verbindungen (für
die man leicht nocheinmal bis zu 30% der Geräte-Preise ausgeben
kann) steht dann einem perfekten Hör- (und Sehgenuß) nichts
mehr im Wege.
Update 24.06.2008, Detlev Schnick; Autor: Carsten
Rampacher, 25.11.02;
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