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Special: HDTV - Technik und Praxis
Autor: Karsten Serck, AREADVD
- update: 11.02.2004
Die Entwicklung des Fernsehens von PAL/NTSC
zu HDTV
Die heute immer noch weltweit im Fernsehen gebräuchlichen Formate NTSC
und PAL wurden
in den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. Kaum
eine Technologie hat sich über einen solch langen Zeitraum behauptet.
Wenn man einmal den rasanten Wandel der Audio-Technik von der Schallplatte,
der Kompakt-Kassette, der Compact Disc, dem Digital Audio Tape (DAT) bis
zu den aktuellen High End-Formaten DVD
Audio und SACD
betrachtet, so muss man feststellen, dass sich die Entwicklungen in der
Videotechnik vergleichsweise gemächlich vollzogen. Dies liegt unter anderem
daran, dass alle Weiterentwicklungen bislang immer den Anspruch haben
mussten, auch auf jedem bisher gebräuchlichen Fernseher
lauffähig zu sein. Zwar konnte man mit der PAL-Technologie
den bewegten Bildern mit 576 Zeilen in Europa auch nachträglich Farbe
verpassen und 1995 auch noch mit Hilfe des (sich am Massenmarkt nicht
durchgesetzten) PALplus-Verfahrens
sogar eine 16:9-Darstellung mit 576 Zeilen erreichen, doch damit fanden
die Verbesserungen des analogen Fernsehens zunächst ein Ende.
Dabei wurde bereits Ende der Achtziger Jahre in Europa ein Versuch gestartet,
auch dem Fernsehen mehr Glanz zu geben. Auslöser des Projekts waren unter
anderem auch wirtschaftspolitische Interessen: Durch die Entwicklung einer
eigenen europäischen TV-Technologie sollte die europäische TV-Geräte-Industrie
gegenüber den japanischen Herstellern gestärkt werden. Das halbdigitale
"D2-MAC"-Verfahren
sollte hierzu den Weg ebnen und als "HD-MAC"
mit 1250 Zeilen und 50 Hz nach Willen der EG der europäische Standard
für HDTV werden. Doch nach einer Technik-Demonstration im Rahmen der Olympischen
Spiele 1992 in Barcelona unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit
wurde es schnell wieder ruhig um HD-MAC.
Durch ein Veto Großbritanniens wurde die EG-Förderung für HDTV
im Dezember 1992 beendet.

Eine der ältesten regelmäßigen HDTV-Übertragungen
in den USA: Die "Tonight Show" mit Jay Leno auf NBC
Unabhängig davon gingen auch die ursprünglichen Konzepte nicht auf: Die
Übertragung der Programme sowie die Zuführung in die Kabelnetze sollte
über DBS-Satelliten
sehr hoher Sendeleistung erfolgen, die von Deutschland und Frankreich
eigens ins All geschossen wurden. In einer Richtlinie legte die EG zwar
fest, dass nicht voll digitale HDTV-Programme über Satellit in
HD-MAC
auszustrahlen seien, doch der Markt entwickelte sich ganz anders, als
es sich die Politik vorgestellt hatte. Denn der Markt des Satellitendirektempfangs
entglitt zunehmend staatlicher Kontrolle. Die Satelliten TV-Sat 2 (Deutschland)
und TDF 1 & 2 (Frankreich) boten zwar eine hohe Sendeleistung, allerdings
nur Kapazität für jeweils 5 Kanäle pro Satellit. Zudem hatte Deutschland
durch den mißlungenen Start des ersten TV-Sat ein Jahr verloren und erhielt
1989 bereits Konkurrenz durch das private Astra-Satellitensystem der Luxenburger
SES. Für den Astra-Empfang waren zwar geringfügig größere Antennen erforderlich,
doch dafür bot der Satellit direkt Kapazität für 16 analoge TV-Programme.
Und die zunächst überwiegend privaten Programmanbieter, welche Ausgaben
in neues Sende-Equipment scheuten, sendeten über Astra in PAL.
Dagegen blieb HD-MAC
außer für technisch Interessierte für den Großteil der Bevölkerung nicht
zuletzt wegen fehlender Inhalte vollkommen unbekannt und Empfangsgeräte
mit der Technik blieben ebenfalls rar und teuer. Sowohl die Technik in
den LNBs für den SAT-Empfang als auch die der Receiver unterschied sich
grundsätzlich von dem immer billiger werdenden Equipment für den SAT-Empfang.
Zudem waren zu der damaligen Zeit großformatige Wiedergabegeräte wie Plasma-Displays
oder Videoprojektoren
mit hohen Auflösungen noch nicht am Markt verfügbar, so dass für die HDTV-Wiedergabe
auch die nötigen Wiedergabegeräte, die die hohe Auflösung zur Geltung
bringen, nicht erhältlich waren. Lediglich in Skandinavien wird die einfache
D2-MAC-Variante
auch heute noch für Satellitenübertragungen genutzt. Mit einem normalen
SAT-Receiver
lassen sich die D2-MAC-Programme
nicht empfangen. Man sieht lediglich ein zerhacktes Schwarz-Weiß-Bild.
Die Investition vieler Millionen Steuergelder in das HD-MAC-Projekt
hatte Europa in eine Sackgasse geführt, was bis heute noch zur Folge hat,
dass das Thema HDTV
insbesondere in Europa skeptisch betrachtet wird. Bei der späteren Einführung
des Digitalfernsehens DVB
spielte HDTV
in der Praxis keine Rolle, obwohl DVB
auch die Übertragung von HDTV-Signalen
ermöglicht. Die im Handel erhältlichen Digital-TV-Receiver für DVB
erlauben allerdings nur den Empfang von Programmen mit maximal PAL-Auflösung.
Die TV-Sender nutzen bis heute die neue Technik insbesondere dafür, möglichst
wenig Bandbreite für viele Programme in Anspruch zu nehmen, weswegen aufgrund
der starken MPEG2-Kompression
und teilweise sogar noch reduzierter Auflösung die Bildqualität des Digitalfernsehens
heutzutage sogar oft schlechter ist als die des analogen TVs unter guten
Empfangsbedingungen.
In Japan kam die HDTV-Entwicklung
in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre im Gegensatz zu Europa richtig
in Gang. In Japan wurde HDTV
zunächst mit analoger Technik unter dem Namen "HiVision" mit 1035 Zeilen
in den Markt eingeführt. 1991 fielt der Startschuss für das interessierte
Publikum mit zunächst acht Stunden Programm. 1994 wurden nach dem "MUSE"-Verfahren
bereits täglich 10 Stunden Programm in HDTV
über Satellit übertragen. Für die breite Öffentlichkeit entwickelte sich
HDTV
zur Jahrtausendwende zum Thema: Am 1. Dezember 2000 ging "BS Digital"
über das Satellitensystem BSAT auf Sendung. Seitdem kann man in Japan
sieben HDTV-Programme
digital über Satellit empfangen. Gesendet wird in 1080i (1920 x 1080 Pixel)
mit 60 Hz. Im Technik-Wunderland Japan sind sogar nicht nur die öffentlich-rechtliche
NHK sondern auch verschiedene Privatsender mit HDTV-Programmen
auf Sendung. Selbst Laserdiscs mit "HiVision"-Programmen sind in Japan
erhältlich.
Am 1. Dezember 2003 begann in den drei Großräumen Tokyo, Osaka und Nagoya
die terrestrische Ausstrahlung von Digitalfernsehen, zu einem großen Teil
auch in HDTV.
Das japanische ISDB-T-System arbeitet mit MPEG2-Kompression
und ermöglicht neben der Übertragung von TV- und Radioprogrammen auch
die Übertragung reiner Datendienste. Die Terrestrik hat in Japan noch
eine hohe Bedeutung, da rund 3/4 der Haushalte in Japan ihre Programme
immer noch über Antenne empfangen. Landesweit soll in Japan Digital-Fernsehen
über Antenne bis 2006 empfangbar sein.
Neben Japan ist HDTV
auch bereits in anderen asiatischen Ländern wie Südkorea und sogar schon
mit ersten Test-Berichten in China verfügbar. Auch in Australien, eines
der klassischen PAL-Länder,
gibt es bereits in einigen Regionen HDTV-Übertragungen
im DVB-T-Standard.

HDTV-Promo von ESPN
In den USA wurden die Weichen für eine Einführung von HDTV
in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts gestellt. Jahrzehntelang galt
das NTSC-System
mit 480 Zeilen (gerne auch als "Never Twice the Same Colour" bespöttelt)
dem insbesondere in Europa verwendeten PAL
mit 576 als unterlegen. Daher sollte die Einführung des Digitalfernsehens
in den USA auch gleichzeitig eine Verbesserung der Bildqualität mit sich
bringen. Von staatlicher Seite bestand das Interesse, einen möglichst
schnellen Umstieg bis Ende 2006 zu erzielen, um die freiwerdenden Frequenzen
für andere Dienste nutzen zu können. Das alte "NTSC"
soll per Gesetz durch "ATSC"
abgelöst werden, ein digitales Verfahren mit MPEG2-Kompression,
welches insgesamt 18 verschiedene Bildübertragungsvarianten kennt. Für
die Übertragung nutzt man nicht die in Europa verbreitete DVB-Technik,
sondern setzt auf das Modulationsverfahren 8-VSB. Während in Japan überwiegend
1080i mit 60 Hz zum Einsatz kommt, sind gemäß ATSC
auch 720p und sogar 1080p theoretisch mit Frameraten von 24, 30 oder 60
Hz möglich, wobei aufgrund der hohen Bandbreite 1080p bislang noch nicht
genutzt wird. Neben 1080i und 720p gibt es aber weiterhin auch die herkömmlichen
NTSC-Auflösung
720 x 480, immerhin wenigstens auch als progressives Bildsignal.
Erste HDTV-Empfangsgeräte
gibt es in den USA seit 1998. Die großen Networks ABC, CBS, NBC und Fox
wurden per Gesetz dazu gezwungen, bis November 1999 mit ersten Digitalausstrahlungen
zu beginnen. Hierfür bekamen die TV-Stationen zu ihren bestehenden Analog-Frequenzen
noch einen digitalen Kanal von der Regierung zur Verfügung gestellt. Allerdings
haben die Sender hier durchaus ihre Freiheiten, zu bestimmen, ob sie einfach
nur digital oder auch in HDTV
senden. So bieten heute zwar ABC (720p), CBS (1080i) und NBC (1080i) einen
Großteil ihres Primetime TV-Programms in HDTV
an. Fox hingegen beschränkt sich auf 480p im 16:9-Format (EDTV - Enhanced
Digital Television) und will erst in der zweiten Jahreshälfte 2004 mit
Ausstrahlungen in 720p beginnen.
Auch Spezialkanäle wie der Sportkanal ESPN und der Pay-TV-Sender HBO
übertragen inzwischen spezielle HDTV-Programme,
die sich über Satellit und vereinzelt auch über Kabel empfangen lassen.
Ohnehin gehören Spielfilme und Sport-Events in den USA zu den großen Rennern
im amerikanischen HDTV-Markt.
Unter dem Namen "Voom" hat der amerikanische Telekommunikationsanbieter
Cablevision im Oktober 2003 einen neuen Satellitenservice in den USA gestartet,
der voll und ganz im Zeichen von HDTV
steht. "Voom" verspricht insgesamt 39 HDTV-Programme
die über den Satelliten "Rainbow 1" von der Position 61 Grad West übertragen
werden. 21 HD-Kanäle werden vom Satellitenbetreiber dem Kunden exklusiv
zur Verfügung gestellt. Hier gibt es neben zehn Spielfilmkanälen noch
verschiedene Spartenprogramme wie z.B. Sport oder sogar einen Nachrichtenkanal
in HDTV.
Die weiteren Programme erhält Cablevision von Anbietern wie HBO oder dem
Discovery Channel.
Die Technik hinter HDTV
HDTV
steht für "High Definition Television", also "Hochauflösendes Fernsehen".
Während die Auflösung von NTSC bei 720
x 480 Bildpunkten und die des europäischen PAL-Systems
bei 720 x 576 Bildpunkten liegt, ist die Auflösung von HDTV
um ein vielfaches höher. Unter HDTV
versteht man heute Bildauflösungen mit den Bezeichnungen "720p" (1280
x 720 Pixel bei progressiver Wiedergabe) oder "1080i" (1920 x 1080 Pixel"
bei Interlaced-Wiedergabe). HDTV
ist ein reines 16:9-Format und entspricht damit mehr den menschlichen
Sehgewohnheiten als herkömmliches 4:3-TV. Bildformate mit einem Seitenverhältnis
von 4:3 sind bei HDTV
nicht vorgesehen. Bei der Übernahme von 4:3-Material oder Werbung erscheinen
links und rechts schwarze Balken.
HDTV
bietet in 1920 x 1080 eine gegenüber PAL
fünfmal so hohe Auflösung. Bei 1280 x 720 ist die Auflösung immerhin noch
um den Faktor 2.2 höher. Selbst XGA mit 1024 x 768 Pixeln übertrifft die
PAL-Auflösung
immer noch um den Faktor 1.9. Meistens wird HDTV
in den Ländern, wo es bereits eingesetzt wird, in der Auflösung von 1920
x 1080 mit 60 Halbbildern gesendet. Eher seltener kommt 1280 x 720 (720p)
zum Einsatz. 1080p ist bislang nur im Film-Bereich im Einsatz, wird dort
aufgrund der Bildwiederholungsrate von 24 Frames pro Sekunde auch meist
als "24p" bezeichnet.

HDTV
vs. PAL: Das Bild demonstriert die Relationen
zwischen 1080i und PAL (links oben)
Die höhere Auflösung ergibt vor allem mehr Detail. Während man beim Betrachten
von normalem PAL-Fernsehen immer auf den ersten Blick erkennt, dass man
nur Bilder sieht, die aus der weiten Ferne übertragen werden, besitzt
HDTV
einen regelrechten Live-Charakter. Wer eine Digitalkamera mit 4 Megapixeln
oder mehr besitzt, sollte einfach mal zur Veranschaulichung ein paar Photos
machen und diese betrachten. Denn die Auflösung der Digitalkameras ist
längst auf HDTV-Niveau,
nur eben, dass es sich bei HDTV
zusätzlich um bewegte Bilder handelt. Der visuelle Effekt von HDTV
lässt sich wesentlich besser demonstrieren als beschreiben. Selbst ein
technischer Laie sollte im Direktvergleich den Unterschied zwischen einem
normalen Fernsehbild und einer HDTV-Ausstrahlung
erkennen. Sofern HDTV
auch hierzulande richtig vermarktet würde, dürfte sich auch hierzulande
das Massenpublikum, welches sich bereits bei den "schwarzen Balken" im
Bild von DVDs aufregt, für HDTV
zu gewinnen sein. Während die Tonformate DVD
Audio und SACD
schon eher etwas für Leute mit sehr feinem Gehör sind, bedarf es keiner
besonders stark ausgeprägten Sehschärfe, um auf Anhieb die Vorteile von
HDTV
erkennen zu können.
HDTV kann auf einem herkömmlichen Fernseher
nicht wiedergegeben werden. Zwar hat man in den letzten Jahren die Auflösung
der Fernseher
mit Bildverbesserern wie "Pixel Plus" nachträglich künstlich erhöht und
kommt damit schon in den Bereich von HDTV-Auflösungen, allerdings
betrifft dies nur die interne Signalverarbeitung, die das Bild von PAL
hochrechnet. Da sich HDTV nicht über Composite oder S-Video, sondern
nur über breitbandige Anschlüsse wie YUV oder DVI
und HDMI
übertragen lässt, gibt es für die meisten TV-Geräte
nicht einmal die Möglichkeit, an diese eine HDTV-Quelle anzuschließen.
Während die Röhren vielfach prinzipiell in der Lage wären, die höhere
Ablenkfrequenz der Bildröhre mit 32 kHz für HDTV zu verarbeiten,
spielt hier auch meist die Elektronik nicht mit. JVC bietet mit den beiden
16:9-Fernsehern HV-32P37 und HV-36P38 einige der wenigen Fernseher in
Deutschland an, die über YUV HDTV verarbeiten können.

JVC HV-36P38: HDTV-tauglicher
Röhren-TV
In den USA und Japan gibt es HDTV-fähige Röhrenfernseher bereits ab
1.000,00 US-Dollar. Man bezahlt in den etablierten HDTV-Märkten
für solche Fernseher mit besseren technischen Möglichkeiten auch nicht
mehr als hierzulande für PAL-TV-Geräte
mit 100 Hz-Technik. Allerdings werden diese HDTV-Modelle hier nicht
verkauft. Stattdessen sind HDTV-fähige Wiedergabegeräte hierzulande
überwiegend Flachbildschirme. Angesichts des zunehmenden Preisverfalls
und steigender Auflösungen insbesondere bei LCD-Displays
(etwas langsamer auch bei Plasma-Bildschirmen) werden HDTV-taugliche
Bildwiedergabegeräte immer erschwinglicher und werden schon bald nicht
teurer sein als vergleichbare Röhrenfernseher. Der Discounter ALDI bot
bereits zu Weihnachten 2003 einen LCD-Fernseher
mit 30 Zoll Durchmesser und einer Auflösung von 1280 x 768 Pixeln zum
Preis von 1.999,00 EUR an.
Wiedergabegeräte, die wirklich das Maximum von 1920 x 1080 Pixeln ohne
Skalierung darstellen können, sind bislang noch sehr selten und teuer.
So langsam kommen sie aber auch in den Markt: Sony bietet mit dem "Qualia
004" in Japan für die betuchte Kundschaft bereits einen Videoprojektor
mit 1920 x 1080 Pixeln für umgerechnet rund 18.000,00 EUR an. Auch Toshiba
stellte auf der IFA 2003 ein LCoS-Display mit der gleichen Auflösung
vor. Beim weltweit größten Hersteller für LCD-Panels,
Epson, arbeitet man ebenfalls bereits an "echten" HDTV-Panels wie
beim DLP-Erfinder
Texas Instruments. Allerdings lohnen sich diese hohen Auflösungen wirklich
nur für sehr große Displays und Projektionsflächen. Selbst wenn ein Display
mit 1920 x 1080 Pixeln noch eine um den Faktor 2,25 höhere Auflösung
gegenüber einem Display mit "nur" 1280 x 720 Pixeln bietet, so bedeutet
dies nicht, dass sich auch die sichtbare Bildqualität hier noch einmal
verdoppelt. Den HDTV-typischen "Wow"-Effekt erlebt man sogar schon
ansatzweise bei XGA mit 1024 x 768 Pixeln. Die Pixel
sind bereits so fein im Vergleich zur recht groben PAL-Auflösung, dass
eine nochmalige Erhöhung der Bildauflösung für das Auge kaum noch wahrnehmbar
ist, zumal man bereits bei 1280 x 720 Pixeln aus einem normalen Betrachtungsabstand
kaum noch die einzelnen Bildpixel erkennen kann. In der Praxis reichen
also Auflösungen ab 1280 x 720 Pixeln für HDTV aus, mit minimalen
Abstrichen auch 1024 x 768, eine Auflösung, die häufiger bei 42 Zoll-Plasmafernseher
im 16:9-Format zu finden ist. Insbesondere LCD-Videoprojektoren
sind seit Winter 2003 eine preiswerte Option für HDTV mit großer
Bildfläche geworden, seit dem zunächst Sanyo mit dem Sanyo
PLV-Z2 und Panasonic mit dem Panasonic
PT-AE500 auf den Markt gekommen sind, die eine Auflösung von 1280
x 720 Pixeln bieten. Die Königsklasse bei den Flachbildschirmen bieten
Plasma-Fernseher
mit 50 Zoll und mehr Diagonale, die aber immer noch mehr als 6.500,00
EUR kosten. In den nächsten Jahren wird bei diesen Geräten von allen Herstellern
aufgrund der steigenden Massenproduktion von einem deutlichen Preisverfall
ausgegangen.

Panasonic
PT-AE900: Preiswerter HDTV-LCD-Projektor für weniger als 1.700,00
EUR
Egal was man sich heute für ein HDTV-Gerät kauft, sollte man beachten,
dass diese möglich zukunftssicher sind. Dies lässt sich zwar bei Unterhaltungselektronik
ohnehin immer nur für einen begrenzten Zeitraum sagen. Auf Sicht der nächsten
Jahre ist es aber vor allem wichtig, dass ein Bildschirm oder Display
auch Anschluss an ein kopiergeschütztes Wiedergabegerät findet. Denn insbesondere
die Filmindustrie wird ihre Produktionen nicht ohne Kopierschutz auf den
Markt bringen. Daher sollte man darauf achten, dass ein Gerät bereits
mit einem DVI-
oder sogar HDMI-Anschluss
ausgestattet ist, der den HDCP-Kopierschutz
unterstützt. Die bislang meist verwendeten YUV-Komponenteneingänge
ermöglichen zwar auch eine Übertragung von HDTV-Signalen, unterstützen
dabei aber keine hardwareseitige Verschlüsselung. Ebenso wichtig: Das
gewünschte HDTV-Gerät
sollte in der Lage sein, sowohl 1080i als auch 720p wiederzugeben, möglichst
sowohl in 50 Hz als auch 60 Hz. Viele neue Displays und Projektoren
unterstützen zwar bereits diese Auflösungen, selbstverständlich ist dies
aber nicht.
HDTV in Europa?
Nachdem sich HDTV
weltweit verbreitet hat, sprechen Spötter gerne davon, dass es praktisch
weltweit HDTV
gebe, nur nicht auf zwei Kontinenten: Afrika und Europa. Nachdem in den
letzten Jahren hier für die Öffentlichkeit kaum etwas passiert ist, haben
sich die Rahmenbedingungen für einen erneuten HDTV-Startversuch
insbesondere im Jahr 2003 entscheidend verbessert. Anfang 2003 kündigte
der belgische Broadcasting-Dienstleister Alfacam an, im Januar 2004 einen
HDTV-Sender
via Satellit starten zu wollen. Alfacam kann mit dem Sender Euro1080 das
selbst produzierte Material zweitverwerten, denn die in der Öffentlichkeit
kaum bekannte Firma ist bereits seit mehreren Jahren Spezialist für die
technische Produktion und Übertragung von Live-Events, die inzwischen
zunehmend direkt in HDTV
produziert werden, um dieses Material auch auf dem amerikanischen und
asiatischen Markt anbieten zu können.
Im Broadcasting-Bereich wird ohnehin schon seit mehreren Jahren vielfach
in HDTV
produziert. Ein Großteil neuer TV-Serien wird in den USA bereits in HDTV
gedreht. Und selbst in Europa drehen einige TV-Sender schon in HDTV.
Die BBC produziert schon seit längerer Zeit einen Großteil ihrer Dokumentationen
in HDTV,
um diese über die kommerzielle Tochter "BBC Worldwide" auch anderen TV-Sendern
anbieten zu können. Und selbst in Deutschland wird schon eifrig in HDTV
gedreht: So produzierte z.B. die Firma broadview.tv
die vom ZDF in Auftrag gegebenen Dokumentationen "Stalingrad" und "Das
Wunder von Bern" mit Sony HD-CAMs. Die Produktionskosten sind zwar derzeit
noch höher als im bislang üblichen Beta Digital mit SD-Auflösung, sollen
aber bereits unter den Produktionskosten mit 35 mm-Film liegen. Auch RTL
sowie der Bayerische Rundfunk und der MDR produzieren vereinzelt schon
in HDTV.
Anfang 2004 kaufte der WDR bei Sony zwei HDW-750 HDCAMs ein, die zukünftig
für hochwertige TV-Produktionen eingesetzt werden sollen. Diese Kamera
ist speziell für den europäischen TV-Markt gedacht und kann sowohl mit
25 Progressive-Frames als auch 50 Halbbildern aufnehmen.
Euro 1080 und die Perspektiven für
HDTV
Euro1080, der erste
via Satellit empfangbare europäische HDTV-Sender
ging zunächst unverschlüsselt am 1. Januar 2004 auf Sendung. Die Übertragung
des Programms erfolgt über einen ASTRA-Satellitentransponder im DVB-Verfahren
mit MPEG2-Codierung in 1080i mit 50
Hz. Voraussichtlich ab Mai 2004 wird das Programm zunächst teilweise und
dann ab 2005 komplett verschlüsselt werden. Smartcards zur Entschlüsselung
des in Irdeto verschlüsselten Programms soll es ab März für rund 200,00
EUR geben. Ab März sollen auch die ersten "Quali-tv QS1080IR"-SAT-Receiver
mit Irdeto-Verschlüsselungsmodul verfügbar sein. Mit dem einmaligen Erwerb
der Smart-Card soll das Programm bis auf Weiteres ohne zusätzliche Zahlungen
zu empfangen sein. Monatliche oder jährliche Abo-Gebühren plant Euro1080
bislang nicht. Das momentan vorwiegend aus Musik und Sportinhalten bestehende
Programm soll im September um weitere Themenbereiche und auch aktuelle
Inhalte erweitert werden. Hier plant Euro1080 eine größere Programmoffensive.
So hat Euro1080 z.B. von der japanischen NHK und dem amerikanischen HDNet
verschiedene HDTV-Produktionen
eingekauft. Daher werden ab Herbst auf Euro1080
auch verstärkt Dokumentationen zu sehen sein. Zudem besteht die Absicht,
ab Januar 2005 das Programm eventuell auch in mehreren Sprachen und Untertiteln
anbieten zu können.
Für den Empfang des unverschlüsselten Programms von Euro1080 ist bislang
nur der SAT-Receiver Zinwell ZDX-410HD erhältlich, der allerdings noch
über kein Verschlüsselungsmodul verfügt. Daneben eignen sich zum Euro1080-Empfang
bislang nur diverse TV-Karten wie z.B. die Skystar 2 von Technisat, welche
auch nur den unverschlüsselten HDTV-Empfang
erlaubt.
Einnahmen verspricht sich "Euro1080" vor allem durch
den "Event Channel", der mit hochkarätigen Konzerten und
Sportübertragungen Besucher in "E-Cinemas" locken soll,
an deren Ticketverkäufen "Euro1080" beteiligt werden möchte.
Die verschlüsselten Programme sollen sowohl live ausgesendet
als auch nachts als Datenstream auf Festplatten/Serversysteme
überspielt und dann zeitversetzt vorgeführt werden können.
Euro1080 will zusammen mit dem Projektorenhersteller Barco
den Kinos auch komplette E-Ciinema-Systeme zum Kauf anbieten.
In Deutschland gibt es bislang nur wenige Kinos, die diese
Technik nutzen.

Euro 1080 - der erste HDTV-Kanal in Europa
Der Start von Euro1080 war schon einmal ein Anfang, den kaum jemand in
so kurzer Zeit für möglich gehalten hatte. Freilich ist Euro1080 aufgrund
des bislang aus vielen Wiederholungen bestehenden Musik- und Sportprogramms
nicht die Killerapplikation für HDTV,
aber immerhin kann sich die Firma rühmen, den Anfang gemacht zu haben,
den sich sonst bislang niemand getraut hat. Auch die ESA testet auf dem
Eutelsat-Satelliten Atlantic Bird seit mehren Monaten ab und zu HDTV-Übertragungen.
Und kaum ging Euro1080 auf Sendung, so fühlten sich auch andere Sender
inspiriert. Premiere arrangierte zusammen mit Sony eine Übertragung des
NFL-Superbowls aus den USA in HDTV,
die in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 2003 wohl als erste öffentliche
Live-Übertragung eines deutschen TV-Senders in HDTV
bezeichnet werden kann. Während dies im wesentlichen eine Übernahme des
Satelliten-Feeds war, möchten die SZM Studios für SAT1 im Mai 2004 die
Champions League komplett in HDTV
produzieren. Nach dem überraschenden HDTV-Superbowl bei Premiere ist es
auch nicht auszuschließen, dass der Pay TV-Sender ein eigenes Geschäftsmodell
für HDTV
entwickelt. Allerdings hält man sich hierzu bislang bei Premiere sehr
bedeckt.
Ein Ereignis wird derzeit vielfach als möglicher Ansatz für einen HDTV-Start
deutscher TV-Sender angesehen: Die Fußball-WM 2006 in Deutschland soll
nach dem Willen der FIFA als erste Fußball-WM überhaupt eine HDTV-Produktion
aller 64 Spiele bieten. Bei den Spielen der WM werden mindestens 20 HDTV-Kameras
zum Einsatz kommen, die die Bilder in 1080i/50 Hz einfangen. Die Entscheidung
zur Übertragung des HDTV-Signals
der WM 2006 obliegt den jeweiligen TV-Sendern. Es wäre aber natürlich
ein Witz, wenn im eigenen Lande die Bilder in der höchstmöglichen Bildqualität
produziert aber nicht ausgestrahlt werden. Immerhin haben die TV-Sender
hier noch zwei Jahre Zeit, um Möglichkeiten für den Einsatz von HDTV
zu entwickeln. Bislang befassen sich die deutschen TV-Sender allerdings
erst einmal mit der Umstellung vom analogen auf das digitale Fernsehen
und die Einführung von DVB-T. Spruchreife Pläne für HDTV
gibt es bei ARD und ZDF bislang noch nicht. Albert Ziemer, Produktionsdirektor
des ZDF, sprach sich zumindest schon einmal auf der Mediavision Cologne
2003 dafür aus, HDTV
eine Chance zu geben und sieht hier eindeutigen Handlungsbedarf für die
TV-Anbieter. Hersteller und TV-Sender befassen sich auch inzwischen wieder
branchenübergreifend mit dem Thema HDTV:
Die "Deutsche TV-Plattform" hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ab
Februar 2004 Lösungsvorschläge erarbeiten soll, wie man ein HDTV-Szenario
bis zur Fußball-WM 2006 entwickeln kann.
Vielleicht wäre es auch gar nicht so verkehrt, wenn der große HDTV-Boom
in Europa nicht auf die Schnelle kommt, sondern man sich noch ein wenig
Zeit bis zur Fußball-WM 2006 ließe. Bis dahin dürften neue Kompressionstechnologien,
die wesentlicher weniger Bandbreite als MPEG2
beanspruchen, ausgereift sein. Denn die Bandbreite von HDTV
ist bei MPEG2
schon ziemlich hoch. Mindestens 14 Mbps sind im Schnitt nötig für eine
saubere Darstellung von HDTV,
in den USA werden meist um die 19 Mbps eingesetzt. Und selbst hier sieht
man mitunter noch leichtes Blockrauschen. Weiterentwickelte Codecs auf
MPEG4-Basis bieten die gleiche Qualität bei deutlich weniger als der halbierten
Videobitrate. Europa könnte den hier den zeitlichen Verzug zum Vorteil
ausnutzen, um Kompressionstechnologien zu verwenden, die mit der Bandbreite
effizienter umgehen. Damit könnte Europa wieder den Vorsprung gewinnen,
den das PAL-System
jahrelang gegenüber NTSC
hatte.
Bereits nutzbare HDTV-Quellen
Zwar gibt es bis auf "Euro1080" bislang noch keinen TV-Sender in Europa,
der in HDTV sendet, doch mit ein wenig Anstrengung kann man sich
bereits heute auch in Europa schon HDTV ins Haus holen. Über den
Umweg USA kommt man trotzdem an HDTV-Material heran. Zwar lassen
sich die amerikanischen Satelliten, die HDTV-Programme ausstrahlen,
nicht hierzulande empfangen, weil diese aus unserer Sicht hinter dem Horizont
stehen. Aber mehrere Hollywood-Studios bieten in den USA bereits Filme
in HDTV-Auflösung an. Diese werden auf D-VHS-Bändern abgespeichert.
Das D-VHS-System, welches auf VHS-Bändern digital aufzeichnet, konnte
sich in Deutschland nicht durchsetzen, obwohl es noch vor dem ersten DVD-Recorder
auf den Markt kam und auch mit 28 Mbps eine deutlich höhere Datenrate
als DVD-Recorder
bietet. In den USA genießt D-VHS zumindest ein Nischendasein, da sich
mit diesem Format auch über Firewire in HDTV aufzeichnen lässt.
JVC entwickelt mit
dem "D-Theater"-System auch einen für die Hollywood-Studios ausreichenden
Kopierschutz, der zumindest die Unterstützung von Größen wie Universal,
Fox und weiteren kleineren Anbietern wie Artisan einbrachte.
Erste vorbespielte D-Theater-Tapes gibt es in den USA bereits seit 2002.
Von Fox gibt es z.B. Blockbuster wie "X-Men 2" oder "Daredevil" in 1080i.
Sofern man einen Versender findet, der auch nach Europa verschickt, bekommt
man den ersten D-Theater-Recorder von JVC, den
HM-DH30000, schon für etwas mehr als 500,00 US-Dollar. Vorbespielte D-VHS-Bänder
kosten ungefähr 35 US-Dollar. Das ab ungefähr 650 US-Dollar in den USA
erhältliche Nachfolgemodell JVC HM-DH40000 ermöglicht es auch, Bänder
mit DTS-Ton abzuspielen. D-VHS wird sich allerdings langfristig gegenüber
Disc-basierten HD-Medien kaum durchsetzen, weswegen ein solches Gerät
auch nur eine Investition auf Zeit ist. Zudem produzieren die digital
bespielten D-VHS-Bänder mitunter Aussetzer, was sich bei bandbasierten
Medien nie ganz vermeiden lässt. Wer aber auf der Suche nach viel Demo-Material
in HDTV
ist, für den stellt das D-Theater-System derzeit die beste Wahl dar. D-Theater
arbeitet ähnlich wie DVDs mit Regionalcodes. Außer den USA gibt es aber
bislang nur in Japan D-Theater-Recorder.

JVC HM-DH30000: D-VHS-Recorder für D-Theater-Tapes
Recht überraschend hat sich der Software-Gigant Microsoft im Jahr 2003
auf den HDTV-Markt
begeben. Mit der Version 9 des Windows Media Players integrierte Microsoft
auch die Möglichkeit zur Wiedergabe von HDTV-Clips
in die Multimedia-Software. Im Vergleich zu MPEG2
sind die Windows Media-Dateien deutlich kleiner und werden weitaus effektiver
komprimiert. Die Ambitionen von Microsoft in diesem Bereich gehen aber
noch über den PC hinaus: Microsoft gewann den DVD-Anbieter Artisan für
die Idee, auch DVDs mit Filmen in Windows Media 9 anzubieten. Die erste
DVD, die in diesem Format auf den Markt kam, war der Dokumentarfilm "Standing
in the Shadows of Motown", allerdings nur mit einer Auflösung von 1024
x 576 Pixeln. Der erste Spielfilm in HDTV
im Windows Media 9-Format war "Terminator 2" mit der etwas ungewöhnlichen
Auflösung von 1440 x 816 Pixeln. Da der Film im Cinemascope-Format 2,35:1
vorliegt, wurden die bei DVDs normalerweise sichtbaren schwarzen Streifen
erst gar nicht encoded, wodurch Speicherplatz gespart werden konnte. Allerdings
kam bei dieser DVD Microsofts Digital Rights Management-Technik zum Einsatz,
die vor dem Abspielen eine Online-Registrierung der DVD erforderte. Diese
war allerdings nur möglich, sofern man sich über eine Internetverbindung
innerhalb der USA oder Kanadas einwählte.
Windows Media 9 ist bislang nur ein Format für den PC. Auf der Consumer
Electronics Show in Las Vegas wurden im Januar 2004 aber die ersten DVD-Player
mit einem neuen Chip von Sigma Designs vorgestellt, der auch das Abspielen
von Windows Media 9-Dateien auf Standalone DVD-Playern ermöglicht. Als
einer der ersten DVD-Player
mit diesem Chip soll der "Bravo D3" im Verlauf des 2. Quartals 2004 zu
einem Preis von rund 350 USD in den Handel kommen. Der Bravo-Player bietet
eine DVI-Buchse
mit HDCP-Kopierschutz
und kann Bilder bis zu 720p und 1080i hochskalieren. Alle unterstützten
Videoformate sollen sich über DVI
wiedergeben lassen. Sigma Designs kündet ebenfalls an, dass die Firmen
Apex und Kiss ähnliche DVD-Player
anbieten werden. Von Kiss soll es neben einem DVD-Player
auch einen DVD-Recorder geben. Kiss
bietet hierbei auch Lösungen für Netzwerk-Streaming und WLAN an.
Mit der Bezeichnung "WMV HD" betont Microsoft seit Januar 2004 verstärkt
die HDTV-Möglichkeiten des Video-Codecs. Im Verlauf des Frühjahrs
2004 möchte man 16 Filme auf DVD im neuen HD-Format anbieten. Die Filme
sollen als 2 DVD-Set verkauft werden, welches eine normale DVD für den
DVD-Player
und die Windows Media 9-Version auf einer zweiten Disc enthält. Neben
Artisan kann Microsoft auf die Unterstützung der IMAX-Filmer MacGillivray
Freeman Films und auch National Geographic setzen, die mehre Dokumentationen
in HDTV veröffentlichen möchten. Auch die Windows Media 9-Versionen
sollen 5.1-Mehrkanalton bieten, allerdings in Microsofts eigenem Audio-Format.
Ob man die DVDs auch hierzulande abspielen kann, ist ungewiss, da da der
DRM-Schutz auch als eine Art Regionalcode eingesetzt werden kann. Microsoft
stellt es den Anbietern allerdings frei, diese DRM-Komponente einzusetzen.
Auch im Broadcasting-Bereich ist Microsoft aktiv und würde gerne "WMV
HD" für TV-Übertragungen etablieren. Die Technologie ist zumindest auf
Senderseite bereits soweit: Der Broadcasting-Spezialist Tandberg hat ein
System entwickelt, mit dem sich im Windows-Format TV-Programme in Realtime
encoden und ausstrahlen lassen. Bislang allerdings ist dieses System noch
nicht im Einsatz. Zusammen mit ASTRA demonstrierte Microsoft auf der Broadcasting-Messe
IBC 2003 zumindest schon einmal die die Möglichkeiten zur HDTV-Übertragung.

Windows Media 9-Demo "The Magic Of Flight"
"WMW HD" bietet die einfachste Möglichkeit, sich selbst von den Qualitäten
von HDTV
einen Eindruck verschaffen zu können. Im Internet findet man unter der
Adresse www.wmvhd.com
zahlreiche Demo-Clips von Microsoft in HDTV,
die auf schnellen PCs auch flüssig wiedergegeben werden.
Die populären Hollywood-Filme wird man voraussichtlich als "WMV HD"-Disc
nicht erleben können. Dazu fehlt es bislang der Unterstützung der großen
Hollywood-Studios, für die als DVD-Nachfolger eher die Advanced Optical
Disc (AOD) von Toshiba
oder die "Blu-ray-Disc" in Frage kommen. Blu-ray wird von Hitachi,
LG Electronics, Matsushita (Panasonic),
Pioneer, Philips,
Samsung, Sharp,
Sony und Thomson
unterstützt. Um die beiden Formate hat sich bereits ein Systemstreit mit
derzeit noch offenem Ausgang entfacht. Welches System sich auch immer
durchsetzen mag: Erste vorbespielte Medien sind in den USA frühestens
2005 oder 2006 zu erwarten. Insbesondere die Suche nach einem sicheren
Kopierschutz dürfte die Markeinführung noch in die Länge ziehen. Denn
nach dem CSS-Debakel bei den DVDs werden sich die Hollywood-Studios erst
recht absichern, bevor sie HDTV-Content
auf Disc-Medien anbieten.
Was genau die zukünftige HD-DVD von den herkömmlichen DVDs unterscheiden
wird, ist bislang noch offen. In Japan kann man sich ungeachtet dessen
bereits von Sony den Blu-ray-Recorder BDZ-S77 von Sony für ca. 3.500,00
EUR kaufen. Dieses Blu-Ray-Gerät ist ein reiner Recorder, mit dem sich
vorbespielte Blu-ray-Medien, sofern sie irgendwann in den Handel kommen
sollten, möglicherweise nicht abspielen lassen. Das Gerät ist in seiner
derzeitigen Form auch speziell für die HDTV-Ansprüche
des japanischen Marktes ausgelegt, daher dürfte dieses Gerät nicht auf
dem europäischen und wahrscheinlich auch nicht auf dem amerikanischen
Markt später erhältlich sein.

Sony Blu-ray-Disc-Recorder BDZ-S77: Für ca. 3.500,00 EUR
in Japan erhältlich
Es lassen sich mit dem Sony-Recorder sowohl Sendungen über Antenne und
Kabel als auch Aufnahmen der japanischen "BS Digital" Hi Vision-Programme
vornehmen, die in Japan zum Großteil in 1080i ausgestrahlt werden und
5.1-Ton im AAC-Format bieten. Blu-ray arbeitet mit MPEG2-Kompression.
Aufnahmemedium sind zunächst einseitige Blu-ray-Discs mit 23 GB Speicherkapazität.
Leermedien von Sony sollen 3.500,00 Yen (ca.
27,00 EURO) kosten. In 1080i oder 720p sind Aufnahmen mit einer Datenrate
von 24 Mbps möglich. Dies soll für zwei Stunden reichen. In 480p wird
mit 12 Mbps für maximal 4 Stunden aufgezeichnet, in 480i sind es bei 11
Mbps maximal 4.4 Stunden. Außerdem besitzt der Blu-ray-Disc-Recorder auch
noch die Aufnahmemodi HR (16 Mbps/3h), SR (8 Mbps/6h) und LR (4 Mbps/12h).
Mit diesen Aufnahmezeiten bietet der Recorder auch bei Standard-Auflösungen
ein Vielfaches der Aufnahmedauer herkömmlicher DVD-Recorder.
Der Recorder bietet eine Firewire-Schnittstelle (In/Out) für digitale
Aufnahmen von Videocameras. Trotz der bei Blu-ray eingesetzten Technik
mit blauem Laser soll der BDZ-S77 auch als Abspielgerät für normale DVDs
und auch DVD-R und DVD-RW geeignet sein. Im Profi-Bereich kommt die Blu-ray-Disc
inzwischen auch schon zum Einsatz: Sony
hat für TV-Sender das XDCAM-System entwickelt, welches auf Blu-Ray-Medien
mit Bitraten bis zu 50 Mbps aufnimmt.
Die Hollywood-Studios halten sich mit Aussagen zur Einführung eines Nachfolgers
für die DVD bedeckt. Lediglich von dem zu Sony gehörenden Studio Columbia
gibt es bereits Aussagen über solche Absichten: Dort erwägt man eine Markteinführung
von HDTV-Discs
für das Jahr 2005 oder 2006. Ben Feingold, Präsident von Columbia TriStar
Home Entertainment, ist der Auffassung, dass es für einen solchen Start
zumindest genügend HDTV-fähige
Geräte in den USA gibt. Sony beabsichtigt nicht unbedingt zwangsläufig
eine Unterstützung von "Blu-ray" durch das DVD-Forum, in dem sich vor
mehreren Jahren nach längeren Debatten die Industrie auf ein gemeinsames
Format für die DVD geeinigt hatten. Im DVD-Forum hält sich das Blu-ray-Lager
zurück und hat nach Aussagen des DVD-Forums bislang noch keine konkreten
Vorschläge für die Blu-ray-Diskussion in die Arbeitsgruppen des Forums
eingebracht. Bei den Abstimmungen haben sich die Mehrheitsverhältnisse
inzwischen zugunsten der "Advanced Optical Disc" verändert: Das 17-köpfige
Steuerungskomitee des DVD-Forums hat sich bei einem Treffen in New York
am 19. November 2003 dazu entschlossen, zunächst auf Basis der AOD Spezifikationen
für einen HD-DVD-Nachfolger zu entwickeln. Nachdem sich im DVD-Forum zuvor
im Juni 2003 keine Mehrheit für das AOD-Lager fand, soll eine Änderung
der Abstimmungsregeln dafür gesorgt haben, dass die Stimmen nicht anwesender
Mitglieder nicht berücksichtigt wurden und so eine Mehrheit von acht gegen
sechs Stimmen bei drei Abwesenheiten erzielt wurde.
HDTV für den Heimgebrauch

JVC GR-HD1 - Die erste HDTV-Camcorder für Hobbyfilmer
Bei HDTV denkt man wohl zunächst an Fernsehen und Hollywood-Filme.
Doch ein weiteres Argument für den Einsatz dieser Technologie liefert
das Thema Digitalkamera
und digitale Camcorder.
Bereits jetzt verfügen viele Flachbildschirme über die Möglichkeit, sich
Digital-Photos direkt über einen Kartenleser anzuschauen. Sofern die Auflösung
des Displays groß genug ist, wird man auf diesem Wege die Photos mit einer
noch höheren Brillanz erleben können als es mit einfachen Photo-Abzügen
möglich ist. Vor allem ist es weitaus praktischer, die Bilder direkt ohne
Umweg auf seinem Fernseher
ansehen zu können. Geht es nach dem Willen von JVC,
Canon, Sharp
und Sony, so wird
man schon in Kürze auch bewegte Bilder selbst in HDTV produzieren
können. Nachdem JVC bereits in den USA die HDTV-Consumer-Kamera
GR-HD1 anbietet, sollen schon bald Digitalkameras
nach dem neuen HDV-Standard erhältlich sein, die auf DV-Bändern in HDTV-Auflösung
bis zu 1440 x 1080 Pixeln aufnehmen. Damit eröffnet sich noch weiteres
Potential für HDTV. Egal wie lange es nun noch dauern wird, bis
die Technik auch nach Europa kommt, ist es eigentlich nur noch eine Frage
der Zeit, weil Europa zumindest indirekt von der Entwicklung in den USA
und Japan profitiert. Und im Zweifelsfall kann sich auch der europäische
Konsument auf dem amerikanischen Markt direkt bedienen, um von dort sein
HD-Material zu bekommen.
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