Dolby
Digital EX und DTS ES 6.1
So funktionieren sie ...
Wer akustisch
mehr als den inzwischen bei Heimkino-Fans sehr weit verbreiteten 5.1-Klang
in Dolby Digital und DTS in seinem Heimkino realisieren möchte, sollte
sich mit dem Thema Extended Surround-Tonformate beschäftigen. Dieses
Special soll erklären, wie genau die 6.1-Formate funktionieren und
inwieweit sich diese auch mit herkömmlichen 5.1-Systemen vertragen.
Alle Extended
Surround-Varianten, kommen sie nun von DTS oder von Dolby, haben eines
gemeinsam: Die klangliche Verbesserung findet quasi hinter dem Rücken
des Zuhörers statt. Früher, zu Dolby ProLogic-Zeiten, genügten ein
linker und ein rechter Surroundlautsprecher, die mit dem selben Signal
versorgt wurden - also lediglich ein einkanaliges Signal, via Matrix
aus dem Pro Logic-codierten Stereo-Ton gewonnen und auf die zwei Surroundlautsprecher
verteilt. Dann, mit dem Aufkommen zunächst von Dolby Digital, später
von DTS, begannen die diskret aufgebauten Mehrkanalsysteme ihren Durchmarsch.
Will heißen: Im Surroundbereich gab es zwei Kanäle mit dem vollen
Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz, was von der Realität des Klangbildes
her einen Quantensprung bedeutete. Doch den Toningenieuren bei Dolby
und DTS war dies nicht genug: Was passiert mit Geräuschen, die genau
hinter dem Zuhörer auftreten? Ein Auto, das vorbei fährt, ein Flugzeug,
das abstürzt, oder, weniger dramatisch, eine zufallende Tür. Bislang
entstand ein Klangloch zwischen dem linken und dem rechten Surroundlautsprecher,
irgendetwas fehlte. Schließlich gab es nicht umsonst vorne einen Center-Lautsprecher
- warum sollte man so etwas nicht auch für den Surround-Bereich einführen?
Die Idee des Back-Surround-Centers war erfunden, Dolby brachte zunächst
sein Dolby Digital EX-System auf den Markt. Der erste Film in der
neuen Tonnorm war "Star Wars - Episode I - The Phantom Menace". Seitdem
sind schon viele Kinofilme in Dolby Digital EX herausgekommen.
Dolby
Digital EX
Das Rezept bei
Dolby Digital EX ist: Man nehme von früher her bekanntes und verknüpfe
es mit 5.1-Mehrkanaltechnik: Man entschloss sich für ein simples und
abwärtskompatibles Verfahren, welches in ähnlicher Art und Weise bereits
bei Dolby Surround für die Generierung des Centers aus einem Stereosignal
angewendet wurde: Das dem Rear Center zugedachte Signal wird durch
eine Matrix geschliffen und auf die beiden Surround-Lautsprecher gleichmäßig
verteilt. Ein Zusatzdecoder extrahiert dann aus dem gematrixten Signal
für die Surroundspeaker wieder die Signale für die Links/Rechts-Surroundlautsprecher
und für den Back Surround Speaker. Ist die DVD entsprechend gekennzeichnet,
wird im Dolby Digital-Bitstream eine zusätzliche Kennung (Flag) mitgeliefert,
die dem digitalen 6.1-Decoder die Anweisung gibt, das Signal der beiden
hinteren Kanäle durch eine Matrix-Schaltung zu ziehen und das Center-Signal
zu erzeugen (was, siehe weiter unten, noch mit einigen Problemen in
der Praxis verbunden ist). Ist die DVD ohne Kennung, muss die Matrix
manuell aktiviert werden. Ein herkömmlicher 5.1-Decoder, der mit der
6.1-Kennung nichts anzufangen weiß, gibt wie gehabt, nur ein Stereo-Signal
auf den hinteren Kanälen wieder, in dem auf beiden Kanälen das Signal
des Centers vorhanden ist.
Für den "Heimgebrauch"
wird man die Eigenschaft "Receiver XY beherrscht Dolby Digital EX"
in den Datentabellen von den noch auf dem Markt befindlichen EX-tauglichen
AV-Verstärkern oder Receivern vergangener Generationen vergeblich
suchen, denn erst später gab es "Dolby Digital 5.1 EX" als offiziell
von Dolby lizenzierte Version. Die ersten Geräte, welche auch Dolby
Digital 5.1 EX zertifiziert sind (auch THX Surround EX / THX Ultra
2-zertifiziert), waren der upgegradete Denon AVC-A1SE und der neue
Denon AVC-A1SR. Viele Extended Surround-geeignete AV-Receiver der
aktuellen Generation aber tragen bereits das Dolby Digital EX-Logo
auf der Frontplatte. Früher llief es folgendermaßen: Durch die Zusammenarbeit
zwischen Dolby und THX gab es im Heimkinobereich ausschließlich THX
Surround EX. Verstärker oder Receiver, die über eine Matrix für den
Back Surround-Bereich verfügen, aber kein THX-Zertifikat besaßen,
sind "geeignet zur Wiedergabe von Dolby Digital EX-codiertem Material".
Die in diesen Geräten zum Einsatz kommende Matrix ist keine offiziell
von Dolby Laboratories abgenommene Baugruppe, daher bekommt Dolby
auch keine Lizenzgebühren, daher darf dann der Hersteller auch nicht
sagen, dass dieses Gerät Dolby Digital EX als Feature mitbringt.
DTS
ES Discrete 6.1
Im Gegensatz zu
Dolby Digital, wo es ausschließlich eine matrixbasierte Version des
6.1-Surrounds gibt, geht die Konkurrenz von DTS einen Schritt weiter:
Bei DTS ES Discrete 6.1 sorgt, wie der Name schon sagt, nicht eine
Matrix für die Zuweisung des Signals für den Rear Surround Center,
sondern ein weiterer diskreter Kanal. Somit wird das Klangbild im
Surroundbereich noch realer, denn neue Effektkombinationen, die nur
mit Hilfe einer Matrix nicht darstellbar sind, können nun erstellt
werden: Kombinierte Effekte können so zum Beispiel aus dem linken
Surroundlautsprecher und dem Back Surround-Lautsprecher kommen, während
der rechte Surroundlautsprecher schweigt. Ebenfalls ist die Dynamik
des diskreten Kanals weitaus höher als die des Back Surround-Matrixkanals,
da der zusätzlich Kanal das volle Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20
kHz abdeckt.
Hat der Verstärker/Receiver
keinen zusätzlichen diskreten Kanal, sondern nur eine Matrixschaltung
für den Back Surround-Channel, kann der Ton für den Back Surround
Channel auch via Matrix erzeugt werden. Technisch funktioniert das
folgendermaßen: Eine DTS ES Discrete 6.1-DVD trägt einmal die zusätzliche
Klanginformation in einer für einen zusätzlichen diskreten Kanal enthaltenen
Toninformation. Gleichzeitig aber ist zu 50 Prozent im linken und
zu 50 Prozent im rechten "normalen" Surroundkanal auch die für die
Matrix des Back Surround Channels enthaltende Toninformation enthalten.
Wenn nun der Verstärker oder Receiver einen diskreten Kanal für den
Back-Surround-Bereich besitzt, ist die Toninformation für die Matrix
natürlich nicht gefragt. Sie wird daher akustisch "ausgelöscht": Die
im linken und im rechten Surroundkanal enthaltene Toninformation für
die Matrix werden phasenverkehrt (180 Grad) abgebildet, so dass damit
nichts mehr zur Matrix gelangt. Wenn hingegen der Verstärker/Receiver
nur über eine Matrix für den Back Surround verfügt, dann wird über
diese das Signal für den hinteren Center-Kanal erzeugt.
Wichtig: Da es
sich bei der für Dolby Digital EX verwendeten Matrix um eine normale
Matrix-Schaltung handelt, die auch unabhängig von "echtem" EX-codierten
Material aktiviert werden kann (die Verstärker/Receiver haben die
Möglichkeit, die Back Surround-Matrix immer mitlaufen zu lassen),
kann sie bei jeder Dolby Digital 5.1-DVD benutzt werden (vergleichbar
ist es mit der Matrix bei Dolby ProLogic: Auch hier konnte man Surroundklang
mit einer normalen Zweikanal-Audio-CD genießen, obwohl diese nicht
im vierkanaligen Dolby ProLogic-Verfahren abgemischt war).
Bei Filmen mit
hohem Musikanteil ist der Einsatz der Matrix nicht unbedingt empfehlenswert,
da einiges an Präzision verloren gehen kann - wobei dieser Rat nicht
generell gegeben werden kann, da die verwendeten Lautsprecher, die
verwendete Software, die Raumakustik und nicht zuletzt natürlich auch
der Geschmack des Hörers entscheidend ist. Daher ist es am besten,
in der täglichen Hörpraxis verschiedene Varianten auszuprobieren.
Der Einsatz der Back Surround Matrix bei 5.1-Filmen mit einer eher
zurückhaltenden und unspektakulären Surround-Klangkulisse ist nicht
anzuraten: Dadurch, dass die Back Surround Matrix von den sowieso
nicht allzu reichlich durchsickernden Klanganteile, die an den linken
und rechten Surroundlautsprecher abgeführt werden, nochmals einen
Teil für sich beansprucht, kann das Klangbild insgesamt nicht befriedigen:
Es konzentriert sich ein zu hoher, dumpf-monoaural klingender Klanganteil
um den oder die Back Surround Speaker.
DTS
ES Matrix-Normen
Doch DTS ist auch
auf dem Matrix-Sektor aktiv. Hier sind zwei Versionen zu unterscheiden:
- DTS ES Compatible
6.1, bei AV-Receivern, bei denen der Hersteller diese Angabe macht,
wird eine vom betreffenden Hersteller selbst entwickelte und ohne
"offizielle" DTS-Lizenz eingebaute Matrix für den Back Surround-Kanal
verwendet. Die DTS ES Compatible 6.1-Geräte haben daher nicht das
DTS ES-Logo auf der Gerätefrontplatte. DTS ES Software kann mit
solchen Geräten wiedergegeben werden, jedoch NUR in der Matrixversion.
- DTS ES Matrix
6.1 greift im Surroundbereich auf das DTS Neo:6-System zurück. DTS
Neo:6 soll normalerweise dazu dienen, herkömmliche Zweikanal- oder
Surroundsignale mittels eines präzisen Decoders auf 6.1 Kanäle aufzupolieren.
Eine genaue Eingangssignal-Kennung und die Matrix in Kombination
erlauben für alle 6.1-Kanäle eine Reproduktion des gesamten, von
20 Hz bis über 20 kHz reichenden Frequenzspektrums. Auch soll eine
sehr gute Kanaltrennung möglich sein, DTS spricht vom selben Pegel
wie dem beim digitalen diskreten System. Neo:6 findet sozusagen
in einer "abgespeckten" Version für den Surroundbereich Verwendung.
Hörunterschiede
in der Praxis: Nicht allzu groß. Etwas natürlicherer Klang mit besserer
Kanaltrennung und weniger Übersprecheffekten bei DTS ES Matrix 6.1.
Auto
Flag Detect bei DTS-ES- und bei Dolby-Digital EX-
Kompatibilität zu DVD-Playern
Unter Auto Flag
Detect versteht man ein im Bitstream der DTS ES- beziehungsweise Dolby
Digital EX-codierten DVD mitgeliefertes Zusatz-Signal, welches dem
Decoder im entsprechend ausgestatteten AV-Verstärker oder -Receiver
sagt, dass die Back Surround Matrix (beziehungsweise im Falle DTS
ES Discrete 6.1 der zusätzliche diskrete Kanal) mitlaufen soll, da
das Tonmaterial EX- oder ES-codiert ist. Während im Falle DTS ES dieses
System hervorragend bei allen DTS ES-codierten DVDs funktioniert und
der Decoder immer das Flag erkennt und in den ES-Mode wechselt, ist
es bei Dolby Digital EX komplexer. Zwar war es auch bei Dolby Digital
EX möglich, beim Encodieren ein Flag einzuarbeiten, welches für die
Zuweisung des EX-Signals an den Decoder zuständig sein sollte, aber
es nutzte nichts - denn die marktgebräuchlichen Dolby Digital-Decoder
verstanden das Flag nicht und hätten somit den elektronischen "Einsatzbefehl"
für die Back Surround Matrix nicht ausführen können. Somit musste
der Benutzer manuell die Back Surround Matrix aktivieren, wollte er
in den Genuss des zusätzlichen Back Surround Kanals kommen. Erst mit
der aktuellen Version des Dolby Digital Encoders legte Dolby nach,
nun ist auch ein Flag integrierbar, welches die Decoder der handelsüblichen
Geräte verstehen, somit sollte bei den neusten DD EX-DVDs die Auto
Flag Detect Funktion auch bei Dolby Digital 5.1 EX aktiv werden -
was aber in der Praxis noch immer nicht reibungslos funktioniert.
Zur Kompatibilität der EX- und ES-Formate zu handelsüblichen DVD-Playern:
Jeder DVD-Player ist in der Lage, den Bitstream aller Extended Surround-Tonnormen
über den optischen und den koaxialen Digitalausgang auszugeben. Ausschlaggebend
ist, was der Verstärker oder Receiver decodieren kann.
THX
Surround EX
Ursprünglich entstand
THX Surround EX durch die Zusammenarbeit zwischen THX und Dolby. Der
Unterschied zwischen Dolby Digital EX und THX EX: Bei der THX-Spielart kommen
zusätzlich zu den zwei Surround-Lautsprechern hinten links und rechts
anstatt einem zwei Back-Surround-Lautsprecher zum Einsatz, die in
der Mitte des Hörraums mit geringem Abstand voneinander und räumlich
hinter den Dipolen für die Surroundkanäle angebracht werden. Verwendet
werden sollten bei der THX-Spezifikation auch im Rear Surround-Bereich
Dipole. Wenn Direktstrahler aus Raumgründen Verwendung finden, so
ist darauf zu achten, dass sie aus der selben Lautsprecherfamilie
stammen wie die Frontlautsprecher und der Center-Lautsprecher. Aus
beiden Rear Surround-Lautsprechern kommt übrigens das selbe Signal,
also es gibt nur einen zusätzlichen Kanal, welcher über beide Lautsprecher
wiedergegeben wird (Das Prinzip ist bekannt - wie schon früher bei
Dolby Pro Logic, wo es für die Surroundlautsprecher auch nur einen
Kanal gab, welcher monoaural von beiden Surroundlautsprechern wiedergegeben
wurde). Sinn dieses Systems ist es, die klanglichen Veränderungen,
die bei lediglich einem Rear Surround Speaker durch eine leicht veränderte
Sitzposition oder durch Bewegungen des Zuhörers Disharmonien beim
Empfinden der Räumlichkeit der von hinten kommenden Geräusche verursachen
können, durch einen zusätzlichen Rear Surround Speaker zu kompensieren.
Zusätzlich findet im dafür zuständigen Prozessor im Receiver/Verstärker
noch die Home THX-Nachbearbeitung statt. Die einzelnen Parameter:
- Re-Equalization:
Wird ein Filmsoundtrack auf der Heimkinoanlage wiedergegeben, kann
der Gesamteindruck von einem zu grellen, unnatürlichen Klangbild
negativ beeinflusst werden, da die Soundtracks für die Wiedergabe
in großen Kinosälen mit ganz anderen Klangvoraussetzungen konzipiert
sind. Das THX Re-Equalizing soll von daher die Adaption vom großen
Kinosaal ins kleinere Heimkino vornehmen, damit der Klang auch dort
mit einer natürlichen Kulisse aufwarten kann
- Timbre
Matching: Je nachdem, aus welcher Richtung das menschliche
Ohr Klänge wahrnimmt, ändert es seine Klangwahrnehmung. Im Kino
sind von daher viele Lautsprecher um die Zuschauer herum montiert,
um ein möglichst reales Klangbild ohne Klanglöcher zu realisieren.
Im Heimkino finden nur zwei Surroundlautsprecher bei herkömmlichen
DD- oder DTS-5.1 beziehungsweise 4 Surroundlautsprecher bei THX
EX Verwendung. Timbre Matching filtert die zu den Surroundlautsprechern
transportierte Klanginformation, um so eine optimale Anpassung des
Toncharakters von den Front- und den Surroundlautsprechern zu erreichen,
was zu einem natürlichen und harmonischen Klangbild beitragen soll.
- Adaptive
Decorrelation: Oftmals ist zu beobachten, dass das Klangbild
aus den Surroundlautsprechern zu dünn, wenig plastisch und dadurch
unharmonisch wirkt. Dieser Effekt verstärkt sich noch, wenn sich
der Zuhörer von der exakt mittleren Sitzposition entfernt. Diesen
Negativmerkmalen soll die "Adaptive Decorrelation" entgegen wirken:
Die Zeitdauer des einen Surroundkanals und das Phasenverhältnis
bezüglich des anderen Surroundkanals wird verändert. Damit wird
zweierlei erreicht: Zum ersten ein ausgewogenes Klangbild auch abseits
der genau mittig angeordneten Hörposition, zum zweiten ein voluminöserer
Eindruck des Klanganteils aus den Surroundlautsprechern.
THX, THX Ultra,
THX Ultra II, Home THX, THX Surround EX, Re-Equalization, Timbre Matching
und Adaptive Decorrelation sind Warenzeichen von Lucasfilm Ltd. Das
THX Postprocessing funktioniert aber auch für DTS ES Matrix 6.1, seit
kurzem auch für DTS ES Discrete 6.1. Es ist (siehe Denon
AVC-A11SR) auch mit der herkömmlichen THX-Nachbearbeitung möglich,
DTS ES Discrete mit der Erkennung des diskreten Back Surround-Kanals
gemäß den THX-Spezifikationen nach zu bearbeiten. Selbstverständlich
gegeben ist die fachgerechte DTS ES Discrete-Erkennung bei der neuen
THX-Evolutionsstufe THX Ultra 2.
THX Ultra 2:
THX
Ultra 2 ist die erste THX-Variante, die vollständig für digitale Heimkino-Tonnormen
entwickelt wurde.
Neu
bei Ultra II: Die Aufteilung in Cinema- und Music Mode. Der Cinema
Mode ist optimiert für die 7.1-Wiedergabe von 5.1-Material in DD und
DTS (neu: ASA (Advanced Speaker Array) soll die Vorteile von Extended
Surround akustisch optimal ausnutzen und alle 8 an einem EX-System
beteiligten Lautsprecher optimal aufeinander abstimmen. Man kann einstellen,
wie weit die beiden Back Surround Lautsprecher voneinander entfernt
sind. Diese Einstellung benötigt THX Ultra 2, damit ASA richtig arbeiten
kann. Zur Wahl stehen: "TOGETHER" für Abstände von unter 1,2 Metern,
oder "APART" für Abstände zwischen beiden Surround Back Lautsprechern,
die größer als 1,2 Meter sind. Im neuen THX Package ist auch die Erkennung
und Nachbearbeitung des zusätzlichen Back Surround Kanals bei DTS
ES Discrete 6.1 enthalten.
Erstmalig
bei THX gibt es den oben beschriebenen Music Mode, der besonders für
DTS 96/24 und Musik-DVDs in DD 5.1 und DTS 5.1 prädestiniert sein
soll. Der Music Mode nutzt die Lautsprecher-Aufstellung eines THX
EX-Systems mit zwei Surround- und zwei Back Surround-Lautsprechern,
die Boxen werden jedoch anders konfiguriert als für die Wiedergabe
von Heimkino-Ton: So wird die linke Surround- mit der linken Back
Surround-Box zusammengeschaltet, die rechte Surround- mit der rechten
Back Surround-Box- Sinn dieses Unterfangens ist es, räumlich gesehen
zwischen dem jeweiligen Surround- und Back-Surround-Lautsprechers
eine Phantomschallquelle zu erzeugen, deren Klangeindruck aufgrund
der Position und des Abstrahlverhaltens dem Klangbild eines normalen
Direktstrahlers (also der Lautsprecherart, die für die akkurate Musikwiedergabe
am besten geeignet ist) ähnlich sein soll. THX will somit erreicht
haben, dass über ein und dasselbe Lautsprechersystem sowohl die Musik-
als auch die Kinotonwiedergabe qualitativ überzeugend vonstatten gehen
soll.
Neu: Die Boundary Gain Compension. Die Funktion ist für die Verwendung
des Verstärkers mit einem THX Ultra 2-zertifizierten Subwoofer bestimmt
und hat folgende Aufgabe: Bestimmte akustische Voraussetzungen des
Hörraums (Struktur der Wände, Aufbau des Raums) sowie die Position
des Hörplatzes und des Subwoofers sorgen in verschiedenen Fällen für
eine störende Überbetonung der tiefen Frequenzen, so dass der Subwoofer
manchem Hörer als zu dominant erscheint. Hier greift die Boundary
Gain Compension ein und gleicht übermäßig starke Basstöne, die auf
einem Grenzverstärkungseffekt beruhen, aus.
Spezielle
Nutzung der Back Surround Lautsprecher
Eine spezielle
Variante, wie man die Back Surround Lautsprecher noch nutzen kann,
kommt aus dem Hause Denon: Hier hat man bei den verschiedenen Extended
Surround-fähigen Geräten der Product Range etwas Spezielles entwickelt:
Man kann die Back Surround-Lautsprecher auch auf "Non Matrix" schalten.
Dann bekommt der rechte Back Surround-Lautsprecher das gleiche Signal
wie der rechte Surroundlautsprecher und der linke Back Surround-Lautsprecher
das gleiche Signal wie der linke Surroundlautsprecher zugewiesen.
Mit Hilfe dieser Funktion ergibt sich ein Eindruck hoher Klangfülle,
die auch im Back Surround-Bereich kein in Richtung monoaural tendierendes
Klangbild erzeugt. Noch besser sind die Ergebnisse, wenn man die hinteren
Lautsprecher im Abstand variiert: Denn ein Stück weiter auseinander,
mehr in Richtung der normalen rechts/links Surroundlautsprecher verrückt,
klingt alles noch homogener und ausgeglichener. Im Idealfall werden
mit einem identischen Abstand aller vier Lautsprecher voneinander
- Surround links, Back Surround links, Back Surround rechts und Surround
rechts sollten in etwa den gleichen Abstand voneinander haben - die
besten Ergebnisse erzielt.
Aufbautipps
Back Surround
bringt eine tatsächliche Besserung bezüglich der klanglichen Homogenität
und des Volumens - allerdings nur, wenn man bestimmte Regeln beim
Aufbau befolgt. So sollten die beiden Surround- und Back Surround-Lautsprecher
alle auf exakt der gleichen Höhe befestigt sein - denn zu hoch oder
zu tief angebrachte Back Surround Lautsprecher bringen nur eine Verschlechterung
der Akustik gegenüber normalem 5.1-Sound. Ebenso sollte man nicht
mit den Ohren sozusagen direkt am Back Surround Lautsprecher lauschen
können - ein absolut inhomogenes, unnatürliches Klangbild ist die
Folge, was die prinzipiellen Vorteile zusätzlicher Back Surround Lautsprecher
ganz schnell in einen deutlich hörbaren akustischen Nachteil umwandelt,
da man von den akustischen Bemühungen des linken und des rechten normalen
Surroundlautsprechers so gut wie gar nichts mehr mitbekommt. Also
muss die Couch einen deutlichen Abstand von den Back Surround Lautsprechern
aufweisen können. Auf jeden Fall sollten die verwendeten Lautsprecher
aus der gleichen Produktfamilie stammen wie der Rest der Boxen. Vor
dem Kauf ist anhand des persönlichen Hörempfindens und der räumlichen
Bedingungen im heimischen Hörraum genau zu überprüfen, ob direktstrahlende
Lautsprecher oder Dipole eingesetzt werden sollen. Für viele Heimkinofreunde
mögen diese Sätze banal klingen - aber immer wieder sorgen nicht korrekt
aufgebaute Anlagen, die aus eigentlich sehr brauchbaren Komponenten
bestehen, für eine Schmälerung des Heimkinoerlebnisses. Dabei ist
es gar nicht so schwer: Mit etwas Phantasie (und etwas Rücksichtnahme
auf den surroundhungrigen Heimkinofan seitens der anderen Bewohner)
lässt sich so manches bewerkstelligen. Klarer Rat aber an all diejenigen,
die eigentlich keinen Platz für Back Surround-Boxen haben: Lieber
weglassen. Bei schlechten räumlichen Bedingungen ergeben sich nur
klangliche Nachteile.
Fazit
Die Extended Surround-Formate
sind in der Lage, durch den zusätzlichen Centerkanal einen noch präziseren
Raumklangeindruck und ein voluminöseres Klangbild zu erzeugen. Ob
dies auch wirklich gelingt, hängt natürlich wesentlich auch von einer
gelungenen Abmischung ab. Zudem muss das Lautsprechersystem im Heimkino
optimal aufgestellt sein, um die optimale Performance sicher zu stellen.
Es ergibt sich bei korrekter Lautsprecheraufstellung und geeigneter
Software wirklich ein hörbarer Vorteil, der zwar nicht so revolutionär
ist wie der Schritt von Dolby Surround zu Dolby Digital und DTS 5.1,
aber doch eine klangliche Lücke ausfüllt, die bisher zwischen dem
linken und dem rechten Surroundlautsprecher bestand. Gleichzeitig
ist jedoch auch die Abwärtskompatibilität zu herkömmlichen Dolby Digital
und DTS 5.1-Decodern in Verstärkern oder Receivern gewährleistet,
so dass man zwar auf einem 5.1-System nicht die Vorteile des zusätzlichen
Kanals nutzen kann, aber in einem 6.1-Format abgemischte DVDs zumindest
auch auf einem 5.1-System problemlos laufen.
Autor: Carsten
Rampacher, 02.12.02
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