Dolby ProLogic 2 - Hintergrundwissen
Autor: Carsten Rampacher (AREADVD),
24.06.2004
Dolby ProLogic
II war bei den AV-Receivern und -Verstärkern der gerade abgelösten
Generation der verschiedenen Hersteller in einigen Fällen schon mit
an Bord, inzwischen, mit den nun neu auf den Markt kommenden Modellen
der "Frühjahrs- und Sommerkollektion" wird der Nachfolger von Dolby
ProLogic zum neuen Standard-Feature, welches auch nicht länger nur
den Top-Modellen vorbehalten bleibt, sondern auch bei preiswerten
AV-Receiver-Modellen Einzug erhält. Ein wichtiger Hauptunterschied
zwischen Dolby ProLogic I und Dolby ProLogic 2 liegt zunächst einmal
darin, dass bei Dolby ProLogic I die Bandbreite der Surroundkanäle
auf 7 kHz limitiert war, ProLogic 2 arbeitet hier ohne eine Limitierung,
was eine transparentere, klarere und weniger mittenbetonte Darstellung
der Surround-Klangkulisse ermöglicht. So bietet ProLogic 2 einen sowohl
im Bass- als auch Höhenbereich authentischen Klang, den man so bislang
nicht von ProLogic kannte. Zweiter wichtiger Unterschied: Während
ProLogic I bei der Wiedergabe von Musik im Dolby-Surround-Modus nur
äußerst unbefriedigende Resultate erzielte, da auf den Surround-Kanälen
nur ein Mono-Signal wiedergegeben wurde und sich das System damit
eigentlich nur der Einsatz beim Anhören von Filmmaterial empfahl,
geht ProLogic 2 einen Schritt weiter: Dolby ProLogic 2 ermöglicht
auch auf den Surround-Kanälen Stereo-Wiedergabe und ermöglicht damit
einen Klangeindruck, der annähernd an das herankommt, was man von
echtem 5.1-Ton kennt. Zudem besteht bei Dolby ProLogic II die Möglichkeit
zwischen zwei Betriebsarten, die gezielt für die Wiedergabe von Musik
oder Film gedacht sind und einheitlich von Dolby vorgegeben werden:
Hier gibt es
einen "Movie Mode" und einen "Music Mode". Zunächst einmal ist zwischen
zwei Versionen, die beide in gängigen AV-Verstärkern und -Receivern
Verwendung finden, zu unterscheiden:
- Eine "Vollversion
von Dolby ProLogic 2, hier kann der Benutzer die in der unten stehenden
Tabelle genannten Parameter justieren
- Eine "Light-Version"
von Dolby ProLogic 2, hier hat der Benutzer im Music Mode keine
Einstellmöglichkeiten.
Dolby ProLogic
II sollte nicht verwechselt werden mit den DSP-Modi, die bei den meisten
Receivern und Verstärkern zu finden sind: Diese sorgen meist durch
das Hinzufügen von Hall und anderer Effekte für einen Klang, der meist
eine bestimmte Atmosphäre erzeugen soll, z.B. den eines Live-Konzerts
oder eines großen Filmtheaters. Bei Dolby ProLogic 2 indes geht es
darum, das aus dem im Zweikanalton vorliegenden Tonmaterial der Klang
reproduziert werden soll, der für die Wiedergabe im 5.1-Verfahren
beabsichtig worden ist.
Dolby Pro Logic II Music
Die
einzelnen Features von Dolby ProLogic II Music in der Vollversion:
- Dimension Control:
Der Benutzer kann das Klangfeld in Bezug auf die Rear-Lautsprecher
und die Frontlautsprecher einstellen und die Balance stufenlos von
vorne nach hinten verschieben.
- Center Width
Control: Der Modus für den Center-Lautsprechers kann zwischen dem
schon bekannten „Phantom Mode“, wo die Tonwiedergabe
bei den Frontlautsprechern nur über den rechten und linken Hauptlautsprecher
erfolgt, und einer Schaltung, bei der vorne ausschließlich der Center
läuft, stufenlos variiert werden. Auf diesem Wege lässt sich der
bei der Musikwiedergabe häufig als störend empfundene Center-Kanal
ausblenden.
- Panorama Mode:
Soll bei der Wiedergabe von Musik ein weiträumiges Klangfeld schaffen.
In der Praxis zeigten sich bei vielen Musikarten nicht allzu bahnbrechende
Veränderungen. Bei sehr guten Aufnahmen konnte der "Panorama Mode"
ein luftigeres, weitläufigeres Klangbild vermitteln, ohne die musikalische
Präzision zu sehr leiden zu lassen.
Beispiele
für gelungene Musik-Integrationen von Dolby ProLogic II
-
Bei Celine
Dions "Think Twice" (CD: Celine Dion: All The Way/A Decade Of
Song) erfreuten unsere verschiedenen mit Dolby ProLogic II ausgestatteten
AV-Verstärker und -Receiver mit sehr natürlicher Räumlichkeit
und einer trotzdem präzisen Stimmwiedergabe. Ohne störende Hallbeimischung
ist die erzielte Stimmtransparenz beachtlich. Die Dimension Control
kann hier mit einer leichten Betonung der vorderen Hauptlautsprecher
justiert werden, was das Vorhandensein einer virtuellen Bühne
fördert und die Surroundlautsprecher nicht überbetont. Auch von
Nutzen: Die Center Width Control: In der Praxis zeigte sich, dass
die Wiedergabe bei den meisten Musikarten am besten ist, wenn
man den Center zwar mitlaufen lässt, den größten Teil der Anteile
aber den beiden vorderen Hauptboxen zuführt. Bei der Celine Dion-CD
war eine Wiedergabe, die den Center zurückhaltend, aber noch gut
hörbar, mit einbezog, besonders überzeugend.
-
Bei Bachs
Orgelwerken, gespielt von Simon Preston (Simon Preston: Bach,
Organ Works, 4D-CD), konnte ProLogic II ebenfalls mit exakter Wiedergabe
und einem sehr guten Gefühl von Räumlichkeit punkten. Als nützlich
erwiesen sich dabei die verschiedenen Einstellmöglichkeiten im
Dolby ProLogic II Music-Modus: So dieDimension Control, die, wie oben beschrieben,
es dem Benutzer ermöglicht, das Klangfeld in Bezug auf die Rear-Lautsprecher
und die Frontlautsprecher einstellen und die Balance stufenlos
von vorne nach hinten verschieben. Je nach Musikart, so förderten
die Testläufe zutage, können leichte Änderungen der Balance von
Vorteil sein. Bei Musik, wo über die Surroundkanäle in erster
Linie Geräusche wie das Klatschen des Publikums übertragen werden
und die Musik in erster Linie von vorne kommen soll, kann es,
auch je nach persönlichem Hörgeschmack, ratsam sein, mehr Klanganteile
auf die Frontboxen zu schieben. Besonders hilfreich war bei der
akkuraten Übertragung der Orgelstücke die Center Width Control.
Der Modus für den Center-Lautsprechers kann zwischen dem schon
bekannten „Phantom Mode“, wo die Tonwiedergabe bei
den Frontlautsprechern nur über den rechten und linken Hauptlautsprecher
erfolgt, und einer Schaltung, bei der vorne ausschließlich der
Center läuft, stufenlos variiert werden. Bei Bachs Orgelwerken
sollte der Center praktisch gar nicht mit einbezogen werden.
-
Bei der Wiedergabe
beispielsweise von Opern sollte dem Center ein größerer Klanganteil
zugeführt werden, sofern dieser von hochwertiger Qualität ist
und somit für die diffizile Wiedergabe der charakteristischen
Stimmen von Opernsängern geeignet ist. Dann stellt sich der Eindruck
eines überraschend guten virtuellen Opernbesuchs ein, da die Stimmwiedergabe
in sehr guter Qualität auch tatsächlich von der Mitte der Bühne
kommt, wo ja bis auf wenige Ausnahmen innerhalb einer Aufführung
gesungen wird.
-
Manchmal
auch eine Wirkung zeigte der Panorama Mode, der bei der Wiedergabe
von Musik ein weiträumiges Klangfeld schaffen soll . In der Praxis
zeigten sich zwar bei vielen Musikarten nicht allzu bahnbrechende
Veränderungen. Bei sehr guten Aufnahmen aber wie der Bach'schen
Orgel-CD konnte der "Panorama Mode" ein luftigeres, weitläufigeres
Klangbild vermitteln, ohne die musikalische Präzision zu sehr
leiden zu lassen.
Fazit
Dolby ProLogic
II Music Für die Wiedergabe von Stereo-Material im Surround-Modus
eignet sich ProLogic II sehr gut. Besonders positiv ist, dass oftmals
auftretende negative Nebeneffekte wie beispielsweise zu viel Hall,
der den Höhen Brillanz und dem Bass Kraft raubt, kaum zu beobachten
sind. Die gebotene Räumlichkeit und Dynamik profitiert hörbar von
der verbesserten Einarbeitung der Surroundkanäle. Somit wird der bei
ProLogic I vorherrschende, muffig-mittenbetonte und blecherne Klangeindruck
des Surround-Soundfeldes durch ein weitaus lebendigere und detailliertere
Darbietung ersetzt. Zaubern kann man natürlich auch bei Dolby nicht:
So wird der verwöhnte Musikliebhaber beispielsweise bei klassischen
Streicher-Musikbeispielen durch das ProLogic II-Aufpolieren auch immer
noch einen hörbaren Verlust an der klaren Darstellung im Hochtonbereich
feststellen. Erstaunlich gut kam ProLogic II mit der Orgel zurecht:
Ein angenehmer, nie dröhniger Raumeindruck, gepaart mit guter Präzision.
Nur im Tiefbassbereich war ein leichter Kraftverlust und ein leichtes
Verwischen zu beobachten. Die Einstellmöglichkeiten sorgen für eine
erhöhte Flexibilität, der Panorama Mode allerdings zeigt nur in wenigen
Fällen eine großartige Wirkung. Nur im direkten Vergleichshören ist
der Raumeindruck bei sehr gute Software noch luftiger. Ohne Einstellmöglichkeiten
ist Dolby Dolby ProLogic II auch ein brauchbares zusätzliches Ausstattungsmerkmal,
eine fast optimale Anpassung an softwarebedingte Schwächen oder Stärken
oder an den persönlichen Hörgeschmack ist aber nicht möglich, was
in einigen Fällen zu einer akustischen Schmälerung des immer noch
ordentlichen Resultats führt. Dolby Pro Logic II eignet sich für die
Wiedergabe der meisten Stereo-Quellen und fast immer gelingt es, einen
räumlichen Klangeindruck zu erzeugen, der die Musik besser klingen
lässt als bei normaler Stereo-Wiedergabe und auch den meisten DSP-Programmen
weit voraus ist.
Dolby
Pro Logic II Movie
Die Sternstunde
von Pro Logic II schlägt indes bei der Wiedergabe von Filmen, die
man bisher nur in Dolby Surround hören konnte. Da Dolby Digital 5.1
erst seit Anfang der Neunziger Jahre im Einsatz ist, ergibt sich somit
ein kaum erschöpfbares Arsenal an alten Filmen, die nur in Dolby Surround
erhältlich sind. Aber auch Filme, die im analogen Fernsehen laufen
oder auf Video aufgenommen wurden, gibt es nur in Dolby Surround.
Der Clou von Pro Logic II ist, dass es selbst hier vielfach gelingt,
aus den zwei Stereo-Kanälen, die auch mit dem alten Pro Logic encoded
wurden, echten 5.1-Klang zu erzeugen. Das hört sich vielleicht unmöglich
an, ist es aber nicht: Selbst die Wiedergabe direktionaler Effekte,
wie man sie eigentlich nur von "echtem" Dolby Digital 5.1 kennt, ist
so möglich. Während herkömmliche Pro Logic-Decoder im Prinzip so arbeiteten,
dass sie den phasenverdrehten Anteil des Stereo-Signals erkannten
und auf beide Surround-Kanäle gleichzeitig, also in Mono, legten,
wird bei Pro Logic II zusätzlich die Stereo-Information ausgewertet.
Tritt also nur auf dem linken Kanal eine solche Phasenverdrehung auf,
so wird diese auch nur dem linken Surround-Kanal zugewiesen. Auf diesem
Wege ist es also auch bei Pro Logic II z.B. möglich, die "Enterprise"
wirklich hinten links in der Ecke verschwinden zu lassen, wenn sie
durch das Bild fliegt.
Bei der deutschen
Synchro von "Top Gun" konnte sich Dolby ProLogic II auf Testgeräten der verschiedensten
Preisklassen gut in Szene setzen. So war der Raumeindruck weitläufiger
und auf den Surroundlautsprechern die Klangkulisse weniger mittenbetont
und blechern. Die gleichen Beobachtungen konnten bei "Octopussy"
gemacht werden. Nur gegen die blecherne Stimmwiedergabe vieler älterer
Produktionen war Dolby ProLogic II machtlos. Auch bei sehr guten 5.1-DVD, via
Downmix-Ausgang analog angeschlossen (so dass auch hier die Dolby ProLogic II-Funktion
gecheckt werden konnte), konnte sich Dolby ProLogic II Movie ordentlich in Szene
setzen, so bei "The Mummy": Hier war die Wiedergabe des Music Score
deutlich detailreicher als bei Pro Logic I, und die Effekte kamen
weitläufiger und gefälliger heraus - kurzum, die gesamte Surroundkulisse
wirkte wesentlich dynamischer und lebendiger.
Doch Dolby ProLogic
II Movie kann noch mehr, dann nämlich, wenn man es mit THX Post Processing
kombiniert. Beispiel: wiederum "Top Gun", Code 2, deutsche Tonspur
(Dolby Surround). Was hier an klanglicher Präzision in Anbetracht
des Ausgangsmaterials geboten wird, überrascht, ebenso die runde,
im Vergleich zum Movie Mode ohne THX Nachbearbeitung nochmals verbesserte
Stimmwiedergabe, der es nur immer noch an Transparenz in den Höhen
fehlt - aber zaubern kann eben auch die Kombination aus Dolby ProLogic
II und THX Post Processing nicht. Dafür sind unangenehme Spitzen in
den Höhen "glattgebügelt", der Klang ist stets homogen. Bei der Surround-Klangkulisse
zeigt sich der Unterschied zu Dolby ProLogic II Movie ohne THX Postprocessing
in einer noch weitläufigeren, runderen Klangspektrum. Fazit: Bei der
Integration von Dolby Dolby ProLogic II Movie macht sich die THX Nachbearbeitung
vor allem in einer weiter gesteigerten Gesamthomogenität bemerkbar,
was den Spaß am Anschauen verschiedener DVDs, die ältere Filmvorlagen
enthalten, doch steigert.
Autor: Carsten
Rampacher (AREADVD), update: 04.03.02
Infos zu vergleichbaren
"Surround-Aufpolierern" finden Sie im Special Dolby
Surround, Dolby Pro Logic II, Logic 7, Circle Surround II, DTS Neo:6
...
Lesen Sie
auch das HIFI-REGLER Homecinema-FAQ
und das Special Home-Cinema
- Test-Kriterien ... Alles Wissenswerte zu 6-Kanal-Formaten erfahren
Sie im Special Dolby
Digital EX / DTS ES 6.1 und Mehrkanal-Musikfreunde sollten einen
Blick ins HIFI-REGLER Special DVD-Audio
werfen.
Zum Thema Heimkino-Receiver und -Fernseher empfehlen wir das Special
Receiver
oder Fernseher
und wer in die Tiefen der Lautsprechertechnik einsteigen möchte,
dem sei das Special zum Thema Lautsprecher
empfohlen. Wer DVD-Player einem Vergleichstest unterziehen will, dem
hilft das Special Vergleichstest
DVD-Player ...
Die ideale programmierbare Universal-Fernbedienung für's Home-Cinema:
Die Pronto
von Philips.
Anschlußpläne und Empfehlungen zur Verkabelung im Heimkino
finden Sie im HIFI-REGLER
Kabelshop ...
Zurück zur Startseite HIFI-REGLER
...
Verantwortlich
für den Inhalt: Detlev Schnick,
© Copyright 2002-2003 HIFI-REGLER, AREADVD
Mehr zum Thema "Dolby Pro Logic II" finden
Sie auch in Google, der weltweit besten
Suchmaschine.
|