Eine Kurzinformation zur technischen Wirkungsweise und praktischen
Anwendung der Netzfilter im Bereich Audio und Video
Einleitung
Netzfilter und Mantelstromfilter sind
zwei Begriffe, die immer wieder genannt werden, wenn es darum
geht, Brummen, Bildrauschen oder andere Störeinflüsse
an HiFi- und Heimkinoanlagen zu bekämpfen. Immer wieder
möchte einer unserer Kunden gerne etwas mehr zum technischen
Hintergrund dieser ominösen Bauteile wissen, insbesondere
dann, wenn er z.B darüber nachdenkt, ob es Sinn macht,
mehrere hundert Euro z.B. für eine Netzleiste mit Netzfilter
auszugeben. Wir haben uns im Netz und in Fachzeitschriften
ein wenig umgesehen und festgestellt, dass man meist eher
von elektrotechnischem Fachchinesisch erschlagen wird, als
dass man auch nur ansatzweise erfährt, was eigentlich
Sache ist. Ein Grund für uns, zu versuchen, das Thema
Netzfilter etwas allgemeinverständlicher anzugehen, wobei
allerdings auch wir leider nicht ganz auf Fachbegriffe verzichten
können. Eine gewisse elektrotechnische Allgemeinbildung
müssen wir also voraussetzen. Zunächst einige Informationen
zum Mantelstromfilter der in seiner technischer Wirkungsweise
dem Netzfilter sehr ähnlich ist - was nicht selten zu
Verwechslungen führt...
Abgrenzung der Begriffe
Netzfilter und Mantelstromfilter
Mantelströme entstehen, wenn unbeabsichtigt, meist durch
äußere Einflüsse, ein ungleicher Stromfluss
in den Leitern eines Kabels auftritt. Betroffen sind besonders
Koaxialkabel. Hier kann die Ummantelung des Kabels hochfrequente
Ströme (HF-Ströme oberhalb 1 MHz) aus der Umgebung
aufnehmen, die z.B. durch sogenannten Elektrosmog entstehen.
Der Innenleiter nimmt diese Ströme jedoch nicht oder
in wesentlich geringerem Maße auf. Die so entstandenen
ungleichen Ströme erzeugen ein Differenzpotential, das
natürlicherweise dazu tendiert sich zwischen den Leitern
auszugleichen. Die Folge ist eine unkontrollierte Signalverfälschung
im Kabel. Da die Störquellen i.d.R. nicht eindeutig ermittelbar
und zudem vollkommen fremdgesteuert sind, treten die resultierenden
Fehler meist intermittierend, also sporadisch auf. Dies erschwert
die Fehlersuche und mögliche Gegenmaßnahmen erheblich.
Ein Mantelstromfilter soll daher das Entstehen der Ungleichströme
von vorneherein verhindern.
Als technische Lösung dienen Spulen (Luft-, Kern- oder
Ferritspulen) oder ein über das Kabel gestreifter Ferritkern.
Der Ferritkern erzeugt wegen seiner hohen magnetischen Leitfähigkeit
in dem von ihm beeinflussten Kabelabschnitt ein homogenes
Wirkungsfeld und verhindert so die Fortpflanzung der Potentialdifferenzen.
Dabei sind allerdings zwei Problemfelder zu beachten:
- Jeder Mantelstromfilter muss frequenzneutral wirken. Viele
im Handel als Mantelstromfilter angebotene Produkte sind
zu schmalbandig ausgelegt und produzieren bereits Dämpfungen
(des Signals) im oberen Frequenzbereich. D.h. solche "Mantelstromfilter"
funktionieren vielleicht gut für terrestrisches TV-Antennenkabel
(Kabelanschluss) zeigen aber auch dort bereits in den oberen
Frequenzbereichen Fehler (Bildverrauschen).
- Koaxiale Kabel haben aufgrund der sehr verschiedenen Geometrie
und unterschiedlichen Abstandes von Innen- und Schirmleitung
zum Ferritkern keine absolut identische magnetische Kopplung.
Allein dadurch können bereits Signalverfälschungen
entstehen, die mit der eigentlichen Ursache, den Mantelströmen
gar nichts zu tun haben müssen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass Mantelströme
grundsätzlich in jedem Kabel auftreten können, besonders
jedoch an koaxial aufgebauten Kabeln. Sie äußern
sich in einem unbeabsichtigtem Differenzpotential der Ströme
in den Leitern und können sowohl klangverfälschend
sein, als auch Bildstörungen hervorrufen. Gute Mantelstromfilter
funktionieren frequenzabhängig (d.h. abhängig von
der Frequenz des in dem jeweiligen Kabel transportierten Signals),
ohne dabei eine Bevorzugung oder Benachteiligung bestimmter
Frequenzen zu verursachen. Ist ein Kabel in dieser Weise mit
einem auf die Signalfrequenz des Kabels optimierten Mantelstromfilter
versehen, so werden die Mantelströme neutralisiert und
die Fehlerquelle ist i.d.R. beseitigt. Mantelstromfilter sind
für jeden Kabeltyp hilfreich, werden jedoch leider von
fast allen Herstellern aus Kostengründen nicht eingebaut.
Das Mantelstromfilter* verhindert also Störströme,
die zwischen den Leitern eines Kabels entstehen. Das Netzfilter*
hat hingegen eine andere Aufgabe und Wirkungsweise, die im
folgenden dargestellt ist. Weitere Infos in unserem Special
Mantelstromfilter
...
Netzfilter
Netzfilter schützen nicht nur Kabel, sondern komplette
Anlagen vor Störströmen, die aus dem Netz kommen
und sie schützen das Netz vor Störströmen (oder
besser störenden Wirkungen) angeschlossener elektronischer
Komponenten. Die Schutzwirkung eines Netzfilters ist also
aus Sicht einer jeden hinter dem Netzfilter angeschlossenen
Komponente zum einen passiv, zum anderen aktiv:
- Aktiv: Das Netzfilter* eliminiert Störströme,
die aus dem Stromnetz ihren Weg über das Netzkabel
in die Anlage finden.
- Passiv: Das Netzfilter* verhindert, dass am Netz
angeschlossene Komponenten über das Netz störende
Einflüsse auf andere Komponenten ausüben können
Aktive Schutzwirkung
der Netzfilter: HF-Störnebel und Elektrosmog
Störungen aus dem Netz lassen sich im wesentlichen in
zwei Ursachenfelder einordnen:
- Das Kabelnetz in den Wänden, wie auch das geerdete
Wasserleitungsnetz eines Hauses wirken wie eine riesige
Antenne. Beide Netze sind über die Erdung indirekt
miteinander verbunden, was ihre Antennenwirkung noch verstärkt.
Sie können dies leicht selbst im Experiment nachvollziehen:
Schließen Sie die Wurfantenne eines kleinen Campingradios
an einen Heizkörper an. Die Lautstärke des eingestellten
Senders wird sich erhöhen. Die "Großantenne"
im Haus ist für alle möglichen Störnebel
und Elektrosmog-Effekte im HF-Bereich empfänglich und
produziert dabei verschiedenste Intermodulationsprodukte.
Quellen dieses HF-Störnebels können Mobilfunkrichtantennen,
Handys, Rundfunksender, Funktelefone, die im Gigahertzbereich
senden, Transformatoren u.v.a. Einrichtungen sein.
- Im Haus selbst oder in der Umgebung des Hauses am Netzt
angeschlossene Komponenten speisen unbeabsichtigt Störströme
ins Netz. Die EMV/CE-Norm soll dies zwar verhindern indem
sie gesetzlich vorschreibt, dass jedes elektrotechnische Gerät
in Europa zwingend geprüft sein muss (erkennbar am EMV/CE-Zeichen
auf den Geräten). Doch die Praxis zeigt, dass dies leider
häufig wirkungslos bleibt. Häufige Störquellen
sind PCs, FAX, ISDN-Telefone, Kühlschränke, Heimwerkermaschinen
u.s.w.
Gegen diese Störkomplexe kann ein
gut konzipierter Netzfilter wirkungsvoll schützen. Doch es
gibt noch einen weiteren Aspekt ...
Passive
Schutzwirkung: Für jede Komponente einen Netzfilter
In HiFi- und Heimkino-Anlagen sind Netzfilter Bestandteil
einer Netzleiste. Als Nutzen steht dabei meist der Blitzschutz
oder die Vermeidung von Überspannungsschäden im
Vordergrund. In zweiter Linie soll die Netzleiste klang- und
bildverschlechternde Störströme aus dem Stromnetz
abfangen. Einfache Netzleisten verfügen zu diesem Zweck
über einen Netzfilter am Netzanschlusskabel der Netzleiste.
Dies schützt zwar auf kostengünstige Weise alle
an der Netzleiste angeschlossenen Komponenten vor Störströmen
aus dem Netz, bringt jedoch einen gravierenden Nachteil mit
sich. Der Netzfilter verändert die Impedanz in der Leitung
zum Netz hin. Dadurch fließen Störströme der
an der Netzleiste angeschlossenen Komponenten nur noch in
stark vermindertem Umfang ins Netz ab, ohne jedoch eliminiert
zu werden. Was passiert nun, wenn eine oder mehrere an einer
solchen Netzleiste angeschlossene Komponenten Störströme
absondern? Der Netzfilter lässt die Störströme
nicht ins Netz "abfließen" mit der Folge,
dass sie verstärkt die übrigen an der Netzleiste
angeschlossenen Komponenten beeinflussen. In einem solchen
Fall könnte es sogar besser sein, ganz auf eine solche
Netzleiste mit Netzfilter zu verzichten. Aus diesem Grund
ist an hochwertigen Netzleisten jede Steckdose einzeln mit
einem Netzfilter versehen oder es werden zumindest Gruppen
gebildet, um eine Trennung zu ermöglichen. Bei der HMS
Energia sind es z.B. Zweiergruppen, die separat mit einem
Netzfilter abgesichert sind. Eine 8-fach-Energia-Netzleiste
hat somit vier Netzfilter-Gruppen. Das macht aus Kostengründen
durchaus Sinn und ist in der Praxis vollkommen ausreichend.
Besonders störend können sich digitale Komponenten
(CD-Player, DVD-Player, MD-Recorder) bemerkbar machen, bedingt
durch ihre pulsierende Wirkungsweise. In erster Linie sind
wiederum analoge Komponenten (Tuner, Receiver, Kassettendeck)
anfällig für digitale Störimpulse. Hingegen
neigen analoge Komponenten wesentlich weniger dazu, andere
Komponenten oder sich gegenseitig zu stören. Hier kann
man im ersten Ansatz Netzfilter-Gruppen aus digitalen und
analogen Komponenten zusammenfassen. Auch Verstärker-Komponenten
(Vollverstärker, AV-Receiver, Endstufen) neigen besonders
dazu, Störströme über den Trafo abzugeben.
Dies ist besonders bei dynamikstarken Musikstücken oder
bei AC-3- oder DTS-Filmton der Fall. Vollverstärker und
insbesondere Endstufen sollten daher auf jeden Fall an einem
eigenen Netzfilter-Bereich der Netzleiste angeschlossen werden.
Dies gilt gleichermaßen für aktive Subwoofer, die
sich ihrerseits wiederum nicht im gleichen Netzfilter-Bereich,
wie der Verstärker befinden sollten.
Die Trennung der Netzfilterbereiche ist übrigens einer
der wichtigsten Gründe, warum eine 8-fach-Energia-Netzleiste
oder auch z.B. eine Monster
MP HTS-1000 DE um ein vielfaches teurer ist, als z.B.
die sehr preisgünstige 8-fach-Netzleiste Brennenstuhl
BF 30000. Wenn Sie sicher sind, dass angeschlossene Komponenten
keine Störströme absondern, dann kann die Brennenstuhl-Netzleiste
durchaus eine preisgünstige Alternative zu den doch etwas
teuren High-End-Netzleisten sein.
Technischer Aufbau der
Netzfilter
Die technische Ausführung der Netzfilter besteht ebenso,
wie bei einem einfachen Mantelstromfilter in einem Ferritkern
am Kabel. Der Unterschied ist hier, dass alle Leiter eines
Kabels (Leiter, Nullleiter und Erdung) einzeln mit einem Netzfilter
versehen sind. Besonders effizient sind Netzfilter dann, wenn
sie so konstruiert sind, dass sie Störströme nicht
blockieren, sondern eliminieren, z.B. durch Umwandlung in
Wärme.
Anschluss-Tipp: Alle
Komponenten an einer Netzleiste
Zu beachten ist bei der Verwendung einer Netzleiste, unabhängig
vom Thema Netzfilter, dass alle untereinander über NF-Kabel
verbundene Komponenten einer HiFi- oder Heimkinoanlage in
eine Netzleiste geführt werden. Nur so haben alle
Komponenten das gleiche Erdungspotential, was zur Vermeidung
von Differenzspannung und daraus resultierenden Ausgleichströmen
zwingende Voraussetzung ist. Ist nur eine Komponente an einer
anderen Erdung angeschlossen, so kann dies die gesamte Anlage
stören. Dies kann übrigens auch unbeabsichtigt geschehen,
wenn einzelne Komponenten über 2-polige Euro-Netzstecker
angeschlossen sind, andere hingegen mit geerdeten Schuko-Steckern.
Mehr zu dieser Problematik im HIFI-REGLER-Specials zum Thema
Netzleiste
und Brummen.
Phasenpolung
Auch die Phasenpolung kann Einfluss auf Klang- und Bildqualität
haben. Dabei wird an jedem Gerät einer Anlage einmal
ausgemessen, über welchen Leiter des Netzeingangs der
angeschlossenen Komponente idealerweise die Phase zugeleitet
wird. Der Stecker wird anschließend markiert. An einer
guten Netzleiste wird angezeigt, auf welchem Kontakt der Steckdose
die Phase liegt. Alle Stecker der Anlage werden dann so in
die Netzleiste eingesteckt, dass Phase auf Phase steckt. Auch
zur Phasenpolung mehr im HIFI-REGLER-Special zum Thema Netzleiste .
Zusammenfassung
Ein für Audio- und Videoanwendungen optimierter Netzfilter*
muss so konzipiert sein, dass er hochfrequente Störungen
im MHz-Bereich (HF) möglichst effizient absenkt, darf
dabei aber nicht die niederfrequenten Signalströme (Netz
oder NF) beeinflussen. Ein Netzfilter verhindert Störungen
aus dem Stromnetz oder der Erdung. Ein guter Netzfilter muss
aber auch die Komponenten einer Anlage untereinander vor Störströmen
der jeweils anderen Komponenten der Anlage schützen.
Ein Netzfilter der letzteres nicht leistet, kann solche Störströme
sogar verstärken sich möglicherweise negativer auf
Klang- und Bildqualität auswirken, als dies der Fall
wäre, wenn kein Netzfilter eingesetzt wird. Da Störquellen
meist nicht eindeutig ermittelbar und zudem vollkommen fremdgesteuert
sind, treten die resultierenden Fehler meist intermittierend,
also sporadisch auf. Dies erschwert die Fehlersuche und mögliche
Gegenmaßnahmen erheblich. Ein Netzfilter sollte daher
in erster Linie als Vorsorgemaßnahme eingesetzt werden,
so dass mögliche Störungen gar nicht erst auftreten.
| * |
Sie werden sich
vielleicht darüber wundern, dass in technischen Texten
häufig von "das Netzfilter" gesprochen
wird, wo es doch allgemein und auch laut Duden "der
Filter" heißt. Tatsächlich hat sich im
technischen Bereich vielfach der sächliche Artikel
für Filter eingebürgert. |
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