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Surround-Formate (5.1, 6.1, 6.2, 7.1, 7.2) und ihre Bedeutung
für das Klanggeschehen
Text: Detlev Schnick, HIFI-REGLER
- update 03.07.2008; Quelle: Eigene Tests und Recherchen
Obgleich es in den letzten Jahren keine wesentlichen Neuerungen
gab, herrscht heute noch immer weitverbreitete Unklarheit hinsichtlich
der Wirkungsweisen und Klangfelder der verschiedenen Surround-Formate.
Dabei sind diese Fragen eigentlich recht einfach zu beantworten.
AV-Receiver ab der Mittelklasse bieten heute bereits standardmäßig
eine 6.1- oder 7.1-Kanal-Verarbeitung. Ob Sie diese allerdings nutzen
können, hängt in der Praxis von Ihrem Lautsprecher-Aufbau
ab. Wenn Sie also vor der Entscheidung stehen, sich für ein
Lautsprecher-Set für Ihre Heimkino-Anlage zu entscheiden sollten
Sie die folgende Kurzdarstellung unbedingt lesen.
Die Ursprünge: Das gute alte 5.1
Nach unserer Erkenntnis ist die Hauptursache der z.Zt. verbreiteten
Verwirrung, dass auf gängigen DVD-Hüllen stets die Bezeichnung
"Dolby Digital 5.1" zu finden ist. Daraus ziehen viele
Verbraucher den falschen Schluss, dass sie mit einer so gekennzeichneten
DVD nur 5 getrennte Kanäle und einen Subwoofer-Kanal ".1"
wiedergeben können. Die Bezeichnung 5.1 auf der DVD ist zwar
sachlich korrekt, führt aber eben leider oftmals zu Missverständnissen.
Das klassische Kinoformat ist 5.1 und daran hat sich auch bis heute
von Ausnahmen abgesehen nicht viel geändert. D.h. auf der DVD
sind 5 Spuren für die Breitbandkanäle (Front links und
rechts, Center und Surround links und rechts) sowie ein LFE-Kanal
(Low Frequency Effect) für den Subwoofer abgemischt. Der
6-te und 7-te Kanal für Dolby Digital 6.1 oder 7.1 wird im
AV-Receiver, also im Wiedergabegerät generiert - jedoch
nur von solchen AV-Receivern, die dies beherrschen. Technisch wird
dies Nachbearbeitung oder "Post-Processing" genannt.
Dabei werden aus dem Datenstrom der beiden Surround-Kanäle
diejenigen Algorithmen entschlüsselt, die beim Mastern der
DVD bereits für die zwei zusätzlichen (Back-Surround-)
Kanäle vorgesehen wurden. Ist die Wiedergabe am AV-Receiver
hingegen auf "5.1" eingestellt, so werden diese Informationen
nicht ausgewertet.
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| So ist der Kinoton
auf einer DVD mit der Kennzeichnung "Dolby Digital 5.1"
abgemischt. Und so wird er auch von reinen 5.1-AV-Receivern
wiedergegeben. |
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Eine Gewehrkugel soll krachend
in der Mitte der Rückwand des Hörraumes ins Holz einschlagen.
Die Szene gibt es übrigens wirklich in "Der mit dem Wolf
tanzt". Der Toningenieur im Studio mischt dieses Geräusch
in exakt gleichem Pegel links und rechts auf die seitlichen Surrounds
auf. Bei der Wiedergabe in einer 5.1-Konfiguration wird dies klanglich
auch exakt so wiedergegeben. Diese Wiedergabe hat dann allerdings
den Nachteil, dass ein punktueller Effekt breit über den Raum
gestreut wird und so nicht wirklich der hinteren Mitte zugeordnet
wird. Bei mehreren punktuellen Geräuschen entsteht dadurch
ungewollt eine verschwommene und diffuse Surround-Kulisse. Anders
ist dies bei einer Heimkino-Anlage mit 6.1-Konfiguration.
6.1-System - ein Back-Surround-Kanal
Bei einem 6.1-System ist ein Back-Surround-Lautsprecher - "Back-Center"
oder "Back-Surround Center" genannt - in bzw. vor der
Mitte der Rückwand des Raumes installiert.
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| Bei einer 6.1-Konfiguration
wird das 5.1-System um einen Back-Surround-Lautsprecher ergänzt.
Der AV-Receiver sorgt dafür, dass dies ein dedizierter
Kanal mit eigenen Effekten ist. Die Effekte des Back-Surround
finden sich hier nicht in den seitlichen Surrounds wieder, sie
sind also echte zusätzliche Sound-Effekte. |
Hier erkennt der Klangprozessor im AV-Receiver - und zwar in Echtzeit!
-, dass ein bestimmtes Geräusch im linken und rechten seitlichen
Surroundkanal mit gleichem Pegel aufmoduliert wurde. Er reagiert
darauf indem er dieses Geräusch den seitlichen Surrounds entzieht
und auf den Back-Surround-Kanal umleitet. So geschieht hinten in
der Mitte genau das, was dort geschehen soll und die seitlichen
Surrounds sind von diesen Klangeffekten befreit.
Ein 7.1-System - 2 Back-Surrounds
Nun gibt es aber nicht nur punktuelle Effekte, die sich genau in
der hinteren Mitte des Geschehens abspielen, sondern auch solche,
die sich links oder rechts versetzt ereignen. Besonders gut ist
das in den Kampfszenen in "Der Gladiator" wahrzunehmen.
Hier kommt die 7.1-Konfiguration ins Spiel ...
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| Bei einer 7-Kanal-Konfiguration
wird das Klanggeschehen des Back-Surrounds nochmals verfeinert
indem es der linken oder rechten hinteren Seite des Hörraumes
zugeordnet wird. Bei einem richtig eingestellten System spielen
sich auch hier unterschiedliche Klanginformationen im rechten
und linken Kanal ab. Also auch hier wieder: Echte zusätzliche
Sound-Effekte! |
Die Back-Surround-Effekte werden dabei zwar wieder mit exakt gleicher
Struktur, aber mit leicht unschiedlichen Pegeln auf die seitlichen
Surrounds aufmoduliert. Auch dies erkennt der AV-Receiver und ordnet
diese Effekte seinen jeweiligen hinteren linken oder rechten Back-Surround-Kanälen
zu - sofern es sich um ein 7.1-System handelt. So kommen punktuelle
Geräusche zielgerecht von beliebigen Stellen aus der Rückwand
des Hörraumes. Wenn ein Effekt z.B. aus der linken Raumecke
kommen soll, so wird der Effekt im Zusammenspiel des linken Backsurrounds
mit dem linken Seiten-Surround erzeugt. Mit vier dedizierten Surround-Kanälen
lässt sich praktisch jeder Effekt - sogar solche, die von oben
kommen -, darstellen. Nur so lassen sich Kampfszenen realistisch
darstellen oder der Kreisflug eines Hubschraubers lässt die
Köpfe der Zuschauer fast schon nach oben schauen.
Verteilung der Effekte
auf die Surround-Kanäle
Die wichtigste Information ist: Bei dem einen Back-Surround-Kanal
(6.1) oder zwei Back-Surround-Kanälen (7.1) handelt es sich
nicht um eine Verbreiterung der für Umgebungskulissen zuständigen
seitlichen Surrounds, sondern um echte zusätzliche Effektkanäle
mit eigenen Klanginformationen. Diese zusätzlichen Informationen
fallen zwar bei einem 5.1-System nicht weg, da sie ja auf die seitlichen
Surround-Kanäle aufgemischt sind. Sie wirken aber bei einer
5.1-Wiedergabe verwaschen oder diffus und lassen sich nicht exakt
dem Geschehen auf der Leinwand zuordnen. Ein guter Test ist es,
sich einmal den Wasserbomben-Kampf eines typischen U-Boot-Films,
z.B. "Das Boot" mit 5.1, 6.1 und 7.1 im Vergleich anschauen,
dann stellen Sie fest, dass der Effekt, dass bei totaler Stille
im Boot das von der Decke des Bootes tropfende Wasser nur bei 7.1
exakt der Decke des Hörraumes zugeordnet werden kann. Hier
arbeiten die Toningenieure mit nochmals verfeinerten Sound-Matrizen,
um solch raffinierte psychoakustische Wirkungen perfekt erzeugen
zu können. Bedenken Sie dabei: in allen kommerziellen Kinos
ist eine 7-Kanal-Wiedergabe heute Standard. Die Back-Surround-Effekte
werden für diese Kinos also ohnehin auf die Tonspuren gepackt
und stehen auf der DVD quasi als Abfallprodukt zur Verfügung.
Man muss sie nur herausholen können.
6.1 oder 7.1 - drei oder vier Surround-Kanäle
Trotz der Klangsteigerung, die die zwei Kanäle eines 7-Kanalsystems
erzeugen, kann es manchmal sinnvoll sein, sich bewusst auf ein 6-Kanal-System
zu beschränken. Bei einem kleinen Heimkino, das z.B. nur etwa
3 bis 4 Meter breit ist und in der ganzen Breite z.B. 4 Sitzplätze
aufweist würden zwei Back-Surrounds in der Rückwand kontraproduktiv
wirken. Die optimale Hörposition zur Lokalisierung der Back-Surround-Effekte
wäre in diesem Fall so eingeengt, dass Zuschauer außerhalb
dieses Punktes ein stark verfälschtes Klangbild erhalten. Der
Grund hierfür ist, dass das Klangempfinden nicht nur von der
Direktabstrahlung der Lautsprecher erzeugt wird, sondern auch indirekt
von der Abstrahlung von den Wänden des Hörraumes. Daher
müssen gewisse Freiräume um die Lautsprecher herum vorhanden
sein - zumindest wird dies beim Abmischen der Sound-Effekte als
gegeben vorausgesetzt. Das 6.1-Format ist also keine Sparversion
einer vollausgebauten Surround-Anlage, sondern hat auch unter technischen
Gesichtspunkten eine eigenständige Berechtigung und Bedeutung.
Was bringt ein zweiter Subwoofer?
Ambitionierte Heimkino-Besitzer setzen nicht selten zwei Subwoofer
ein. Der Appendix ".1" wird dann zu ".2", also
6.2 oder 7.2. (5.2 kommt in der Praxis nicht vor, denn wer einen
zweiten Subwoofer einsetzt, wird sich zumeist auch wenigstens für
ein 6-Kanalsystem entscheiden) Es ist eine Binsenweisheit, dass
die langwelligen Frequenzen der Bässe eines richtig eingestellten
Subwoofers (unter 100 Hertz) vom Zuschauer nicht lokalisierbar sind.
Wozu also ein zweiter Subwoofer? Sehen Sie sich zunächst einmal
ein typische Anlage mit zwei Subwoofern an:
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| Hier sehen Sie eine
7- Kanal-Konfiguration mit 2 Subwoofern
- 7.2 genannt. Die beiden Subwoofer sind in ihrer Abstrahlrichtung
asymmetrisch angeordnet, um stehende Wellen zu vermeiden. |
Sie sehen, dass die beiden Subwoofer asymmetrisch in den Hörraum
strahlen. Warum? Die langwelligen Tiefton-Frequenzen des Subwoofers
werden (wie übrigens andere Frequenzen auch) von der dem Lautsprecher
gegenüberliegenden Wand reflektiert. Trifft nun die zurückkommende
Schallwelle auf die nächste ausgestoßene "Originalwelle",
dann heben sich die beiden Wellen an dieser Stelle vollständig
auf - sofern die Amplitude beider Wellen annähern gleich ist.
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| So kommt das berüchtigte
"akustische Loch" oder "Bassloch" zustande. |
D.h. an dieser Stelle herrscht völlige
Stille während gleichzeitig wenige Zentimeter weiter der Tiefbass
dröhnt. Man nennt solche Wellen stehende
Wellen. Bei höheren Frequenzen
sind stehende Wellen unproblematisch da die Stellen und Frequenzbänder
an denen sie entstehen so klein und begrenzt sind, dass sie nicht
wahrnehmbar sind. Der langwellige Charakter des Bassschalles hingegen
hat zur Folge, dass möglicherweise eine ganz bestimmte typische
Bassfrequenz, z.B. 64 Hz in einem definierten, z.B. etwa 40- 80
cm breiten Korridor im Raum nicht hörbar ist. Wenn man Pech
hat, ist genau in diesem Korridor der präferierte und ansonsten
optimale Hörplatz im Heimkino-Raum. Das verrückte dabei
ist, dass der Zuschauer, der neben oder vor einem sitzt, den Bass
durchaus in voller Stärke wahrnehmen kann - wenn er eben außerhalb
des "akustischen Loches" - auch "Bassloch" genannt
- sitzt. Da man letztlich nie weiß, welche Frequenz an welcher
Stelle im Raum eine stehende Welle erzeugt und so zur Auslöschung
des Basses führt, setzt man sicherheitshalber zwei Subwoofer
ein. Diese werden dann so im Raum positioniert, dass sie in unterschiedlichen
Winkeln in den Raum strahlen. Da man praktisch ausschließen
kann, dass sich stehende Wellen von beiden Subwoofern gleichzeitig
an ein und derselben Stelle auswirken, hat man als Zuschauer immer
den vollen Bass-Effekt - entweder vom einen Subwoofer oder vom anderen.
Die asymmetrische Aufstellung der Subwoofer ist hier besonders wichtig,
denn ansonsten könnte es auch zu Auslöschungen der beiden
Subwoofer untereinander kommen. Um dies zu vermeiden, wird mitunter
empfohlen, die Einstellung "Phase" bei beiden Subwoofern
leicht unterschiedlich einzustellen. Näheres dazu unter stehenden
Wellen und den Einstellmöglichkeiten am Subwoofer (u.a.
auch Phase)
erfahren Sie in unserem Subwoofer
FAQ.
Empfehlungen zum Kauf der
Surround-Lautsprecher
Beim Kauf eines Lautsprecher-Systems ist auch ein wichtiger Punkt
zu bedenken: Die seitlichen Surround- und die Back-Surround-Lautsprecher
sollen einer einheitlichen Modellreihe entstammen. Diese Forderung
ist nicht nur von ästhetischer Bedeutung sondern hat auch handfeste
technische Gründe: Die Herausarbeitung der psychoakustische
Effekte erfolgt durch feinnuancierte Klangabmischungen und setzen
dazu gleiches Abstrahlverhalten und somit gleiche Lautsprecher voraus.
Ist dies nicht der Fall können im Prinzip beliebige Effekte
herauskommen - jedenfalls oft nicht die, die auf der DVD enthalten
sind. Das im U-Boot von der Decke tropfende Wasser oder das ächzen
der Spanten muss eben von genau den Stellen kommen, wo diese Geräusche
auftreten.
In der Praxis des Lautsprecherkaufs bedeutet dies: Planen Sie auf
jeden Fall von vorneherein wenigsten einen sechsten Lautsprecher,
den Back-Surround Center mit ein, oder besser gleich zwei Back-Surrounds.
Und zwar auch dann, wenn Sie am Anfang nur mit 5.1 starten (was
wir wirklich nicht empfehlen). Kaufen Sie also die vielleicht erst
für später eingeplanten Back-Surround-Lautsprecher (und
ggf. zugehörige Lautsprecherständer) gleich von Anfang
an mit hinzu. Wenn Sie dann später Ihre Anlage voll ausbauen
wollen, kann es Ihnen nicht passieren, dass Sie Ihr Lautsprechersystem
wegen eines Modellwechsel des Herstellers nicht mehr mit gleichartigen
Typen ergänzen können, weil diese nicht mehr erhältlich
sind. Dies kommt leider in der Praxis gar nicht selten vor. Die
Kenntnis, wie wichtig die Back-Surrounds für das Klanggeschehen
sind sollte Ihnen helfen, an dieser Stelle die richtige Entscheidung
zu fällen.
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