Canton Karat 790 DC bei HOMEVISION im Test

HOMEVISION (bis 4/08)
Canton Karat 790 DC

3/2008

Testauszug:

"...das Set muss im Alltag klingen, Gänsehaut und Analyse vermitteln. Wir haben zu einem Geheimtipp unter den wirklich guten Surround-Abmischungen gegriffen: "Rätselhafte Ereignisse" - ein Film, der sich in Deutschland weder im Kino, noch auf DVD zu einem Superseller entwickelt hat, trotz Staraufgebot inklusive Jim Carrey und Meryl Streep. Es handelt sich um eine skurrile Abenteuer-Geschichte um drei mutige Waisenkinder, halb Märchen, halb Action-Drama. Die Dream-Works-Studios haben nie wieder einen besseren Sound abgemischt. Alles ist da: intime Räume mit tickender Uhr, eine Bühnen-Show, plätschernde Wellen - aber glücklicherweise nicht so etwas Banales wie Detonationen oder fliegende Hubschrauber. Stattdessen gibt es einen herrlich anspruchsvollen Showdown. Ein Klassiker: Graf Olaf (sehr, sehr böse: Jim Carrey) möchte seine lästigen Mündel (drei trickreiche Kinder) umbringen und lässt das Auto mitsamt der Kleinen auf einem Bahnübergang stehen, während er selbst in der Tankstelle um die Ecke "ein Alibi einkauft". Klanglich eine Idylle mit dezentem Motorgeräusch, einem Klingeln an der Tür zur Tanke - bis ein Zug am Horizont auftaucht. Obwohl noch scheinbar nicht viel geschehen ist, gehen viele Lautsprecher-Sets in dieser Szene in die Knie. Die Abmischung ist in ihren leisen Tönen sehr komplex, schnelle Schnitte schaffen einen rasanten Wechsel der Perspektive. Vor allem: ganz, ganz unten grummelt ein Subbass das nahende Unheil herbei. Diese Arbeit vertraut Canton in unserem Set dem AS 225 SC an, einem eher kompakten Downfire-Subwoofer mit 26-Zentimeter-Membran, Bassreflexrohr und einer hubfreudigen Doppelsicke. Wir staunen. Der Sub trägt eben nicht zu dick auf und bleibt perfekt auf Achse. Voraussetzung: Er sollte in der Übergabefrequenz nicht zu hoch an die Standboxen gekoppelt werden. Die schmalen Karat 790 bringen zwar keinen unerbittlichen Tiefstbass ein, doch der Bass ist schlank, präzise, kernig. Wer hier einen Sub weit über 110 Hertz treibt, begeht ein Verbrechen. In unserem Testaufbau (und in unserem ideal bedämpften Hörraum) zeigte sich eine Übergabefrequenz um 80, maximal 90 Hertz als maßgeschneidert. Weiter im Film: Der Zug naht, der böse Graf bemerkt es in der Tankstelle durch das Zittern der Glasflaschen im Kühlregal. Das Canton-Set kombiniert prächtig die Rauminformationen vom Ultratiefbass bis zum feinsten Nachschwingen des Hochtöners. Was in diese Räumlichkeit - auch im reinen Stereo-Dreieck - angenehm auffällt: Die Canton-Wandler dichten nichts hinzu und wollen nicht angestrengt luftig sein. Der Raum ist klar begrenzt in diesen Grenzen aber perfekt ausgeleuchtet.Der Zug rast auf den Wagen mit den eingeschlossenen Kindern zu (der böse Graf hat den Schlüssel mitgenommen). Die Szene eskaliert, auch dynamisch. Viele Lautsprecher-Sets geben auf halber Strecke auf. Das Crescendo verharrt in einer etwas angestrengten Lautstärke, wird aber nie wirklich dynamisch. Stattdessen steigt das Grummeln des Subwoofers ins Mumpfige. Der Effekt wird zur Seifenblase - nicht so unter den Canton Brüdern. Der Sub läuft perfekt synchron mit den Verwandten ringsum. Hier bekommen auch die Rear-Speakers einiges an Klangkost ab, der die Karat 720 aber locker gewachsen sind. Der Pegel steigt, wird aber nie scharf (von wegen, "böse" Metall-Hochtöner). Die Spannung bebt, der Graf grinst, die Kinder legen durch einen Trick die benachbarte Weiche um, der Zug braust mit gewaltiger akustischer Präsenz an dem Wagen vorbei. Schwächelnde Lautsprecher aus diffusen Billigquellen fallen spätestens an dieser Stelle tot nach hinten um. Die Canton Sechslinge zeigen nicht einmal den Ansatz von Schweißtropfen. Auch der Zuhörer hat nicht schwitzen müssen, die Dynamikorgie braust herrlich geschlossen vorüber - erst in der Stille danach spürt man das eigene Herzrasen..."

"...wie hält es das Karat-Gespann mit Musik? Wir füttern dem DVD-Player eines unserer liebsten Konzert-Events zu: Coldplay live 2003. Der dts-Track liegt weit über Dolby-Niveau. Die atmosphärische Dichte noch einiges darüber. Vor allem der Center muss rackern. In fast allen Songs kommt die Stimme zentral aus der Mitte. Hier zahlt sich die identische Auslegung von Chassis und Weichen aus - die Canton-Front lässt eben nicht den Eindruck aufkommen, dass ein Sänger in einem kleinen Kasten unter der Leinwand gefangen gehalten wird. Stattdessen eine akustische Abbildung vom Feinsten weit, aber zum Hineingreifen präzise. Diese Ehrlichkeit ist es, die das Canton-Set zu einem unserer Lieblinge macht..."

Bewertung:

+ dynamisch, dabei sehr ehrlich in der räumlichen Abbildung
+ tolles Gruppenspiel, Woofer bindet sich homogen an
- direkt, der "Samt" fehlt mitunter

Fazit:

Identische Chassis rundum – sehr spielfreudig, mit perfekter Bass-Anbindung und präzisem Raum.

Gesamturteil: gut

Preis/Leistung: überragend

Getestet wurde ein Surroundset bestehend aus 2 x Canton Karat 790DC, 1 x Canton Karat 755CM, 2 x Canton Karat 720DC, 1 x Canton AS225.SC