Clearaudio Performance DC bei STEREO im Test

STEREO

8/2013

"In der Stereo-Ausgabe 8/2013 auf den Seiten 72 bis 74 wurde der Clearaudio Performance DC getestet."

Testauszug:

"...während der vergangenen Monate gab es eine ganze Reihe von bemerkenswerten Plattenspielern. Und der Performance DC des fränkischen Analogspezialisten Clearaudio reiht sich nahtlos in die Phalanx von Rega RP8 oder VPI "Traveler" ein (um 2500/1750 Euro jeweils ohne Abtaster). Ja, er hat sogar das Zeug zum Star unter den starken Newcomern. Denn als wir "Deed I Do" in der 45er-Fassung aus Diana Kralls "Live In Paris"-Album hörten, überraschte der Dreher mit einer derartig leichtfüßigen, räumlich strukturierten, homogenen und somit letztlich abgeklärten Vorstellung, dass wir uns ungläubig anschauten: "Äh, was soll der noch gleich kosten?" Das gänzlich silberne oder aber mit schwarzer Ober- wie Unterseite erhältliche Laufwerk aus Aluminiumplatten und einem Kern aus hochverdichtetem MDF schlägt solo mit 1700 Euro zu Buche. Der durch sein steifes, gegenüber Resonanzen unempfindliches Carbonrohr bestechende "Clarify"-Arm kostet weitere 1090 Euro und der aus der neuen V2-Serie der Franken stammende MM-Tonabnehmer "Virtuoso V2" knapp 750 Euro. Macht zusammen stattliche 3540 Euro, für die wir den makellos gefertigten Plattenspieler jederzeit vorbehaltlos empfehlen würden. Der Clou: Das Paket gibt`s, fast 700 Euro günstiger - also den Abtaster beinahe geschenkt - für rund 2850 Euro. Dafür bekommt man nicht nur eines der hochklassigsten Klangbilder dieser Liga, sondern zugleich einen clever gemachten, mit raffinierten Ideen gespickten Dreher. Clearaudio setzt auf Magnetkissen, um störende Schwingungen von Teller und Arm fernzuhalten. So schwebt die vier Zentimeter dicke Plattenauflage aus dem vibrationsfeindlichen Kunststoff POM ein kleines Stück über der extrem glatten, praktisch keine Reibungsverluste erzeugenden Keramikachse, die den Teller seitlich stabilisiert. Wer diesen ohne den bremsenden Treibriemen in leichte Drehung versetzt und sich einen Kaffee kochen geht, findet ihn bei der Rückkehr vermutlich noch rotierend vor. Beim mittelschweren Tonarm wirkt dasselbe Prinzip andersherum. Hier hängt das Rohr unter einem Magneten. Ein exakt justierter Seilzug hält die Teile auf Distanz zueinander. Eine weitere Führung ist nicht notwendig, da die Magnetkraft das Rohr in Position zwingt. Den Aufbau des in Einzelteilen gelieferten Performance DC sollte man Fachkundigen überlassen. Zwar liegt dem Gerät eine sehr gute deutschsprachige Anleitung bei, doch es schadet ja nie, wenn man sowas schon mal gemacht hat. Das umfangreiche Zubehör erlaubt die Einstellung aller Parameter von der Ausnivellierung des Laufwerks über seine drei in der Höhe verstellbaren Füße bis hin zur Justage des Tonabnehmers. Die beigelegte Wippe zur Überprüfung von dessen Auflagekraft mag zunächst primitiv erscheinen, sie erwies sich in diesem Fall jedoch als zuverlässiger als unsere elektronische Waage, die im Magnetfeld über dem Teller zu Missweisungen führte. "Aufgepasst" heißt es auch beim Einstecken des externen Netzteils. Liegt die Phase auf der falschen Seite, was sie - "Murphy" lässt grüßen - ohne weitere Überprüfung eigentlich immer tut, verliert das Laufwerk einiges von seiner namentlich beschworenen "Performance", klingt flacher, rauer und uninspirierter als bei korrekter Lage. Ansonsten kann man hier nicht viel falsch machen. Zu beachten ist allerdings, dass der Clearaudio noch mehr als andere Plattenspieler eine möglichst erschütterungsfreie Stellfläche benötigt, da sonst aufgrund der "weichen" Aufhängung von Teller und Arm unangenehme Zittereffekte bis hin zum Herausspringen der Nadel aus der Rille auftreten können. Nobel wirken die kleinen, blau durchstrahlten Drucktasten für die drei Geschwindigkeiten und "Off". Neben den üblichen 33,33 und 45 Umdrehungen stehen Schellackhörern auch 78 Touren zur Verfügung. Ein heute eher seltenes Feature. Der analoge Zauber des schmucken Clearaudio stellt sich unabhängig von der Drehzahl ein. Nach kurzer Einspielzeit, die wohl vor allem dem Tonabnehmer zugutekommt, entwickelt der Performance DC eine sonst eher von großen, ungleich teureren Drehern gewohnte Aura eines in sich geschlossenen, selbstvergessenen Spiels mit gewisser hypnotischer Ausstrahlung. Ob nun Madeleine Perreaux in "River Of Tears" melancholisch über Schicksalsschläge reflektiert oder ein bestens gelaunter Frank Sinatra im Hotel Sands zu Las Vegas musikalisch die Hütte in Brand steckt - immer erscheint die Musik mit der passenden Stimmung, im "richtigen Licht" und dabei rhythmisch feinfühlig sowie mit federnder Verve. Es fehlen Limitierungen und energetische Stauungen. Das ist Musik ohne Handbremse, die in ihrem Klangkosmos abgeschlossen scheint und darum umso mehr fesselt und fasziniert. Ob wir aus diesem Grund so viele Testtitel bis zum Ende durchgehört haben? Das passiert nur bei Top-Plattenspielern. Gehörigen Anteil an dieser Wirkung hat das Virtuoso V2, das in der Lage wäre, den "Mythos MM-Abtaster" als der musikalisch verbindlicheren Tonabnehmervariante wiederzubeleben. Denn es spielt so entschlackt, beweglich und abtastsicher wie erstklassige MC-Systeme, bewahrt dabei jedoch einen speziellen Charme, der zugegebenermaßen am Performance DC besonders gut zur Geltung kommt, wie Querchecks ergaben. Im Gespann stellt sich eine glaubhafte, weil untechnisch-glanzlose, aber puderfeine Darstellung edler Prägung ein, die von einem festen, wie mit spitzen Fingern geordneten Bass getragen wird. Da fühlt sich der Hörer wie auf Wolke Sieben, nämlich in die Sphären feinsinniger Klangästhetik aufgestiegen und gleichsam dem Alltäglichen enthoben. Und das Beste: Das Ticket dorthin kostet keinen astronomischen Preis..."

Fazit:

Ein Plattenspieler, den man seinem Freund empfiehlt. Der Performance DC lässt Vinylklang lebendig werden, tönt entschlackt, musikalisch und strukturiert. Eine besondere Empfehlung gilt dem zumal günstigen Paket mit dem MM-Abtaster Virtuoso V2.

Preis/Leistung: exzellent