Denon DL-103R bei LP im Test

Dieser Test bezieht sich auf folgende Produkte
Denon DL-103R

High End MC-Tonabnehmer


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LP

03/2006

Unter der Überschrift "Was lange währt..." finden wir in der LP 03/2006 einen sehr umfangreichen und liebevoll geschriebenen Bericht von LP-Test-Redakteur Thomas Schmidt, der eine klare Kaufempfehlung zum Resumé hat. Wir zitieren hier aus dem Artikel ...

"... wird endlich gut. Lange schon währt die einmalige Karriere des System-Urklassikers Denon DL-103R, das bereits in sein fünftes Lebensjahrzehnt geht. Eine lange Zeit mussten deutsche Analogfans auch auf die nationale Wiedereinführung der Variante DL-103R warten. Gut, dass die Zeit der nerven- und geldbeutelaufreibenden Eigenimporte vorbei ist.

Das Denon DL103 R ist das Letzte einer in langen Reihe von Denon-eigenen Derivaten, die in Analogkreisen längst zur Legende geworden sind und gebraucht zu aberwitzigen Preisen gehandelt werden, die nicht selten weit über dem ehemaligen Neupreis liegen. Wer übrigens hinter den unzähligen Buchstabenvarianten eine Systematik vermutet, sieht sich getäuscht - einige der Kürzel beziehen sich wohl auf technische Details, andere sind einfach frei gewählt.

Einige findige Entwickler nutzen die unbestrittenen Qualitäten des Standard-DL103 und geben dem System durch Verwendung neuer Materialien ein anderes Arbeitsumfeld (siehe Test der DL103-Umbauten in LP 02/2006). Mancher Tuner veredelt das Denon auch durch „Retipping" mit einer schärferen Nadel.

Nicht so das DL 103 R, auch bei dieser Version setzt der Hersteller auf die klassische Rundnadel. Die Edelvariante unterscheidet sich vom Standard-DL 103 durch die Verwendung von hochreinem 6N-Kupfer als Spulenmaterial und eine etwas geringere Wicklungsdichte, das heißt, die Windungen der Spulen liegen etwas weiter auseinander. Damit sinkt der Innenwiderstand auf 14 statt 40 Ohm, die Ausgangsspannung ist mit angegebenen 0,27 Millivolt auch etwas geringer als die des Basismodells. Mit dem etwas edler gehaltenen Korpus - schwarz lackiert mit goldenem Schriftzug - erschöpfen sich dann auch die mess- und sichtbaren Unterschiede zur Normalversion.

Bei der Montage auf dem Tonarm ergeben sich dann auch die DL103-üblichen Problemchen, das System ist mit 8,5 Gramm Masse oft zu leicht, um nach dem Ausbalancieren noch die geforderte Auflagekraft von immerhin 2,2 bis 2,8 Gramm zu erzielen. Oft ist eine Tonarmwaage der einzige Ausweg - und allemal eine Empfehlung, denn bei vielen Armen sind die integrierten Skalen mit dem Begriff "Schätzeisen" noch zu wohlwollend tituliert. Die Einstellung von Überhang und Kröpfung gerät dann wiederum zu einer der leichteren Übungen im Analogbereich, ein Hoch der klassisch-klobigen Klotzform des Denon-Veteranen!

Wir beginnen mit unserem Hörtest. Das Knistern liegt mehr in der Luft als in der Rille, da einerseits die Erwartungen groß, die Nebengeräusche andererseits sehr gering sind, einer der unbestrittenen Vorteile des runden Nadelschliffs. In Erwartung des vom DL 103 gewöhnten rustikalen Antritts spannt sich der Körper etwas an, um nach den ersten Takten erst einmal innere Entwarnung zu geben: Das DL 103 R ... wirkt ... um einiges ausgeglichener als die Urversion. Dies wird nicht durch Aufgabe der farbenprächtigen Mitten oder der wuchtigen Bässe erkauft, vielmehr ergänzt die R-Variante diese Spielfreude mit den passenden strahlenden Höhen und einer Detailfreude, die das alte 103 bei allen anerkannten Meriten so nicht bieten kann. Vielleicht ist auch dem DL 103 R nicht die allerfeinste Präzision zu eigen - allerdings wird der Griff in die Börse für ein feiner auflösendes System dann auch deutlich tiefer. Ob sich damit auch eine größere Spielfreude erkaufen lässt, ist äußerst fraglich.

Das DL103 R fühlt sich bei dynamikreicher Pop- und Rockmusik völlig in seinem Element und lässt es richtig krachen, hochwertige 45er-Umschnitte wie der in dieser Ausgabe rezensierte Richard-Thompson -Live-Mitschnitt springen geradezu aus den Boxen.

Selbst gestandene und ernsthafte Großorchesterwerke wie das Tripelkonzert oder die fünfte Symphonie Ludwig van Beethovens strahlen eine gewaltige Lebensfreude und Energie aus, die ich so vorher noch nicht gehört habe. Es enststeht dabei dennoch nicht der Eindruck, dass das System etwas dazuerfindet, das Denon erarbeitet dem Hörer nur Facetten, die so vorher noch nicht gehört wurden. Dabei muss das DL 103 R noch nicht einmal alles perfekt können. Ich habe schon tiefere Bässe und feiner aufgelöste Höhen gehört, vielleicht schon eine etwas exaktere räumliche Abbildung, aber eben noch nie eine so packende Wiedergabe wie die des Urahnen DL103, gepaart mit dieser derartig deutlich gesteigerten Ausgewogenheit und Strahlen in den Höhen. Ein ganz heißer Tipp für eine System-Neuanschaffung ab der gehobenen Einsteigerklasse bis hin zu deutlich höheren Ansprüchen!"

Fazit:

"Unterm Strich kann nur eine ganz klare Kaufempfehlung stehen, ... Das normale DL-103 bleibt der Preis-Leistungs-König, das DL-103R bietet zum etwa doppelten Preis die gleiche mitreißende Dynamik und kann zudem fast alles so viel besser, dass es in seinem Preisbereich wiederum einzigartig ist, was die Spielfreude angeht, sogar jenseits aller Klassen."