Denon DP-A100 bei AUDIO im Test

AUDIO

12/2010

Testauszug:

"...der Denon dreht seine Runden in völliger Verschwiegenheit und taucht Pausen auf gut gepressten Platten in genau die tiefschwarze, flüssig wirkende Stille, die man von einem Laufwerk dieser Klasse erwartet. Das enorme Drehmoment des Denon ermöglicht jaulfreie, punktgenaue Musikstarts wie im Studio. Dazu drückt man unmittelbar am Anfang des gewünschten Stücks "Stop". Der Teller bremst elektrisch und steht praktisch augenblicklich. Dann dreht man manuell bis etwa eine Viertel Umdrehung vor den ersten Ton zurück. Mehr Anlauf braucht der DP-A 100 nicht. Ein Druck auf Start, und Sekunden bruchteile später steht der erste Drum-Kick, Piano-Anschlag oder Gitarrenakkord felsenfest zwischen den Boxen. Neben Partylöwen werden sich aber auch ganz normale Benutzer über das phantastisch gute Handling des DP-A100 freuen: Die dicke Gummimatte, die den äußersten Plattenrand griffgünstig freihält, sichert auch nach ein paar Gläsern Wein noch hakelfreie Plattenwechsel, der altmodisch geschwungene Zehnzoll-Arm lässt sich wunderbar präzise positionieren und dank eines hervorragenden Lifts auch zielgenau absenken. Ein verriegelbarer, skalierter Drehring erlaubt eine Höhenverstellung des Arms - etwas Vorsicht vorausgesetzt - sogar im laufenden Betrieb. Der Arm wirkt optisch etwas halbstark, ist den meisten Disco-Verwandten (Ausnahme: Technics) aber mechanisch überlegen: Seine Lager laufen weicher und völlig spielfrei, unschwer zu erkennen etwa beim Ausbalancieren vor dem Einstellen der Auflagekraft. Obwohl der Denon als Komplettspieler mit System verkauft wird (und AUDIO ihn auch als solchen einstuft), ist für die Inbetriebnahme etwas mehr Engagement erforderlich als bei Plug-and-Play-Paketen wie dem Clearaudio Concept oder dem Thorens 309: Das System ist in der Originalschachtel beigepackt und muss erst mal montiert werden. Etwas anderes wäre für so einen edlen Tonabnehmer auch respektlos gewesen: Das DL-A 100 ist eine Replika des Ur-Produktionsmusters des legendären DL103 und muss folglich mindestens mit "Eure Eminenz" angesprochen werden. Wie sein Urahn, den Denon in den 60er Jahren Technikern des Japanischen Radios NHK vorlegte, besitzt "Seine Eminenz" einen transparenten Kunststoffkorpus. Ob es dessen mechanische Eigenschaften sind (merklich härter als das schwarze Standardgehäuse) oder eventuell noch geringere Toleranzen in der Fertigung - das DL-A 100 klingt trotz identischer Spezifikationen deutlich klarer und dynamischer als das normale DL103. Andererseits löst es nicht so fein auf wie das modernere DL-103R, sondern hält sich eher an die sonore, unaufgeregte Abstimmung des Klassikers. Es bietet also eine weitere, willkommene Variante und lohnt die 250 Euro Aufpreis gegenüber dem Basis-103 nicht nur für Sammler. Der Einbau des Systems geht denkbar einfach von der Hand: Die massive, gefräste Denon-Headshell lässt sich abnehmen und bietet reichlich Platz für das wuchtige System. Nach Bedienungsanleitung baut man es kerzengerade ein und lässt es an der Vorderkante des Tonkopfs etwa einen Millimeter überstehen. Schrauben festziehen - fertig. Nicht zuletzt wegen des wirklich gut sitzenden Nadelschutzes ist die Montage auch für Nicht-Routiniers mit etwas Ruhe problem- und gefahrlos möglich. Über System-Alternativen muss man zunächst nicht nachdenken. Denn für Plattenspieler gilt in verschärftem Maße das, was auch auf HiFi-Anlagen als Ganzes zutrifft: Entscheidend ist nicht die absolute Qualität der einzelnen Komponenten, sondern in erster Linie deren perfektes Zusammenspiel. So ist der feinste Tonabnehmer am edelsten Arm wertlos, wenn die beiden mechanisch nicht zusammenpassen. Beim Denon sehen und hören wir den Umkehrschluss: Der Arm des DP-A 100 ist ein eher rustikales Produkt, mit altmodischer Geometrie, verwindungsfreudigem Schraubverschluss zwischen Headshell und Rohr sowie üppiger Massenträgheit (22,5 Gramm effektiv!). Nichts also, was High-End-Modernisten in Erregung versetzt. Dafür aber offenbar das ideale Arbeitsumfeld für das DL103 - pardon, das DL-A 100. Selten hat der Autor ein System der 103er-Familie so gut gehört. Der Spieler schien sich besonders über ältere Aufnahmen zu freuen. Über Oscar Peterson etwa. Dessen 1974er-Platte "Oscar Peterson & Harry Edison" (Pablo Records) hat eines jener wunderbar nostalgischen, Sepia-getönten Schwarzweiß-Cover, zusätzlich patiniert durch die Jahrzehnte ungenutzten Aufenthalts im Plattenregal des Autors. Seit ihrer Wiederentdeckung läuft sie nun häufig - weil unter dem altmodischen Jazzmantel ein vor zeitlosem Esprit sprühender, zugleich aufs Wesentliche reduzierter Dialog zweier brillanter Musiker steckt. Und nicht zuletzt, weil die Scheibe für Plattenspieler jeglicher Güteklasse ein harter Ritt ist: Im Los Angeles der 70er Jahre hatte niemand Interesse an Dynamik-Kompression. Von feingliedrigen Intros bis zum machtvollen Aufwallen des großen Flügels ist hier ein Energie-Mix in elektrischen Strom rückzuwandeln, wie er auf neueren Platten nur selten existiert. Von Harry Edisons schneidigen Trompeten-Einsätzen ganz zu schweigen. Der Denon ließ sich durch die schwierige Kost nicht im Geringsten einschüchtern. Wer glaubt, dass nur multiradiale Hightech-Nadelschliffe ein Piano sauber wiedergeben, hat den konischen Abtaststift des DL-A 100 noch nicht in Aktion erlebt. Klar geht ganz oben noch mehr Auflösung, aber braucht man die wirklich? Für die alte Pablo-Scheibe und ihre zahllosen Verwandten aus der großen Vinyl-Ära hieß die Antwort "nein". Im Gegenteil: Beim Hören stellt sich von Seite zu Seite mehr das Gefühl ein, dass die alten Schätze genau so und nicht anders klingen müssen: mühelos, griffig, direkt und - Verzeihung - ganzheitlich. Patina hat dann nur noch das Cover, die Musik wirkt einfach glaubhaft. Viel mehr kann man von einem 2500-Euro-Komplettspieler eigentlich nicht verlangen..."

Bewertung:

+ knackig-direkter, dennoch sehr harmonischer Klang
+ gutes Handling
- Gleichlauf messtechnisch nicht perfekt

Fazit:

Mit dem Rückgriff auf ein eher modernes Konzept hat sich Denon zum Jubiläum einen Spieler geschenkt, der technisch zwar keine Sensationen bietet, aber durch perfektes Handling, technische Harmonie und absolut stimmigen Klang überzeugt.

Preis/Leistung: überragend