Onkyo TX-NR708 bei VIDEO im Test

VIDEO (bis 11/08)
Onkyo TX-NR708

9/2010

Testauszug:

"...im Hörtest regierte von der ersten Sekunde an auffällige Spritzigkeit. Der Onkyo klang äußerst knackig und ließ eindrucksvoll die Muskeln spielen. So groß wie der deutliche Preissprung zum TX-SR608, der in der Markenhierarchie darunter liegt, fiel auch der Unterschied in puncto Performance aus. Der TX-SR708 verlieh Stimmen und Instrumenten eine unmittelbare physische Präsenz, die man von Live-Konzerten kennt. Elvis Costello und das Metropole Orkest spielten vom Album "My Flame Burns Blue" wie entfesselt los. Der Sänger schmetterte sein "Almost Ideal Eyes" in den Raum, und die Bläser wirkten sehr explosiv. Das Beste am akustischen Fingerabdruck des Receivers: Er erzeugte eine riesige Bühne und nagelte Phantomschallquellen an ihrem Platz fest. Die Transparenz hätte in dieser Klasse besser nicht sein können. Selbst in komplexen Passagen, wenn etwa in "Clubland" das Orchester voll loslegt, fransten die Instrumentenkonturen nicht aus. Die erzeugte Bühne war das Beste, was man in dieser Preisregion mit zwei Boxen aufbauen kann, und reichte scheinbar besonders weit nach oben bis fast unter die Decke. Der Bass erwies sich als extrem trocken und ging sehr tief hinab..."

"...im Surround-Durchgang ließ der Onkyo den bereits in Stereo sehr großen Raum noch größer wirken, auch die Plastizität nahm zu. Extrem differenziert und präzise zeichnete er von der DVD das Live-Konzert von Peter Cincotti ("Live in New York") nach. Mühelos ließ sich im aufgeräumten akustischen Panorama jedes einzelne Instrument herausgreifen und nachverfolgen. Die Blas-, vor allem die Blechblas-Instrumente, offenbarten mit dem Onkyo eine ungestüme Spielfreude und Offenheit. Der gezupfte Bass blieb jederzeit klar und konturiert, die Saiten wirkten besonders fest gespannt. Bei der Stimmwiedergabe bewegte sich der THX-Receiver auf einem schmalen Grat zwischen leichter Kühle und perfekter Auflösung und Direktheit. Wenn alles stimmt wie mit der Nautilus 800, dann vermittelt der Onkyo eine sehr authentische Live-Atmosphäre, wie man sie im Receiver-Bereich nur selten zu hören bekommt. Diese Eindruck ließ sich noch steigern, wenn man statt DVD-Ton über S/PDIF auf HD-Ton von der Blu-ray Disc via HDMI wechselte. Die Musiker Jane Monhaupt und John Pizzarelli schienen von einer Demo-Blu-ray in Lebensgröße vor einem zu stehen. Die Stimme und der gezupfte Kontrabass wurden mit schonungsloser Klarheit und Präzision wiedergegeben. Der Dynamikumfang überzeugte nicht nur vollständig, er trug sogar die ganze Vorstellung des Onkyo-Receivers. Der TX-SR708 begeistert durch seine immense Lebendigkeit und sein minutiöses Timing. Diese Stärken verliehen dem Live-Auftritt der drei Jazz-Giganten Lee Ritenour, Marcus Miller und George Duke etwas Magisches. Der extrem harte und präzise angerissene E-Bass, der den markanten Stil von Miller prägt, erschien in der Onkyo-Interpretation des Titels "Panther" sensationell. Mit Worten lassen sich die Gänsehaut und der Kick kaum beschreiben, den diese geradezu brachiale Attacke und Präzision hervorrief. Offen, schnell, stark, diese Attribute passen am ehesten dazu - und natürlich staubtrocken. Dazu rollte der tieffrequente Synthie-Sound von George Duke durch den Hörraum, den man teilweise eher spürte als hörte. Und dann noch alles in voller Größe mit greifbaren Konturen und realistischem Raum..."

"...eine starke Vorstellung, die mehr unter die Haut geht als die vieler Mitbewerber. Klar, dass dieser wendige Dynamiker Action-Filme von Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Sylvester Stallone zu einem packenden Naturereignis macht..."

Fazit:

Es gibt Receiver, die mit nur halb so viel Impulspräzision, Auflösung und Dynamikreserven die Zuhörer durch malerische Klangfarben und anheimelnde Atmosphäre verzaubern. Der Onkyo macht alles mit Kraft und Kontrolle. Um ihn zu goutieren, sollte man sehr gute, extrem neutrale Lautsprecher besitzen und richtig aufdrehen können. Wem es genügt, mit Kerzenlicht auf Flüsterlautstärke zarte Balladen zu hören, der kann sich den Onkyo im Grunde schenken, denn Netzwerk-Fähigkeit gibt es inzwischen auch schon günstiger, und was Onkyo in der 500-Euro-Klasse mittlerweile an HDMI-Anschlüssen bietet, reicht ebenfalls in den meisten Anwendungen aus. Für Audio-Romantiker, die Direktheit mit Stress gleichsetzen, ist er jedenfalls nicht gedacht. Aber wer Drive und live liebt, der dürfte für 900 Euro derzeit kaum etwas Besseres finden. Auch wenn Adrenalin nicht in der endlosen Ausstattungsliste steht - hier fließt es in Strömen.

Gesamturteil: gut

Preis/Leistung: sehr gut