Thorens TD 240-2 bei HOMEVISION im Test

Dieser Test bezieht sich auf folgende Produkte
Thorens TD 240-2

Plattenspieler mit 3 Geschwindigkeiten, ideal für Schellackplatten mit neuen Tonarm TP 19-1


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HOMEVISION (bis 4/08)

7/2005

Testauszug:

"...der Klang eines solchen Laufwerks hängt zu einem guten Teil am Tonabnehmersystem. Serienmäßig wird hier beim TP-21-Tonarm ein Audio Technica AT 95 E verbaut. Sicher ein brauchbares und gutes System. Vor allem in Anbetracht des günstigen Preises des Plattenspielers. Wir entschieden uns beim Test noch zusätzlich für ein Benz MC Gold, um den Klang des TD 240 korrekt ausloten zu können. Benz - nebenbei - steht seit Jahren für hoch präzise und handwerklich avancierte Tonabnehmersysteme, die Enthusiasten ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern und Fachleute ob ihrer bewundernswert präzisen und vollen Wiedergabe beeindrucken. Zuerst einmal zu den technischen Werten: Eine Überprüfung des Gleichlaufs geschah mit Hilfe eines Testtons von Platte, der digital aufgenommen und anschließend mit einem Rechner auf Ungleichmäßigkeiten überprüft wurde. Das geschah über einen Zeitraum von jeweils mehreren Minuten und mehreren Testfrequenzen von 1.000 Hertz aufwärts. Was zu erwarten war: Die Frequenz des Testtons stand wie festgenagelt. Die Kurven ließen keine Unregelmäßigkeiten erkennen. Auch da nicht, wo es für die menschlichen Ohren schon wieder etwas erträglicher wäre, geringe Unzulänglichkeiten hinzunehmen, bei den höheren Frequenzen. Das Thema Gleichlauf scheint also lediglich ein Relikt aus früheren Zeiten zu sein, ein nostalgisches Schreckgespenst. Das aber muss letztlich ein Randaspekt bleiben bei der Beurteilung eines Laufwerks, das Fundament sozusagen, denn Gleichlauf macht keine Musik - er verhindert sie höchstens. Kaum eine Rolle scheint es da zu spielen, dass der Plattenteller wesentlich leichter ist, als man das von den zeitgenössischen Playern so erwartet. Denn das Bewegungsmoment, das die schweren Teller in ihren Gleichlaufbemühungen unterstützt, wird hier ersetzt durch eine hoch präzise Regelelektronik. Mit dem AT 95 E spielte der Thorens kompetent, durchsichtig und sehr leicht und musikalisch. Kein Wunder, denn das System gilt trotz seines günstigen Einstandspreises als echte Empfehlung. Speziell gute Pressungen wie etwa Tilson Thomas' Aufnahme der zweiten Ives-Symphonie kamen sachlich aber mit der nötigen Attacke bei den lauten Blechpassagen, die bei dieser Symphonie einen guten Teil des Reizes ausmachen. Ebenso schön und neutral eine Aufnahme, die der Autor dieser Zeilen von der Einspielung bis zur Abmischung kennt: Al Jones: "Hot ,n' Heavy". Hier fehlte nichts, was die Pressung seinerzeit ausmachte: die knackige Gitarre, das dumpfe Wummern der Hammond-Orgel und die knappen, scharfen Bläsersätze. Eine erstaunliche Annäherung an das, was die Musiker seinerzeit wirklich auf der Platte haben wollten und was tatsächlich im Studio abgemischt worden ist. Kein Grund also, das Abnehmersystem mutwillig auszutauschen - möchte man meinen. Mit dem Benz allerdings kamen ganz andere Werte zum Vorschein. Selbst üble Pressungen (Dexter Gordon - "Sophisticated Giant") klangen wie frisch poliert, und das Klanggestrüpp auf der Platte wurde zusehends durchsichtiger. Gerade diese Aufnahme ist gewissermaßen legendär. Nicht wegen des guten Klangs freilich, denn CBS hatte dem frisch in die USA zurückgekehrten Gordon eine Abmischung verpasst, die in ihrer Matschigkeit kaum zu überbieten ist. Das klingt nach einer großen Kirche, in deren Mitte eine Band steht. So wenig klar zu sehen wie zu hören. Aber gerade hier lässt die Plattenspieler/Abnehmer-Kombi erkennen, wie viel Musik wirklich hinter all dem künstlichen Sound steht. Speziell mit Kopfhörer offenbarten sich Nuancen in den Instrumentalklängen, die nicht einmal der unterirdische Toningenieur erfolgreich hatte unterdrücken können. Nun mag es zwar ein wenig merkwürdig sein, ausgerechnet an einer dezidiert schlechten Pressung die Güte eines Systems festmachen zu wollen. Aber: Bei gutem Ausgangsmaterial kann jeder gut klingen. Bei feinen Pressungen allerdings entfaltete der TD 240 jetzt eine wirkliche Klangpracht, eine satte Fülle an Tönen, die auch einem größeren Laufwerk gut anstünden. Ravels diffizile "Valses nobles et sentimentales" wirkten plastisch bis ins Detail. Spötter sagen immer wieder, dass sich der Großteil dieser Walzer eher unterhalb der Hörbarkeitsschwelle abspielen würde. Richtig: Man muss genau hinhören - aber der Thorens macht es einem leicht, die ganze glitzernde Pracht, die beißende Ironie und die ganzen kleinen und doch so wichtigen Einfälle Ravels herauszuhören. Noch ein weiteres Beispiel: Die Pianissimi aus der Levine-Einspielung von Holsts "The Planets" waren strukturiert und ließen selbst hier noch die Tiefe des Orchesters erahnen. Dabei sind weite Teile des spätromantischen Werks extrem leise, extrem flächig und extrem diffizil im Zusammenklang. Wenn auch sehr effektvoll. Das aber nur dann, wenn man auch wirklich hört, was geschieht. Aber hier ließ uns der Thorens keinen Moment im Unklaren, denn zur bereits erwähnten strukturellen Sauberkeit kam auch noch eine Klangpracht bei diesen leisen Passagen, wie sie für einen Player dieser Preisklasse richtiggehend bewundernswert ist. Ein weiteres Beispiel aus einem ganz anderen Genre. Aufnahmen von Leo Kottke waren auf Platte immer eine Herausforderung, weil der Klang der Gitarre an der letzten Stufe zum Attribut "blechern" steht. Ob das jetzt von der Aufnahme, von Leo Kottke selbst oder vom Plattenspieler kommt, hätte man seinerzeit nicht wirklich entscheiden wollen. Neue Erkenntnis: Weder Gitarre noch Plattenspieler sind daran schuld, denn sowohl mit dem Benz-System als auch mit dem Audio-Technica wich das blecherne Klingeln einer Sonorität, die zum allerersten Mal die Vermutung aufkeimen ließ, dass der Musiker so etwas wie eine echte Gitarre gespielt haben könnte. So lassen sich Vorurteile auflösen. So viel zum Thema Abnehmersystem. Noch einmal: Mit dem Audio-Technica kann man gut leben. Und zuerst einmal kann man damit auch gut hören. Irgendwann im Leben eines jeden Tonabnehmersystems freilich kommt der Moment, wo die Nadel nur noch ein Fall für die Tonne ist. Dann sollte man vielleicht nicht nur über eine Ersatznadel nachdenken, sondern die Option eines ganz neuen Systems ins Auge fassen. Ein Benz möglicherweise?..."

Bewertung:

+ schönes Finish; sehr guter Klang
- Standard-Abnehmersystem verbesserbar

Fazit:

Der Thorens TD 240 macht die Entscheidung leicht: Für 550 Euro einen Plattenspieler mit schönem Finish und sehr gutem Klang zu finden ist nicht so einfach. Für 550 Euro einen guten Plattenspieler mit Klavierlack-Finish zu erstehen ist allerdings noch schwieriger. Zwar ist der TD 240 nicht das ideale Gerät für die absoluten Enthusiasten. Diese werden weiterhin nach dem perfekten Masselaufwerk suchen. Aber sein Bedienkomfort stempelt den Thorens als problemlosen Player für alle, die gerne ihre Platten hören - und nicht ihrem Plattenspieler beim Laufen zusehen wollen. Auch dann nicht, wenn der im Stand schon eine Augenweide ist.

Gesamturteil: sehr gut