Vincent SP-995 bei STEREO im Test

Dieser Test bezieht sich auf folgende Produkte
Vincent SP-995

Mono Endstufe


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STEREO

1/2008

Testauszug:

"...die 995 musizieren kristallklar, extrem offen und zeichnen eine große, plastisch und sehr greifbar wirkende Bühne in den Hörraum. Natürlich schlummern auch in ihrer Schaltung angemessene Kraftreserven. Die nutzen sie aber nur selten zum Entfesseln von Urgewalten..."

"...ihre Abbildung ist ungemein groß und hat eine geradezu sphärische Note. So verliert sich das gepfiffene, von weichen Streichern umsäumte Intro zu Goldfrapps "Lovely Head" scheinbar in der Unendlichkeit. Dass die Größenbezüge dennoch stimmen und hier kein übersteigerter Effekt vorliegt, bemerkt man spätestens, wenn die Sängerin wie gemeißelt in der Mitte des Raumes erscheint und mit laszivem Gesang für den knochentrockenen Kontrast zum schwebenden Hintergrund sorgt. Solch berauschende Erlebnisse sind sicher zu einem guten Stück der unglaublichen Auflösung dieser Monos zu verdanken. Unsere Messungen belegen, dass bei 110 Kilohertz noch kein Ende in Sicht ist. Und noch besser als das: Die Abweichungen im Frequenzgang sind selbst so weit oben noch verblüffend gering. Die Stimme der Sängerin wirkt aber nicht nur plastisch, sondern hat auch ein angenehm natürliches und sonores Timbre. Das gilt selbstredend auch für die akustische Untermalung. Da die Balance der Vincents sehr ausgewogen und linear abgestimmt wurde, fällt auch kaum auf, dass es der Produzent von "Felt Mountain ", so der Name des Goldfrapp-Albums, teilweise etwas zu gut mit seinem Minimoog meinte. Der Bass wirkt stellenweise brutal fett. Dennoch klingt er über die Vincents betont kernig und hat bissige Attacken. Die vorzügliche Abbildungstreue bleibt auch dann erhalten, wenn es klanglich komplexer wird und etwa ein ganzes Orchester in die Vollen geht. Die Instrumente bleiben differenzierbar und verharren felsenfest an ihrer Position im Panorama. Von Klangbrei konnte auch bei solchen Extremen nie die Rede sein - zumindest nicht bei guten Aufnahmen. Und damit kommen wir zu unserem Lieblingsproblem: Die sind nämlich verdammt selten. Vor allem im gängigen Pop- Umfeld findet sich wenig Erträgliches. Hören Sie sich einen Hammer-Song wie "Shut Your Eyes" von Snow Patrol einfach mal auf einer hoch auflösenden, linear abgestimmten Anlage an. Oder "Dani California" von den Red Hot Chili Peppers. Das geht alles irgendwie, schon klar, richtig gut klingt aber anders. Abhilfe schafft der AB-Switch. Mit niedrigem Ruhestrom klingen die Monos etwas dunkler. Sie ziehen den Auflösungs-Vorhang weiter zu und engen die Abbildung spürbar ein. Dafür tritt das Fundament stärker in Erscheinung, die tonale Balance wandert nach unten und alles wirkt etwas weicher und runder. So klingen dann auch Pop und Rock angenehm voll und konsumierbar. Aber nicht nur das. Je nach Lautsprecher- oder Player-Kombination erhält man eine interessante Anpassungsmöglichkeit. Die 995 ähneln den 998 in diesem Modus zudem stärker, die ebenfalls durch ein strammeres Fundament und leicht geglättete Höhen glänzen. Die großen Geschwister kommen nicht an die enorme Auflösung und Feinzeichnung der neuen Monos heran, während die hinter der überirdischen Dynamik der großen Modelle zurückbleiben. Die Neuen sind anders, soviel ist mal klar. Sie entlarven sich aber trotzdem durch ihren hohen Spaß- und Suchtfaktor, den sie wie all ihre Geschwister vermitteln. Vincent bleibt eben doch Vincent..."

Fazit:

Beschreitet der Hersteller etwa neue Wege? Die Vincent-Monos spielen betont straff und durchsichtig, bilden damit einen spürbaren Kontrast zum eher grobmotorischen Anmachfaktor ihrer Geschwister. Vor allem der ClassA-Modus arbeitet viele Nuancen und Details heraus und kann selbst komplexe Instrumentierungen noch differenziert und gestochen scharf im Panorama verteilen. Natürlich - wir haben es ja schließlich mit Vincents zu tun - kann man trotzdem nicht über einen Mangel an Kraft und Fundament klagen. Zusätzlich sorgt der Umschalter zum AB-Betrieb für klangliche Vielfalt.

Preis/Leistung: überragend