Das leisten moderne AV-Receiver

Autor: Carsten Rampacher, AREADVD, exklusiv für HIFI-REGLER, 23.12.2014

Dieses Special erschien erstmals im März 2010 und wurde im Dezember 2014 auf den aktuellen Stand gebracht.

Moderne AV-Receiver und AV-Verstärker verfügen über eine Vielzahl interessanter Ausstattungsmerkmale, deren Sinn sich dem weniger versierten Anwender aber nicht sofort erschließt. In diesem Info-Special geben wir einen Überblick über den praktische Nutzen verschiedener Ausstattungsmerkmale, alphabetisch sortiert.
 

Klangprogramme (DSP Digital Sound Programme)

Onkyo TX-NR 3030

Der Onkyo TX-NR3030 ist ein enorm leistungsfähiger AV-Receiver mit Dolby Atmos.

Derzeit ist der Kauf eines neuen AV-Receivers besonders interessant. Noch vor kurzem galt eine Bestückung mit Decodern für die HD-Tonformate Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio/DTS-HD High Definition als zeitgemäß, doch die Dolby Laboratories haben nun wieder tief in die technische Trickkiste gegriffen und hat das Referenz-Tonformat im Kino, Dolby Atmos, fürs Heimkino „salonfähig“ gemacht und entsprechend adaptiert. In unseren Atmos-Specials Fakten zu Dolby Atmos und Dolby Atmos FAQ finden Sie alles über Atmos. Die wichtigsten Merkmale haben wir selbstverständlich auch hier zusammengetragen.

So ist Aufgabe von Atmos, den Traum eines ganzheitlichen Hörerlebnisses zu verwirklichen. Aus diesem Grunde wurde eine weitere Surround-Dimension oberhalb der Köpfe der Zuhörer eingeführt. Systeme wie DTS Neo:x , Dolby ProLogic IIz oder Audyssey DSX sowie Yamaha mit den „Front Presence“ Lautsprechern“ gibt es schon länger.

Dolby Atmos Speaker

Dolby Atmos Aufsetzlautsprecher

Allerdings unterscheidet sich deren Arbeitsweise fundamental von Atmos: Bei allen zuvor aufgeführten Systemen arbeitet eine sogenannte Matrixschaltung, die aus bereits bestehenden Signalanteilen, kurz gesprochen, Signale für die oberhalb der Frontlautsprecher montierten Effekt-Lautsprecher generiert. Bei Atmos hingegen ist bereits die Basis des Codecs völlig anders. Erstmalig geht Dolby weg vom bisherigen rein kanalbasierten Tonformat.

Atmos nutzt als Basis ein sogenanntes „Bed“, das aus kanalbasierten Elementen besteht. Darüber hinaus allerdings werden sogenannte „Klangobjekte“ eingesetzt, die gezielt einem einzelnen Lautsprecher zugewiesen werden können – im Kino bis zu 64 Lautsprechern. Somit sind Effekte noch viel besser zu lokalisieren. Es gibt drei Arten von Atmos-Lautsprechern: Entweder werden auf die bisherigen Frontlautsprecher spezielle Module gestellt, die im genau definierten Winkel zur Decke abstrahlen, oder man ersteht direkt neue Boxen mit integriertem Atmos-Modul. Dritte Variante ist die Installation von Deckenlautsprechern.

Zusätzlich zu den Standarddecodern von Dolby und DTS greifen verschiedene DSP-Programme ins akustische Geschehen ein. Das berühmteste DSP ist mit Abstand Post Processings versucht, das volle Klangspektrum des Kinosoundtracks auf die anderen Bedingungen im Heimkino anzupassen (Filmmodus). Des Weiteren offeriert THX ein Musik- und ein Game-Programm.

Dolby Atmos Prozessoren

Im hinteren Bereich oben rechts auf der Platine. Die beiden Chips mit dem blauen Punkt, das sind die Atmos-Prozessoren im Onkyo TX-NR 3030.

Die einfachste Atmos-Konfiguration nennt sich 5.1.2. Hierbei kommt ein normales 5.1 Set mit zwei zusätzlichen Atmos-Lautsprechern zum Einsatz. Weiter geht 5.1.4 – hier finden sich vier Atmos Lautsprecher. Natürlich kann man auch mehrere aktive Subwoofer einsetzen, und, wenn man einen AV-Receiver mit elf Endstufen hat wie den Onkyo TX-NR3030, dann kann man sogar z.B. 7.4.4 fahren: Siebenkanal-Surround-System plus vier Subwoofer (der Onkyo hat gleich vier Pre-Outs) und vier Atmos-Lautsprecher.

Man braucht noch nicht einmal eine zusätzliche Endstufe. Ab HDMI-Version 1.4 können entsprechend kompatible Blu-ray-Player das Atmos-Signal zum AV-Receiver weiterleiten. Dieser benötigt zwingend einen Atmos-Decoder. Von Pioneer, Yamaha, Denon und Marantz gibt es selektierte Top-Modelle mit Dolby Atmos-Decoder, bei Onkyo findet sich nach entsprechendem Update der Firmware schon ab dem Mittelklasse-Modell TX-NR636 an Bord.

Der AV-Receiver Auriga

Auro Auriga – High-End AV-Receiver mit Auro-3D Decodern

Konkurrenz bekommt Dolby Atmos von Auro-3D, entwickelt von den belgischen Galaxy Studios. Sinn und Zweck ist auch bei diesem Tonformat, eine weitere Hördimension oberhalb der Zuhörer zu schaffen. Ebenso wie Atmos ist auch Auro-3D in der Lage, mit kanalbasierten Inhalten und mit Audio-Objekten zu arbeiten.

Bei Auro-3D liegt der Schwerpunkt allerdings auf kanalbasierten Inhalten, bei Atmos auf objektbasierten Anteilen. Bei Auro-3D werden Lautsprecher von der Größe von Regalboxen oberhalb von Front. Und Rear-Lautsprechern montiert, also eine 9.1-Konfiguration. Oberhalb des Auditoriums kann unter der Decke ein weiterer Lautsprecher installiert werden – dieser hört auf den Namen „Voice Of God“.

Seit kurzem gibt es für selektierte AV-Receiver von Marantz und Denon sowie für die AV7702 Vorstufe von Marantz ein kostenpflichtiges Software-Upgrade auf Auro-3D. Des Weiteren hat Auro selber ein semiprofessionelles Modell im Programm – den Auriga. Das Decodersortiment von Auro-3D umfasst auch einen Aufpolierer, der z.B. Stereosignale auf Auro-3D hochrechnet (Auro-matic).

Es finden sich von DTS, Dolby und Audessey weitere Algorithmen, die verschiedene Aufgaben übernehmen. So gibt es Dolby Pro Logic II (ProLogic IIz) sowie DTS Neo:6/DTS Neo:x und Audyssey DSX– diese Programme rechnen zum Beispiel Stereo-Material auf Surround hoch, bringen matrixbasierte Front Heigh-Lautsprecher ins Spiel oder aber (Dolby Pro Logic IIx) machen aus 5.1-Signalen 7.1. Signale.

Dolby Pro Logic IIz öffnet sich für System bis zu 9.1 oder 9.2. Zusätzlich zu einem bestehenden 7.1/7.2 System werden oberhalb der Frontlautsprecher 2 weitere Effektlautsprecher (Front High) aufgebaut, so dass man noch mehr Spektakel und Effektfreude bei der Frontklangkulisse genießen kann. In der Praxis hält sich der Nutzen von ProLogic IIz aber in Grenzen. Zwar findet kaum ein Präzisionsverlust statt, dafür aber greift PLIIz so subtil ein, dass man oft gar nichts bemerkt.

Anders beim Konkurrenzverfahren Audyssey DSX. Dieses System ist aber NUR in AVVs/AVRs eingebaut, die auch über ein Audyssey Lautsprechereinmesssystem verfügen. DSX bringt ebenfalls die Möglichkeit mit, Front High Lautsprecher anzuschließen. Hier ist der Effekte einer höheren, umfassenderen Klangbühne deutlich besser festzustellen. DSX offeriert aber auch die Möglichkeit, ergänzend zu Front High oder aber ausschließlich noch 2 "Front Wide" Lautsprecher zu verwenden, welche - was in breiten Hörräumen durchaus von Nutzen sein kann - außerhalb der linken und rechten Frontbox für ein besonders weites Klangbild aufgestellt werden.

Pioneer und Yamaha setzen auf "hausgemachtes" und bieten ein ähnliches System, das in-house entwickelt wurde, ebenfalls an. Um PLIIz oder DSX vollständig nutzen zu können, also in Verbindung mit Surround Back, sind 9 Endstufen erforderlich. Verzeinzelt in den mittleren und häufig bei höheren Preisklassen gehören 9 Endstufen mittlerweile durchaus zum Standard. Selten finden sich sogar AV-Receiver mit 11 Endstufen.

Bei 7-Kanalgeräten hat man dann entweder die Möglichkeit, Front High einzusetzen, oder aber Surround Back. Möchte man beides parallel verwenden, muss - meist für Front High - eine weitere Zweikanalendstufe über entsprechende Vorverstärkerausgänge angeschlossen werden. Die Zuweisung, ob Endstufe 6 und 7 für Front High oder Surround Back verwendet werden soll, wird meist im OSDvorgenommen (in den Lautsprechereinstellungen). "Front High" ist im Übrigen alles andere als neu:

Yamaha DSP-App für den RX-A1040

Yamaha offeriert - hier beim Yamaha RX-A1040 - sehr leistungsfähige DSPs. Diese kann man sogar auf der App aus steuern

Schon vor Jahren führte Yamaha diese Funktion als "Front Presence" Lautsprecher ein - und auch heute noch sorgt diese Funktion bei den Yamaha-Spitzenmodellen für 360 Grad Kinofeeling in den eigenen vier Wänden.

Zusätzlich zu Decodern von Dolby, Audyssey, Auro und DTS greifen verschiedene DSP-Programme ins akustische Geschehen ein. Das einst mal berühmteste DSP war Post Processings versucht, das volle Klangspektrum des Kinosoundtracks auf die anderen Bedingungen im Heimkino anzupassen (Filmmodus). Des Weiteren offeriert THX ein Musik- und ein Game-Programm. Mittlerweile ist die Bedeutung von THX auf dem Weltmarkt und auch hier in Deutschland dramatisch gesunken.


Yamaha ist, was DSP-Technik angeht, überhaupt unangefochten Leader, denn jeder Yamaha AVV oder AVR verfügt über eine Vielzahl zusätzlicher DSP-Programme, die von Yamaha selbst entwickelt werden und für 2.0 bis 7.1 Quellen verwendet werden können. Yamaha misst real existierende Lokalitäten und setzt die ermittelten Werte in aufwändig konzipierten DSPs um. Kirchen, Konzerthallen oder Referenz-Multiplexkinosäle werden so akustisch ins heimische Wohnzimmer transportiert.

Mittlerweile sind - aufgrund immens gestiegener Rechenleistungen in den eingebauten DSP-Chips - die Programme extrem gut geworden und sind zum großen Teil sogar für die Nachbearbeitung der aktuellen HD-Tonformate wie ® TrueHD im Lexikon">Dolby TrueHD oder DTS-HD Master Audio  bzw. für Dolby Atmos und Auro-3D zu verwenden. Andere Hersteller offerieren ebenfalls DSP-Programme, die auf klangvolle Namen wie Orchestra, Stadium oder Church hören. Nicht immer allerdings werden hohe Anforderungen aus akustischer Sicht erfüllt – wobei die Qualität in den letzten Jahren hörbar zugenommen hat.

Die vielseitigen Funktionen des HDMI-Standards

Onkyo TX-NR 737 Rüclseite mit HDMI Anschlüssen

HDMI-2.0-Anschlüsse sind aktuell in allen Preisklassen Standard (im Bild: Onkyo TX-NR737)

HDMI 2.0-Standard (Vorgänger-Version: HDMI 1.4a) kommen weitere sehr interessante Möglichkeiten zur Nutzung des HDMI-Terminals ins Spiel, denn nun kann man 4K-Signale nicht nur mit 30, sondern auch mit 50 und 60 Hz durchschleusen. Selbst Modelle der Einstiegsklassen sind mittlerweile allesamt mit HDMI-2.0-Terminals bestückt. Auch die Anzahl der HDMI-Slots hat in den letzten Jahren stark zugenommen, so kommen heute in Modellen der Mittelklasse bereits bis zu 9 Eingänge und 2 Ausgänge zum Einsatz. Höherpreisige AV-Receiver haben teilweise sogar drei HDMI-Ausgänge, von denen man auch einen einer weiteren Hörzone zuweisen kann.
 

HDMI und seine Netzwerkfunktionalitäten

Schon zu den Features von HDMI 1.4 gehört eine Netzwerkfunktionalität mittels HDMI-Kabel (HDMI Ethernet Channel). Damit trägt die HDMI-Dachorganisation der Tatsache Rechnung, dass Netzwerkfunktionalitäten in der AV- und Unterhaltungselektronik-Branche zunehmend wichtiger werden. Allerdings findet auch zum aktuellen Zeitpunkt dieses prinzipiell mögliche Feature bisher in keinem der gängigen AV-Verstärker und AV-Receiver Verwendung.

Dann muss nur ein einzelnes Ethernet-Kabel zum AVR gelegt werden und die übrigen Geräte werden vom AVR aus mit Netzwerk versorgt. Beispiele zu Netzwerk-Features: BD-Live am DLNA-Streaming, Internetradio, Spotify, Smart TVam angeschlossenen TV-Gerät, Online-Dienste und Online-Gaming mit der Spielekonsole. Somit fungiert das HDMI-Kabel bei der neuen Spezifikation nicht nur als Träger für Audio- und Videosignale mit enorm hoher Bandbreite, sondern – zumindest theoretisch - auch als blitzschnelles Datenkabel für bi-direktionale Übertragung.

Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbps sind möglich. Verschiedene mittels HDMI angeschlossene Geräte können sich eine Internetverbindung teilen, Inhalte können von Systemkomponente zu Systemkomponente weiter gereicht und verarbeitet werden. Auch die Aufnahme von entsprechend vorbereiteten Inhalten ist möglich. Aktuelle und zukünftige IP-basierte Applikationen werden unterstützt. Dazu zählen DLNA, IPTV oder LiquidHD. Es gibt 2 Kabeltypen bei HDMI 1.4: Das Standard HDMI-Kabel mit Ethernet (max. 720p/60Hz, 1080i/60Hz) und das High Speed HDMI Kabel mit Ethernet (max. 2160p/24Hz, Full HD 3D, Deep Color).
 

3D-Brille

HDMI 2.0 ist voll 3D-kompatibel.

Audio-Return-Channel

Zu den Merkmalen der aktuellen HDMI-Generation zählt auch der Audio Return Channel: Damit können Upstream-Audioverbindungen mittels HDMI hergestellt werden, das Audiosignal des TVs wird dabei über das HDMI-Kabel, dass am HDMI-Ausgang des AV-Receivers angeschlossen ist, an den AVR transportiert.  Somit wird die Verbindung zwischen Fernseher und AV-Receiver vereinfacht - man braucht kein eigenes Audiokabel mehr vom TV zur Anlage zu legen, das einzelne HDMI-Kabel genügt. Es werden die identischen Formate unterstützt, die mittels eines normalen konventionellen Digitalkabels übertragen werden, also auch Dolby Digital, DTS und PCM Audio.

3D-Support

Besonders wichtig ist der umfangreiche 3D-Support: In der Spezifikation 1.4a unterstützt HDMI verschiedene 3D-Technologien: Full side-by-side, Half side-by-side, Frame alternative, Field alternative, Line alternative, Left+Depth, Left+Depth+Gfx+Gfx Depth. Nur mit HDMI 1.4a ist es möglich, 3D-Komponenten am AVR/AVVG in voller Auflösung und Hoher Bildwiederholrate zu betreiben!

4K / Ultra HD

Auch die neue UltraHD-Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln wird via HDMI unterstützt, allerdings bei HDMI 1.4/1.4a nur in den Bildwiederholraten 24/25 und 30 Hz, 4096 x 2160 wird @ 24 Hz unterstützt. Ab HDMI 2.0 werden diese Formate auch mit 50 und 60 Hz supportet.

Installationsassistent

Viele AV-Verstärker/AV-Receiver bieten mittlerweile bereits ab der unteren Mittelklasse Installationsassistenten zur komfortablen Einrichtung des AV-Receivers an. Vorbei ist die Zeit, in der der Anschluss eines AV-Receivers viel technisches Verständnis und Einarbeitungszeit benötigte. Der Assistent öffnet sich im Regelfall direkt nach der ersten Inbetriebnahme des Gerätes.
 

Einrichtungs-Assistent z.B. bei Denon

Sehr umfangreicher Installationsassistent, hier der Denon AVR-X2100.

Bei einfachen Varianten wird bereits die Menüsprache, ein Lautsprecher-Setup, Eingangszuweisung und die Verbindung zum Netzwerk vorgenommen, inzwischen gibt es aber auch sehr komplexe Systeme, die bis hin zur genauen Erklärung, wie die Lautsprecher am Gerät angeschlossen werden und in welcher Position sie stehen sollten, reichen.

Sehr speziell agiert Pioneer. Hier gibt es mit dem „AV Navigator“ sogar eine eigene App für die Einrichtung des Systems.
 

Pioneer App

Pioneer AV Navigator

Mehrraumfähigkeit/Multiroom

Die Multiroom-Funktionalität nimmt hierzulande – besonders im Vergleich mit den Vereinigten Staaten – eine stark untergeordnete Rolle ein. Das Prinzip dahinter: Der AV-Receiver kann nicht nur im Hauptraum, sondern auch in 1 bis 3 weiteren Zonen genutzt werden. Ungenutzte Endstufen können dabei für die Audioausgabe in der 2./3./4. Zone genutzt werden. Auch Videofunktion ist gegeben, im Gegensatz zu früheren Modellen ist das Videosignal aber nicht mehr auf SD-Signale, die zumeist via FBAS oder Komponente übertragen wurden beschränkt, sondern kann in hoher Auflösung via HDMI übertragen werden (lediglich für die 2. Zone).
 

Video-Streaming

Nur wenige AVRs bieten das Streaming von Videodateien (Bild: Sony AV-Receiver STR-DA5500ES).

Für die Audioausgabe stehen in der Regel nicht nur analoge Cinch-Stereo-Audio-Ausgänge, sondern auch ein optischer oder koaxialer Digitalausgang zur Verfügung. Klar ist, dass in Hörzone 1 und 2 unterschiedliche Quellen laufen können. Während in der Haupthörzone dann ein Film läuft, kann man in der Zone 2 dem Lieblingsradiosender lauschen.


Wird in der Haupthörzone ein 7-Kanal-Lautsprecherset eingesetzt und demnach sind alle Endstufen in Betrieb, bringen multiroomtaugliche AVVs und AVRs dann Vorverstärkerausgänge für weitere Zonen mit. Es wird dann ein Cinchkabel (Stereo) vom AVV / AVR zu der externen Endstufe in Zone 2 gelegt, und an diese schließt man dann die Lautsprecher für Zone 2 an.

Problem bei Multiroom ist der im Normalfall immense Installationsaufwand, da alles verkabelt werden muss. Es sei denn, man baut neu oder um und verlegt in den Hauswänden gleich entsprechende Kabelkanäle. Diese sollten aber keinen zu kleinen Querschnitt aufweisen, wenn man Wert auf hohe musikalische Qualität legt - denn nur, wenn man die Kabelkanäle nicht zu klein dimensioniert, kann man gutes Lautsprecherkabelmit höheren Querschnitten verlegen.

Moderne Spitzen-AV-Receiver bieten den Support von insgesamt bis zu vier Hörzonen.  Meist implementiert ist auch ein "Party Mode" - wenn man zu Hause kräftig feiert, wird das identische Quellsignal in allen Hörzonen wiedergegeben.

Denon Media Server

Viele AV-Receiver (Denon, Onkyo, Yamaha, Pioneer, etc.) geben auch hochauflösende FLAC-Dateien wieder.

Netzwerk-Einstellungen

Wichtig: DHCP im Menü aktivieren.

Internetradio

Kostenfreies Internetradio an Bord – hier vTuner.

Netzwerkfunktionalität

Eine Netzwerkschnittstelle (RJ45) ist – abgesehen vom absoluten Einstiegsmodell – mittlerweile in beinahe jedem modernem AV-Receiver untergebracht. Aber auch die drahtlose Verbindung mit dem Netzwerk wird immer häufiger schon serienmäßig mitgeliefert. Entweder Kompakte Drahtlos-Module, die via USBan den AV-Receiver angeschlossen werden, oder aber gleich im Device integriertes WiFi sind hier die beiden Möglichkeiten.

Die Einbindung gelingt in der Regel problemlos: Bei der kabelgebundenen Verbindung ist unter Verwendung eines DHCP-Servers keine weitere Konfiguration nötig. Wird kein DHCP-Server verwendet, muss die IP-Adresse manuell eingegeben werden. Auch die drahtlose Variante ist heutzutage kein Problem mehr. Wer über einen WPS-fähigen Router verfügt, muss nicht einmal mehr das WLAN-Passwort eingeben sondern verbindet den AV-Receiver per Knopfdruck (Push Button) mit dem heimischen Netzwerk.

Die Verwendungsmöglichkeiten sind mittlerweile sehr umfangreich und gehen über ein konventionelles Internetradio, das inzwischen in beinahe allen Geräten zum Einsatz kommt, weit hinaus. Mit dem kostenlosen vTuner können über den AV-Receiver eine schier unendliche Anzahl an Radiosendern empfangen werden, die bequem und komfortabel nach Genre, Ländern oder andere sinnvolle Kategorien gegliedert angezeigt werden können.

Der aktuelle Radiosender sowie Interpret, Titel, etc. werden nicht nur über das OSD angezeigt sondern in der Regel auch am Gerätedisplay, so kann das angeschlossene Bildwiedergabegerät während der Radiowiedergabe getrost ausgeschalten werden.

Auch AUPEO!, eine deutsche, ebenfalls kostenlose Plattform, ist ab und zu in den Geräten zu entdecken. Die Bedeutung von AUPEO! nimmt aber schon wieder merklich ab. Hinzu kommen in der Regel eine oder mehrere kostenpflichtige Radioplattformen, die eine höhere Qualität oder andere Benefits für einen monatlichen Obulus bieten.

Der Support für Musik-Streamingdienste wie Spotify oder simfywurde erst in ausgewählten Geräten der letzten Generation sowie in vielen Geräten der aktuellen Generation hinzugefügt. Diese Dienste funktionieren ähnlich einem Internetradio, der Anwender kann aber auf eine riesige Musikdatenbank zugreifen und selbst frei bestimmen, was er hören möchte. Eigene Wiedergabelisten werden komfortabel am PC erstellt und können dann mit dem AV-Receiver und der hochwertigen HiFi-Anlage wiedergegeben werden. Diese Streamingdienste bieten im Normalfall eine höhere Musikqualität als Internetradios (z.B. Spotify 320 kbps MP3). Nachteil dieser Dienste ist, dass ein kostenpflichtiges Abo notwendig ist. Spotify beispielsweise kann zwar kostenlos mit Werbeunterbrechungen am PC verwendet werden, für die Nutzung am AV-Receiver ist aber ein Premium-Abo erforderlich.

DLNA-Streaming gehört auf jeden Fall zum Standard-Repertoire eines netzwerkfähigen AV-Receivers. Von einem PC, einem Home-Server oder einer NAS-Festplatte können über das Netzwerk Dateien an den AV-Receiver übertragen und von diesem wiedergegeben werden. Während noch vor nicht allzu langer Zeit die Nutzung des DLNA-Protokolls als umständlich und aufwändig galt, ist das Streaming von einem DLNA-Server zum AVR relativ einfach und betriebssicher.

Eine Freigabe der Dateien am Windows-PC ist meist durch den vorinstallierten Windows-Media Player möglich, aber auch mit Software von Drittanbietern lässt sich ein solcher Mediaserver komfortabel und ohne IT-Diplom einrichten. Sollten dennoch Probleme auftreten, ist häufig die Ursache häufig in der eigenen Firewall, die die Daten nicht passieren lässt. Am einfachsten ist aber die Lösung mit einem fast komplett vorinstalliertem DLNA-Server.

Ein Hardware-Server oder eine NAS-Festplatte bieten nicht nur eine hohe Speicherkapazität bis hin zu 16 TB sondern auch den Vorteil, dass der Rechner nicht ständig laufen muss. Bezüglich der Dateiformatauswahl unterscheiden sich die verschiedenen AV-Hersteller noch recht deutlich. Während manch einer lediglich Audio-Streaming unterstützt, bieten andere auch Foto- und Videowiedergabe. Selten wird nur noch beschränkt sich die Wiedergabe auf MP3 oder AAC. Zumeist wird zumindest auch WAV oder FLAC unterstützt, die eine extrem hohe Qualität aufweisen können.

High-res-Files

Die Wiedergabe hochauflösender Audiodateien liegt stark im Trend.

Auch hochauflösende Audiodateien, wie sie bspw. von Qualität und Bittiefe übertreffen dabei die konventionelle CD-Qualität bei weitem und reichen bis zu 192 kHz / 24-bit. Gebräuchlichstes Hires-Audioformat ist FLAC, aber auch Direct Stream Digital (DSD) findet immer mehr Verbreitung. Das hat zur Folge, dass selbst mancher Mittelklasse-AV-Receiver mit DSD-Dateien, die es in den Formen DSD 2,6 MHz oder DSD 5,6 MHZ gibt, umgehen können.

Bei Fotos wird zumeist nur JPEG unterstützt, seltener Bitmap oder PNG – dafür bieten einige Hersteller (Marantz und Denon) den Zugriff auf den Foto-Speicherdienst flickr. Video-Streaming spielt bei AV-Receivern immer noch eine stark untergeordnete Rolle und wird nur vereinzelt. z.b. bei bestimmten Sony Receivern, angeboten. Selbst dann ist die Auswahl der Videoformate begrenzt, meist wird MPEG2 oder MPEG4 und WMV akzeptiert, Matroska Video oder DiVX-Avi wird nur selten unterstützt.
Es finden sich noch weitere Netzwerk-Merkmale im Ausstattungsumfang von AV-Receivern. Die Bedeutung des vor kurzem noch sehr beliebten Apple AirPlay nimmt derzeit kontinuierlich ab. Mittels Apple AirPlay kann man Musikdateien von Apple Devices beziehungsweise von Apple iTunes auf dem PC über den AV-Receiver wiedergeben. Durch den verstärkten Einsatz von Bluetooth ist für viele Anwender AirPlay nicht mehr so wichtig. Was hingegen stetig wichtiger wird: Spotify Connect. Diese Spotify-Variante funktioniert ähnlich wie AirPlay, denn aus der Spotify-App heraus (Premium-Account für 9,99 EUR/Monat erforderlich) kann man direkt den AV-Receiver als Wiedergabe-Device auswählen.

Nützliche Apps

Tablets und Smartphones werden auch als Steuereinheit immer beliebter, so bieten viele AVR-Hersteller Apps an, die die Steuerung von Grundfunktionen bis hin zu komplexeren Anwendungen, ermöglichen. Zumeist sind die für Android und iOS-Geräte verfügbaren Apps kostenlos und können vom App Store oder Google Play Store einfach heruntergeladen werden.

Wie umfangreich der Funktionsumfang der Applikation ist, hängt vom jeweiligen Hersteller ab. Hier reicht die Spanne von einer simplen Kopie der beiliegenden Fernbedienung bis hin zu direkten Streaming-Möglichkeiten oder der Einrichtung des AV-Receivers.

Marantz-App zur Steuerung

Marantz-App zur Steuerung

Besonders gut eignen sich die Apps dank besserer Übersicht und Tastaturmöglichkeit zur Nutzung der vielfältigen multimedialen Features wie Internetradio, DLNA-Streaming, etc. Die Verwendung der App hat den großen Vorteil, dass man nicht zusätzlich ein Bildwiedergabegerät (TV oder Beamer) einschalten muss, um alle Netzwerkfeatures bedienen zu können.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten für die Netzwerkschnittstelle umfassen eine Steuerungsmöglichkeit des AV-Receivers über einen beliebigen Internet-Browser. Um auf das Gerät zuzugreifen, gibt man lediglich die IP-Adresse des AV-Receivers in die Adresszeile des Browsers ein. DSP-Programme oder Multiroomfunktionen können mittels PC kontrolliert werden. Firmware-Updates.

Bluetooth

Bluetooth ist auf dem Vormarsch. Zusätzlich zum eigentlichen Netzwerk-Streaming sieht man auch immer häufiger die Integration von Bluetooth (z.B. Smartphones und Tablets bereits integriert ist und so ein Audio-Streaming problemlos ermöglicht. Dank neuer Technologien wie aptX lässt sich auch über Bluetooth eine hohe Klangqualität erzielen.

Videofunktionalitäten

Schon AV-Receiver der 450 bis 600 EUR-Liga sind mittlerweile in der Lage, eingehende Videosignale, mittlerweile fast ausschließlich in digitaler Form, in guter Qualität auf eine Auflösung von 4K hoch zu rechnen. Ebenso ist natürlich ein Hochkonvertieren analoger oder digitaler SD-Videosignale auf 1.080p/Full-HD möglich. Geräteinterne Chips (von Marvell/Qdeo, Silicon Image, etc.) nehmen ein Upscaling und De-Interlacing vor.

Früher sah es so aus: Wenn der verwendete Blu-ray-Player nur unzureichend hochkonvertierte oder sogar noch ein älterer DVD-Player zum Einsatz kam, war das Feature im AVR, auf 1.080p hochzurechnen, ebenso willkommen wie bei Verwendung eines SD-Sat-Receivers.
 

Nun brechen neue Zeiten an: Dadurch, dass viele AVRs ein recht leistungsfähiges Upscaling auf UltraHD mitbringen, bieten sich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten in Verbindung mit einem UHD-Fernseher. Bei einem eingehenden HD-Signal wird in der Regel nur skaliert, ein SD-Signal wird zunächst auf 1080p hochkonvertiert und dann im zweiten Schritt auf 4K skaliert.

Eine Vielzahl an AV-Receivern verfügt über einen eigenen Video-Equalizer. Helligkeit, Kontrast, Farbe und Schärfe lassen sich meist einstellen, dazu kommen spezielle Features wie vorprogrammierte Bildfelder, Rauschfilter oder Konturen-Verbesserer. Manche AVRs, z.B. von Onkyo, besitzen auch hochwertige, semiprofessionelle Bildfelder (ISF Day und ISF Night).

Vorverstärkerausgänge

An diese können externe Endstufen mit mehr Kraft angeschlossen werden. Die Lautsprecher werden dann direkt an die externe Endstufe angeschlossen, vom AV-Receiver / -Verstärker zur Endstufe werden Cinch-Kabel oder (selten) XLR-Kabel verlegt.
 

Zuweisbare Endstufen

Meist haben AV-Receiver oder -Verstärker sieben Endstufen eingebaut, einige Exemplare teurerer Bauart sogar neun oder zehn. Diese können im Gerätemenü entsprechend zugewiesen werden. Damit ist gemeint: Wenn man zum Beispiel im Haupthörraum nur ein 5.1 Lautsprechersystem betreibt, kann man die beiden verbleibenden Endstufen bei einem 7-Kanalgerät für Front Bi-Amping (stark belastbare, hochwertige Front-Standboxen bekommen dann pro Box 2 Endstufen zugewiesen. Das Klangbild wird dadurch kräftiger, klarer, es sind im Stereobetrieb höhere Pegel möglich.) oder aber für eine 2. Hörzone verwendet werden.

Bei 9-Kanalgeräten gibt es noch mehr Möglichkeiten, gerade dann, wenn das Endstufenmanagement flexibel aufgebaut ist und Decoder für ProLogic IIz und DSX mit an Bord sind. Dann kann man neun Endstufen z.B. für die Kombination aus Front High und Surround Back, oder aber für Front High (7.1) in der Hauptzone und für eine 2. Hörzone (bei beiden verbleibenden Endstufen) genutzt werden.

Zwei Subwoofer-Vorverstärkerausgänge

Über zwei Vorverstärkerausgänge zum Anschluss aktiver Subwoofer sind mittlerweile ab der unteren Mittelklasse fast schon Standard. Bei den 2014er Onkyo Top-Modellen gibt es sogar vier Pre-Outs. Schon zwei Vorverstärkerausgänge erweisen sich in der Praxis als sehr vorteilhaft, denn so können gleich 2 aktive stehender Wellen (auch Bassloch genannt) begegnet werden kann. Weitergehende Infos zu Stehenden Wellen finden Sie in unserem Subwoofer-FAQ ...

Fazit

Moderne AV-Receiver bieten mittlerweile eine schier unüberschaubare Vielfalt an Möglichkeiten. Angesichts der Komplexität erscheinen die Geräte auf den ersten Blick eher verwirrend, gerade wenn man neu einsteigt. Nicht jeder ist schließlich ein Heimkino-Freak. Doch hat man erst einmal die Hemmschwelle überschritten, sich mit den Themen zu befassen und in die einzelnen Features einzuarbeiten, dann macht es richtig Spaß. Nachdem einige Hürden überwunden sind, erfreut man sich am Schluss - quasi als Belohnung - über ein perfekt funktionierendes Gerät. Das erfüllt einen das mit einer gewissen Befriedigung. Das Gefühl ist vergleichbar wie wenn man in der Schule eine Prüfung hinter sich gebracht hat und dann eine gute Note erhält. So kann Technik neben vielen nützlichen Aspekten auch dazu dienen, einfach ein gutes Gefühl zu erzeugen.

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