Gängige Vorurteile - und wie sie widerlegt werden

Text von Philipp Kind, HIFI-REGLER, update: 19.02.2015

In der täglichen Beratungspraxis stoßen wir immer wieder auf eingefleischte Überzeugungen, die nichts oder wenig mit den Tatsachen zu tun haben - eben Vorurteile. Wir haben Ihnen hier die meistverbreiteten dieser Fehleinschätzungen zusammengestellt und geben Ihnen auch gleich eine Begründung, warum wir sie für falsch halten.


1. Da es derzeit kaum natives Quellmaterial gibt, macht ein Ultra High Definition TV (UHD-TV) wenig Sinn.

Auf den ersten Anschein mag es wenig Gewinn bringend sein, einen TV mit einer vierfach so hohen Pixelanzahl im Vergleich zu Full HD zu kaufen, wenn es derzeit praktisch kein Quellmaterial gibt. Aber zum einen wird sich dies in naher Zukunft ändern, und nicht nur 4K Blu-ray wird sich etablieren, sondern auch zahlreiche Streaming-Dienste in 4K, die aufgrund immer schneller werdender Internetverbindungen Material in Höchstauflösung ins heimische Wohnzimmer bringen. Zum zweiten aber bringen moderne UHD-TVs derart leistungsstarke Prozessoren und derart ausgefeilte Scaling- und Bildverarbeitungs-Algorithmen mit, dass selbst eine in Full HD-Auflösung vorliegende Blu-ray noch besser aussieht als auf einem herkömmlichen Full HD-TV.

Fernseher mit UHD-Auflösung

Da UHD-TVs 2015 praktisch schon ab der gehobenen TV-Mittelklasse Standard sind, hat man, möchte man ein entsprechend hochwertiges und gut ausgestattetes TV-Gerät, ohnehin keine Wahl. Wer einmal natives 4K Material auf einem entsprechenden Screen tatsächlich gesehen hat, wird ohnehin überzeugt und restlos begeistert sein von der gebotenen Bildqualität.


2. Jeder UHD-TV auf dem Markt kann alle Formen nativer 4K-Inhalte darstellen.

Rückansicht eines modernen Fernsehers

Das ist falsch. Von USB-Stick oder per Streaming mag dies noch möglich sein, aber auch hier steht nicht fest, dass jede Form von 4K Content wiedergegeben werden kann. Ganz aus ist es dann, wenn das Signal von einer zukünftigen 4K Blu-ray kommt – dann ist HDMI 2.0 mit dem entsprechenden Kopierschutz HDCP 2.2 Pflicht. Generell muss der TV auch mit HEVC (H.265) codiertem Material und nicht nur mit H.264 klarkommen können. Die TVs der Premiumhersteller, die Sie bei HIFI-REGLER einkaufen können, besitzen selbstverständlich HDMI 2.0 Eingänge mit HDCP 2.2 und sind in der Lage, 4K in 50 und in 60 Hz darzustellen.

 

3. Leider gibt es derzeit nur wenige OLED-TVs, was schade ist, denn schließlich diese besitzen doch nur Vorteile gegenüber LCD-basierten TVs.

Fernseher curved

Das ist falsch – denn OLED-TVs sind zunächst außergewöhnlich kostspielig, ein 55 Zoll-OLED in Full-HD Auflösung liegt bei rund 3.000 EUR (LG 55EC930V, siehe oben), hier bekommt man schon einen veritablen 65-Zoll-LCD-TV mit UHD-Auflösung. Zweiter Punkt: Über 100.000 Betriebsstunden verrichtet ein LCD-TV seinen Dienst. Erst nach dieser Anzahl an Betriebsstunden ist mit Bildverschlechterungen zu rechnen, während ein OLED-TV nur eine deutlich kürzere Lebensdauer hat.

Es wird zwar daran gearbeitet, den OLED-Dispays mehr Lebensdauer „einzuhauchen“, aber aktuell sind sie hier noch keine Konkurrenz zu LCD-basierten TV. Bei Detailkontrast, Schwarzwert, Farbrillanz und Stromverbrauch hat ein OLED noch Vorteile, seit es aber LCD-Panels mit spezieller zusätzlicher Technologie für erweiterte Farbraumwiedergabe gibt (Quantum DOT, TRILUMINOS, Quantum Colour – je nach Hersteller ist der Name unterschiedlich, Quantum DOT stammt aus dem Hause 3M und wird von mehreren TV-Herstellern eingesetzt), sich zudem Full-LED-Backlight wieder verstärkt gegenüber EDGE LED in Szene setzt (bei Full LED Backlight sitzen die LEDs direkt hinter dem Panel, sie sind in sogenannten Clustern geschaltet.

Bei einem EDGE LED-TV hingegen sind die Backlight-LEDs in den Ecken des TVs untergebracht, per Leiterbahnen wird dann das Licht hinter das Panel gebracht), sind Detailkontrast, Farbdarstellung und Schwarzwert deutlich besser und bereits auf sehr hohem Level. Und auch, was den Stromverbrauch angeht, sind moderne LCD-TVs mittlerweile richtig sparsam, Einstufen von Energieeffizienzklasse A+ sind keine Seltenheit. Und – rechnet man den deutlich höheren Grundpreis eines aktuellen OLED dagegen, spart man mit einem LCD immer noch Geld.

 

4. Immer mehr TVs verfügen über die Darstellung eines erweiterten Farbraums. Ist das nicht kontraproduktiv, weil der REC.709-Farbraum dann nicht mehr korrekt abgebildet wird?

Typischers Fernseher-Menu

Meist ist es so, dass die Farbraum-Erweiterung auf Wunsch vom Anwender aktiviert werden kann. Moderne Hightech-TVs sind sehr wohl in der Lage, gerade dann, wenn man z.B. Bildfelder wie „Film“, „Kino“, „THX Cinema“ oder „ISF Nacht“ einsetzt. In diesen Betriebsarten sind die Bildparameter „kinogemäß“ und perfekt für hochqualitatives Filmvergnügen gesetzt.

 

5. Jeder Flachbildschirm mit HDMI-Eingang kann 24p darstellen.

Anschluss-Panel eines Fernsehers

Das ist mittlerweile bei aktuellen TVs ab der Marken-Einsteigerklasse richtig, aber gerade ältere und sehr einfache Modelle können dies nicht, selbst wenn sie am HDMI-Eingang 24p-Signale entgegen nehmen. Aber das Panel wird meist mit 60 Hz und nicht mit einer Vielfachen von 24 angesteuert, was zur Folge hat, dass man Ruckeln bei langsamen Bewegungen und Kamerafahrten wahrnimmt.

 

6. Ein strahlendes Weiß und dynamische Farben – so muss das Bild aussehen.

Farb-Menue

Dies ist falsch. Viele denken z.B., dass gerade mancher ältere LCD-Fernseher ein hervorragendes Bild macht – aber nur, weil es enorm hell und strahlend erscheint. Dies hat aber nichts mit einer wirklichkeitsgetreuen Bildwiedergabe zu tun. Das Weiß ist von der Farbtemperatur meist zu kalt und tendiert ins Bläuliche, Farb-Booster sorgen zwar für eine sehr dynamische Farbwiedergabe – wer einen solchen TV durchmisst, wird aber rasch feststellen, dass der genormte HDTV-Farbraum nicht mehr exakt getroffen wird.

Mittlerweile ist es so, dass sich LCDs, gerade gehobener Preisklassen, grundlegend geändert haben und nun ein Bild mit stimmiger Farbwiedergabe und genauem Treffen des Weißpunkts offerieren, wie man im obigen Messdiagramm des Samsung UE55HU8590 sehen kann.

 

7. Plasmas stellen das Bild grundsätzlich zu dunkel dar. Daher kann man sie am Tage kaum ohne visuelle Einbußen betreiben.

Aktuell werden kaum noch Plasma-TVs angeboten, es ist damit zu rechnen, dass Plasma-TVs vollkommen „aussterben“. Bei Plasma-TVs der letzten Generationen (wie der oben gezeigte Panasonic TX-P55VTW60), also 2012 bis 2015, stimmt die Behauptung mit dem dunklen Bild trotzdem nicht mehr. Ein LCD-TV, ganz gleich, ob EDGE-LED oder Full-LED-LCD, weist zwar nach wie vor eine höhere Gesamtbildhelligkeit auf. Die Plasmatechnik bietet hier aber auch ein respektables Ergebnis– mittlerweile kann man auch mit einem Plasma-Bildschirm bei Tageslicht Filme und andere TV-Inhalte betrachten.

 

8. Aufgrund der immer weiter voran schreitenden Technik sollten schon günstige Flachbildschirme eine ausgezeichnete Bildqualität offerieren.

Fernseher Smart TV

Das kann man so global nicht sagen, denn wenn man bedenkt, welche Bildgüte ein UHD-TV im 55-Zoll-Format für 1.300 EUR bietet und man dies mit einem absoluten Einsteiger-Full HD-TV für 500 EUR vergleicht, dann liegen Welten dazwischen.

Viel CPU-Power, umfangreiche Multimediafunktionen, ein hochwertiges Panel, ein ansprechendes Picture Processing und ein Video-EQ mit hervorragenden Bildprogrammen gibt es nicht für wenig Geld. Somit wird sich der Anwender mit gewissem Anspruch einem höherwertigen und lieber auch etwas teureren Modell zuwenden, auch wenn es um einen TV mit Full HD-Auflösung wie den hervorragenden Samsung Curved Full HD der 6er Serie oben im Bild geht und nicht um einen UHD-TV.

 

9. Auch für lange Strecken ab 5 Meter kann man günstige HDMI-Kabel verwenden.

Das Verwenden günstiger HDMI-Kabel gerade für größere Strecken ab 5 Metern ist nicht anzuraten. Hier sollte man ein Qualitätsprodukt kaufen, da nur hochwertige Materialien garantierten, dass das Kabel auch das HDMI-Signal zuverlässig über größeren Distanzen transportiert.

Fernseher Menu

 

10. Zum Einrichten der Smart TV-Funktion sollte man Vorkenntnisse besitzen.

Dies ist schon seit einiger Zeit nicht mehr korrekt – mittels LAN oder WLAN-Verbindung wird der Flachbildschirm schnell ins Internet eingebunden. Dann gibt es meist spezielle Tasten auf der Fernbedienung, mit der die Smart TV-Funktion direkt gestartet wird. Nachdem sich die Applikation dann automatisch auf den neuesten Stand gebracht hat, kann sofort losgelegt werden.

Es sind zahlreiche Apps direkt auf dem TV vorinstalliert, und es ist einfach, sich aus den App Stores der Hersteller neue Anwendungen zügig (je nach Internet-Verbindung) herunterzuladen. Die Steuerung ist mit der Fernbedienung einfach, man nutzt das Navigationskreuz beziehungsweise das Touchpad. Wahlweise kann der Smart-TV auch komfortabel über das Smartphone oder das Tablet gesteuert werden. Hierzu muss man nur die kostenlose App für Android- oder Apple iOS-Geräte auf das Mobile Device herunterladen.
 

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