Dolby Atmos, DTS: X und Auro3D in der Übersicht

Text von Carsten Rampacher, HIFI-REGLER, update: 11.05.2015
 

 

Dolby Atmos Logo


 

DTS:X Logo

 

Auro 3D Logo
 

"Immersive Sound" hat sich zum Schlagwort der neuesten Generation an Tonformaten entwickelt. Die "Immersion", also die komplette Einbeziehung des Zuhörers als Mittelpunkt in einer umschließenden Klangwelt, steht im Fokus bei allen dreien der neuen Formate. Dolby Atmos wird schon seit 2014 in Top AV-Receiver integriert, Auro3D selber gibt es zumindest im professionellen Bereich sogar schon deutlich länger. Jetzt im April hat auch DTS den "Nachfolger" von DTS-HD Master Audio, DTS: X, präsentiert. Alle drei Mitstreites arbeiten auf Basis eines vorhandenen 5.1 bzw. 7.1 Setups, bringen dann aber zusätzliche Lautsprecherkomponenten ins Spiel.

Anders als bei der letzten Transformation von Dolby Digital und DTS zu TrueHD und DTS-HD MA stehen die eben erwähnten drei Anbieter in einem direkteren Konkurrenzkampf. Das Lautsprecher-Layout ist nämlich nicht identisch. Zumindest, was Auro3D und Dolby Atmos betrifft, die eine unterschiedliche Anordnung der Lautsprecherkomponenten bezüglich ihrer Position und Richtung voraussetzen. Dass Anwender in ihrem Heimkino mehr als ein Lautsprecher-System einsetzen, um die Vorteile der verschiedenen Tonformate optimal zu nutzen, ist sehr unwahrscheinlich. DTS scheint dieses Problem erkannt zu haben und hat mit DTS: X ein sehr flexibles Format vorgestellt, dass mit jeglicher Lautsprecher-Konfiguration arbeiten und funktionieren soll. Wir wollen in diesem Info-Special die Unterschiede der drei Systeme und deren Vor- und Nachteile genauer beleuchten.

Funktionsweise und Lautsprecher-Positionierung

Wie von uns bereits beschrieben ist Dolby Atmos eine Kombination aus objekt- und kanalbasierten Informationen. Zusätzlich zum sogenannten "Sound-Bett", vergleichbar mit einer typischen Dolby TrueHD 5.1/7.1 Spur, enthält Dolby Atmos zusätzliche Informationen zu Klangelementen und Objekten, die von einem kompatiblen Receiver entsprechend interpretiert und auf den Lautsprecherkomponenten im Raum verteilt werden.

Die Integration von Sound-Objekten offeriert laut Dolby bereits bei konventionellem Lautsprecher-Layout Vorteile bezüglich der Präzision und Räumlichkeit. Für optimale Performance sollten aber Deckenlautsprecher installiert werden. Zwei oder vier Deckenlautsprecher sind im Atmos-Format vorgesehen, die entweder als diskrete Lautsprecher oder als sogenannte Dolby Atmos- bzw. Top-Firing-Module konzipiert sein können. Die diskreten Komponenten an der Decke werden direkt über die Front- und Surround-Lautsprecher montiert, die Dolby Atmos-Module werden auf die vorhandenen Lautsprecher gestellt und strahlen in einem spezifischen Winkel an die Decke. Neben der diskreten Variante mit an der Decke angebrachten Lautsprechern ist also auch eine Variante möglich, die mit akustischen Reflexionen arbeitet.

Wenn auch noch nicht sämtliche Spezifikationen bekannt sind, wissen wir bereits, dass DTS: X nach einem sehr ähnlichen Prinzip wie Dolby Atmos arbeitet und ebenfalls Objekte in die Klangkulisse mit einbezieht. Ein essentieller Unterschied und, zumindest auf den ersten Blick, immenser Vorteil des DTS: X Tonformates ist, dass die Lautsprecher-Konfiguration nicht fest vorgegeben ist. Während Dolby Atmos und Auro3D recht strikte Vorgaben bezüglich der Positionierung der Lautsprecher fordern, soll DTS: X maximale Flexibilität bieten. Solange die Schallwandler in hemisphärischer Anordnung um den Zuhörer aufgestellt sind, verteilt die "DTS speaker remapping engine" die Klangkulisse unabhängig vom Layout optimal auf die einzelnen Komponenten.

Damit geht einher, dass das DTS: X Tonformat vom jeweiligen AV-Receiver auch auf Lautsprecher-Konfigurationen, die für Auro3D und Dolby Atmos ausgelegt sind, optimal adaptiert wird. Auch die Höheninformationen von DTS: X werden dann von den Deckenlautsprechern und sogar den Top-Firing-Modulen genutzt. Wer also ein Dolby Atmos oder Auro3D-Setup installieren möchte oder dies gar schon erledigt hat, soll auch das Format DTS: X ohne Kompromisse genießen können.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Pluspunkt von DTS: X ist die die Behandlung von Dialogen und Sprache als diskretes Audio-Objekt. Dem Zuhörer soll die Möglichkeit gegeben werden, den Pegel von Dialogen und Sprache unabhängig vom übrigen Geschehen zu justieren. Nützlich ist das z.B. bei actionlastigen Szenen in Filmen, bei denen der Dialog aufgrund der komplexen Kulisse schwer verständlich ist.

Auro3D lässt Audio-Objekte weitgehend außen vor. Das Format aus Belgien arbeitet zwar auch, zu einem weitaus geringeren Anteil, mit Sound-Objekten, größtenteils ist Auro3D aber kanalbasiert und fügt dem konventionellen 5.1/7.1 Layout zusätzliche Höhenlautsprecher hinzu. Diese "Height"-Lautsprecher werden über den Front- und Surround-Schallwandlern an der Wand, nicht an der Decke, montiert. In größeren Installationen dient außerdem ein zusätzlicher Lautsprecher, mittig an der Decke angebracht, als "Voice of God". Mit den zusätzlichen Lautsprechern realisiert Auro3D eine bzw. zwei weitere Hörachsen und Klangebenen im akustischen Gesamtgeschehen.

Eine 9.1 Konfiguration mit der konventionellen 5.1 Basis und zusätzlichen vier Höhenlautsprechern nennt Auro3D als kleinstes mögliches Setup, mit dem das Tonformat sein volles Potential entfaltet. Im Heimkino-Bereich ist das Maximum bei 13.1 erreicht, was einem 7.1 Setup plus vier Höhenlautsprecher sowie einem weiteren Höhenlautsprecher über dem Center und dem Deckenlautsprecher "Voice of God" entspricht.

Rückwarts-Kompatibilität und Upgrade-Notwendigkeit

Neue Formate setzen in der Regel auch neue Hardware-Komponenten voraus, um die Benefits der neuen Technologie auch optimal nutzen zu können. Das ist auch bei DTS: X, Dolby Atmos und Auro3D der Fall. Jedoch müssen nicht sämtliche Heimkino-Komponenten ersetzt werden. Die bereits vorhandenen Lautsprecher können ohne Probleme verwendet werden, es kommen nur - in allen Fällen - zusätzliche hinzu. DTS: X hat zwar anklingen lassen, dass Höheninformationen zukünftig auch mit einem konventionellen 5.1/7.1 Setup genutzt werden können, allerdings wissen wir noch nicht, ab welchem Zeitpunkt und inwiefern dies sich lohnt.

Auch der Zuspieler, der Blu-ray Player, kann weiter verwendet werden. Die jeweilige Tonspur mit zusätzlichen Informationen und Metadaten, die auf der Blu-ray Disc als Dolby Atmos und DTS:X sowie Auro3D gespeichert sind, können mit ganz normalen Blu-ray Disc-Wiedergabegeräten via HDMI an den AV-Receiver transportiert werden. Die Neuinvestition schlägt sich also neben weiteren Lautsprechern hauptsächlich beim AV-Receiver nieder, der die notwendige Dekodierungs-Hardware innehaben muss. AV-Receiver mit Dolby Atmos und Auro3D-Unterstützung gibt es bereits. Denon beispielsweise bietet mit dem AVR-X7200W und AVR-X5200W Geräte an, die sowohl Dolby Atmos als auch Auro3D bereits verarbeiten können - auch ein Update für DTS: X ist geplant. Hinzu kommen Hersteller wie Marantz, Onkyo & Integra, Yamaha und weitere.

Wer noch kein neues Gerät anschaffen möchte, den erwarten bei der Einführung der neuen Formate aber auch keine bösen Überraschungen. Dolby Atmos und DTS: X sind komplett rückwartskompatibel. Befindet sich auf einer Blu-ray Disc eine DTS: X oder Dolby Atmos Abmischung, der AV-Receiver kann das Format aber nicht dekodieren, so wird schlichtweg der integrierte kanalbasierte Mix, also Dolby TrueHD oder DTS-HD MA, wiedergegeben. Es entsteht also kein Nachteil durch das neue Format. Auch bei Auro3D wird automatisch erkannt, ob ein Auro-Codec Decoder vorliegt. Ist dies nicht der Fall, wird der originale 5.1 Mix ausgegeben. Die zusätzlichen Informationen werden dann vom AV-Receiver schlichtweg ignoriert.

Die nötige Software

Doch wie sieht es eigentlich aktuell am Markt aus mit den neuen Tonformaten? Kann ich die Fähigkeiten meines neuen AV-Receivers und meine zusätzlichen Lautsprecher überhaupt nutzen? Bisher sieht es leider noch relativ dürftig aus. Die größte Auswahl bietet Dolby Atmos mit ungefähr zehn verschiedenen Blu-ray Discs von aktuellen Filmen - die verschiedenen Demo-Discs nicht mitgerechnet. Doch auch hier gibt es Einschränkungen, denn wer Dolby Atmos mit den genannten Scheiben genießen will, muss mit dem englischen Originalton vorlieb nehmen. Lediglich der dritte Teil der "Expendables"-Saga wartet mit einer deutschen Dolby Atmos-Abmischung auf.

Bisher bieten Warner, Paramount und Universal Blu-ray Discs mit Dolby Atmos-Abmischungen an. Sony, Fox und Disney halten sich stark zurück, auch deutsche Anbieter warten ab. Dennoch werden im Laufe des Jahres weitere Filme folgen, die bereits für die große Leinwand im Kino in Dolby Atmos abgemischt werden.
Auch Auro3D ist im Kino zu hören, in Deutschland ist allerdings lediglich das Cinestar im Sony Center in Berlin mit dem notwendigen Equipment ausgestattet. Blu-ray Discs sind hier noch rar gesät, auch wenn es eindrucksvolles Demo-Material (z.B. Lichtmond) gibt.

Das jüngste Format DTS: X kann aktuell mit noch keinen Ankündigungen aufwarten. Es ist aber davon auszugehen, dass sich dieser Umstand schnell ändern wird, da die Marktdurchdringung sowohl von Dolby als auch von DTS enorm hoch ist.

Die akustische Performance der neuen Formate

Hier können wir leider noch keine endgültige Aussage treffen, da bisher die einzelnen Formate größtenteils nur in Demo-Bereichen gehört werden konnten. Eine Dolby Atmos und Auro3D-Installation ist zwar im Heimkino bereits ohne größere Probleme möglich, allerdings gibt es keinen Content, bei dem die Abmischung sowohl in Auro3D als auch in Dolby Atmos vorliegt. DTS: X ist leider noch in keiner Form erhältlich.

Prinzipiell können wir festhalten, dass alle drei Formate ein sehr hohes akustisches Potential innehaben und mit den zusätzlichen Klangebenen durchaus ein großer Vorteil bezüglich der Immersion des Zuschauers erreicht werden kann. Es hängt allerdings auch viel von den Audio-Ingenieuren der Studios, die während der Abmischung tätig sind, ab. Bei der ersten Blu-ray Disc mit Dolby Atmos überhaupt, dem dritten Transformers-Teil, ist der Mix bezüglich der Höheninformationen sehr zurückhaltend - der Unterschied zu konventionellem 5.1 fällt nur geringfügig auf. Bei "Expendables 3" oder "Gravity" hingegen wird ein Feuerwerk an Sound-Objekten in der oberen akustischen Ebene bzw. ein sehr umhüllender und vereinnahmender Film-Score realisiert. Folglich muss zur Bewertung der Klangqualität der Content im Einzelnen betrachtet werden, da alle drei Formate ein ähnlich hohes akustisches Potential bieten.
 

Merke:

  • Auro3D und Dolby Atmos setzen spezifische Lautsprecher-Konfiguration voraus
  • DTS: X kann sich an verschiedenste Lautsprecher-Konfigurationen anpassen
  • DTS: X, Dolby Atmos und Auro3D sind rückwartskompatibel - Der AV-Receiver gibt dann DTS-HD MA, Dolby TrueHD sowie die kanalbasierte 5.1 Abmischung von Auro ohne zusätzliche Höheninformationen wieder
  • DTS: X und Dolby Atmos arbeiten vorwiegend objektbasiert, Auro3D vorwiegend kanalbasiert
  • Bisher wenig Software verfügbar, noch keine Ankündigungen von Blu-ray Discs mit DTS: X
  • Alle drei Formate bieten ein hohes akustisches Potential und einen spürbaren Benefit gegenüber den konventionellen Formaten


Fazit

Wir sind uns einig: Vorteile gegenüber den konventionellen Tonformaten bieten sowohl Dolby Atmos als auch DTS: X und Auro3D. Die Einbeziehung zusätzlicher Höhenebenen und die Integration von Objekten, deren Position und Verlauf im Raum exakt auf die vorhandene Lautsprecher-Konfiguration abgestimmt werden kann, offerieren ein enormes Potential. Ob tatsächlich Platz für drei dieser Tonformate am Markt ist, wagen wir zu bezweifeln. Dolby Atmos bietet bisher die größte Auswahl an Content mit praktischem Nutzen, aber auch DTS kann mit einer hohen Marktdurchdringung aufwarten. Hier darf man gespannt sein, was die Zukunft bringt. Das jüngste Mitglied des Trios verspricht dank der möglichen Software-Adaptierung des Tonformates auf vorhandene Atmos/Auro3D-Lautsprecher-Anordnungen maximale Flexibilität.
 

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