Was spricht für eine Vor-/Endstufen-Kombination, was für einen AV-Receiver oder – Verstärker?

Marantz AV-Vor-/Endstufen-Kombi: Links 13.4-Kanal AV-Vorstufe Marantz AV20, rechts: 12-Kanal-Endstufe Marantz AMP20
Oft überlegt man sich, geht es um eine Neuanschaffung, ob man einen AV-Receiver, einen AV-Verstärker oder eine AV-Vorstufe, auch AV-Vorverstärker oder AV-Prozessor genannt, kombiniert mit einer passenden Endstufe, kaufen soll.
Ein AV-Receiver ist ein AV-Vollverstärker plus zusätzlichem Tuner, meist FM/AM, immer häufiger auch mit DAB/DAB+ Digitalradiotuner. Fehlt der Tuner, handelt es sich um einen AV-Verstärker. Mittlerweile gibt es deutlich weniger AV-Receiver im Vergleich zu früheren Zeiten, Denon zum Beispiel ist dazu übergegangen, praktisch nur noch AV-Verstärker anzubieten.
Bei Vor-/Endstufen-Kombinationen wird eine Vorstufe mit einer passenden Endstufe oder mehreren passenden Endstufen kombiniert. Die Verbindung zwischen Vor- und Endstufe kann, je nach der Anschlussbestückung der jeweiligen Komponenten, entweder per XLR- oder per Cinch-Kabel erfolgen. Hochwertige AV-Vorstufen und darauf abgestimmte Endstufen besitzen meist symmetrische XLR-Terminals, die man auch aus der Profitechnik kennt.
- Genug HDMI-Terminals, Standard mindestens HDMI 2.1 plus HCDP 2.3 inklusive Kompatibilität zu HDR10, HLG, Dolby Vision und HDR10+. Für eine komfortable Verbindung zum TV für alle Tonformate inklusive 3D Audio ist, eARC praktisch immer mit dabei. Standard sind heute 6 Eingänge und 1 Ausgang, schon bezahlbare Modelle kommen mit 8 Eingängen und 2 Ausgängen. Topmodelle haben dann gleich drei Ausgänge. Bei den ganzen HDMI-Terminals stellt sich aber oft die Frage nach dem praktischen Nutzen. Kaum jemand wird ernsthaft mehr als drei oder vier, und das ist schon hoch gegriffen, HDMI-Zuspieler haben. Zudem bietet meist der Smart-TV schon drei oder vier HDMI-Slots, und mittels HDMI-eARC gibt der AV-Verstärker/-Prozessor/-Receiver dann ohnehin den Ton des Smart-TVs und der daran angeschlossenen Devices wieder. Sinn macht die ganze HDMI-Sektion dann, wenn man z.B. einen Projektor nutzt und der AV-Receiver-/Verstärker-/Prozessor gleich neben den Zuspielern steht, während der Beamer in einiger Entfernung an der Decke angebracht ist.
- WiFi (Dual-Band) und Bluetooth sind selbstverständlich, ebenso eine Ethernetbuchse.
- Streaming-Plattform integriert. Diese erlaubt den komfortablen Zugriff auf Musik-Streamingdienste wie Qobuz, Tidal oder Spotify (mittlerweile in den jeweiligen Connect-Versionen, das heißt, der AV-Verstärker, der AV-Prozessor oder AV-Receiver kann direkt als Wiedergabegerät in der App des Streamingdienstes angewählt werden). Zudem den Zugriff auf die eigene Musik (vom Home Server, Mac/PC, Notebook, NAS-System, Tablet oder Smartphone) möglich. Apple AirPlay 2 ist ebenfalls ein Standardfeature, Google Chromecast hingegen unterstützen nicht alle Marken. Hinzu kommt die Kompatibilität zu Google Assistant, Amazon Alexa und Apple Siri – nicht jedes Gerät ist aber zu allen drei Sprachassistenten kompatibel. Grundsätzlich benötigt man zusätzlich einen externen Lautsprecher mit Mikrofonen.
- Kompatibilität zu Hi-Res-Audio. Hier stehen meist DSD (2,8/5,6/öfters sogar 11,2 MHz), WAV, ALAC, AIFF, FLAC (bis 192 kHz/24-Bit Stereo) bereit. MQA-Decoder sind bei AV-Verstärkern/Receivern nicht besonders weit verbreitet.
- On Screen-Menü mit Einrichtungsassistent oder App für die Ersteinrichtung ist bei vielen Modellen mit dabei.
- Steuerung erfolgt über mitgelieferte Fernbedienung oder über die zugehörige AV-App.
Dass AV-Verstärker-/Receiver am meisten verbreitet sind, hat gute Gründe: Denn man bekommt alles unkompliziert in einem Gerät serviert und muss sich um nichts weiteres kümmern. Zudem ist ein einzelner AV-Verstärker oder -Receiver einfacher unterzubringen als ein Vorverstärker und eine Endstufe oder gar mehrere Endstufen.
Viele Anwender möchten einen klassischen Tuner verwenden und greifen dann zu einem AV-Receiver. Dieser schon erwähnte analoge und/oder digitale Radiotuner hat nichts mit der auch bei AV-Verstärkern und AV-Vorstufen enthaltenen Internet Radio-Funktion zu tun. AV-Verstärker-/Receiver gibt es bereits in qualitativ überzeugender Form ab rund 700 EUR, Top-Geräte kosten 3.000 bis gut 5.0000 EUR.
Anderes Anwendungsbeispiel: Der AV-Verstärker oder -Receiver soll auch im Stereobetrieb überzeugen. Dann schließt man an die Vorverstärkerausgänge L/R des AV-Receivers/Verstärkers eine besonders hochwertige Endstufe an, die dann bei der Stereowiedergabe eine hörbar gesteigerte Klangqualität offerieren kann.
AV-Vor-/Endstufenkombinationen bieten generell den Vorteil, dass es durch die komplett getrennten Gehäuse zu keinen internen Störungen wie bei einem AV-Verstärker oder AV-Receiver kommen kann. Zudem sind sie zwar oft deutlich teurer in der Anschaffung, dafür aber kann man, wenn neue Tonformate kommen, welche die Vorstufe nicht mehr beherrscht, nur diese austauschen und die Endstufe und/oder die Endstufen behalten.
Fazit
AV-Vorstufen in Verbindung mit Mehrkanal-Endstufen richten sich an besonders anspruchsvolle Anwender, die auf höchste Signalreinheit, Belastbarkeit und auf eine kalkulierbare Zukunftssicherheit Wert legen – im Bedarfsfall muss nur die Vorstufe ausgewechselt werden. AV-Verstärker und AV-Receiver sind in den jetzigen Zeiten ebenfalls bereits enorm leistungsstark, ganz besonders dann, wenn man sich den Modellen der Oberklasse zuwendet.
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