Warum einen AV-Receiver der Oberklasse kaufen?
Aktuell ist das Angebot an AV-Receivern und AV-Verstärkern insgesamt kleiner geworden. Festzustellen ist, dass bereits Geräte, die unterhalb der 1.000 EUR-Grenze liegen, enormen Ausstattungsstandard, eine sehr solide Verarbeitung und einen tadellosen Klang bieten. Streaming, inklusive der Kompatibilität zu nahezu allen relevanten Musik-Streamingdiensten und der Wiedergabe von Hi-Res-Audiodateien, ist ebenfalls schon in diesem Preisbereich vollumfänglich integriert.
Trotzdem kann es lohnenswert sein, sich ein teureres Modell zu kaufen. Wo liegen genau die Vorteile von AV-Verstärkern und AV-Receivern gehobener Preisklassen ab rund 1.500 EUR?
Wir haben verschiedene Punkte aufgeführt, die für einen Mehrkanal-Receiver-/Verstärker gehobener Preisklassen sprechen:
- Mehr Endstufen. Neun, elf oder gar 15 Endstufen (wie beim Denon AVC-A1H) bei den großen Mehrkanal-Receivern erweitern die Einsatzmöglichkeiten deutlich. So kann man bei einem Neunkanal-Gerät für Dolby Atmos/DTS:X ein 5.1.4-Setup einsetzen, mit vier Height-Lautsprechern: Je zwei vorn und zwei hinten. AV-Receiver mit elf Endstufen ermöglichen es als weitere Ergänzung, zwei Extended Surround-Lautsprecher zusätzlich im Setup zu integrieren (7.1.4-Setup).
- Mehr Decoder: Dolby Atmos und DTS:X decodiert mittlerweile praktisch jeder AV-Verstärker oder AV-Receiver. Für die meisten Anwender reicht dies auch aus. Größere Modelle bieten dann als weiteres 3D-Audioformat Auro-3D an. Natives Material in diesem Standard gibt es zwar nur wenig, aber der geniale Auro-Matic Audio-Upscaler führt ein äußerst gelungenes Hochskalieren von klassischem Mehrkanal- und selbst von Stereo-Material durch. Da man sich bei den meisten AV-Verstärkern/-Receivern aussuchen kann, mit welchem Audio-Upscaler das aktuelle Quellmaterial auf 3D hochgerechnet werden soll, kann man auch Dolby- oder DTS-Inhalte mittels Auro-Matic hochskalieren. Zudem bieten gerade teure Denon/Marantz-Modelle noch das Decoding für DTS:X Pro, das nochmals größere Lautsprecher-Konfigurationen zulässt. IMAX Enhanced, weiteres Merkmal teurerer Modelle, ist in Deutschland praktisch irrelevant. Akustisch fußt IMAX Enhanced auf DTS:X, nimmt aber Veränderungen beim Bassmanagement vor. Da es kaum das zwingend erforderliche native IMAX Enhanced-Material (weder per Streaming noch auf Disc) gibt, ist dieses Feature als definitiv nicht zwingend notwendig einzustufen (gilt auch für den visuellen Bereich).
- Höhere Pegelfestigkeit im großen Hörraum. Gerade bei Hörräumen ab 25 Quadratmeter rentiert es sich, nicht an Leistung zu sparen. Transformator, Elektrolyt-Kondensatoren, die Transistoren der Endstufen – all diese Bauteile sind bei großen Mehrkanal-Receivern auf eine höhere Leistungsfähigkeit ausgelegt. Zudem sind meist große Kühlkörper aus Aluminium installiert, die eine effektive Ableitung der beim Verstärkungsprozess entstehenden Wärme ermöglichen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Viele hochwertige AV-Verstärker und -Receiver besitzen noch klassische analoge Class AB-Endstufen beziehungsweise entsprechende Derivate mit hauseigenen Technologien (Beispiel: Arcam Class-G). Bei diesen analogen Endstufen entsteht, im Gegensatz zu digitalen Endstufen, ein beträchtlicher Anteil an sogenannter Verlustwärme – darum ist eine effektive Kühlung so wichtig. Manchmal haben hochwertige Modelle zudem eine Kühlung für den extrem leistungsstarken DSP-Chip, der sich beim Betrieb ebenfalls massiv erwärmen kann.
- Hochwertige D/A-Konverter namhafter Hersteller sind mittlerweile auch schon bei Modellen in einem Preisbereich von 700/800 bis 1.000 EUR vorhanden. Allerdings geht immer noch mehr – Hersteller wie AKM (Asahi Kasei Microdevices), ESS oder Wolfson haben stets nochmals präziser arbeitende D/A-Konverter im Sortiment, die dann in teureren AV-Verstärkern und -Receivern verwendet werden- Zudem kann man auch mehrere, parallel arbeitende DAC-Chips einsetzen, auch dies ist ein Verfahren, das die Präzision der Wandlung weiter steigert und das nur bei teuren Modellen eingesetzt wird.
- Besonders durchdachter Aufbau innen: Mehrere Stromversorgungen/Transformatoren, z.B. für Endstufen, digitale sowie analoge Schaltkreise jeweils getrennt, mehrere Kammern, nach Funktionen aufgeteilt, im Inneren: Bei teuren AV-Verstärkern/-Receivern wird an nichts gespart. Auch die gesamte Verarbeitung im Geräteinneren, dazu zählen Verschraubung, wie die Platinen gesockelt sind oder wie übersichtlich die Verkabelung ausfällt, ist auf einem hohen Niveau.
- Resultierend aus der deutlich höheren Bauteilqualität lassen sich klanglich hörbar bessere Ergebnisse bei AV-Receivern-/Verstärkern gehobener Preisklassen feststellen. Zudem gibt es bei den teuren Modellen geringere Toleranzen bei den einzelnen Bauteilen, das Selektionsverfahren ist merklich strenger. Klanglich vernimmt man eine deutlich ausgeprägtere Feindynamik, mehr Struktur im Klang, authentischere Räumlichkeit und mehr Plastizität: Im Speziellen für Mehrkanal-Musikliebhaber stellen die großen AV-Boliden die bessere Wahl dar. Ob Puccinis „Turandot“ oder die „Farewell Tour“ von den Eagles: Musik wird durch die erweiterten Fähigkeiten des jeweiligen Mehrkanal-Verstärkers/Receivers intensiver empfunden.
- Deutliche klangliche Vorteile im Stereo-Betrieb. Es ist erstaunlich, wie gut schon AV-Verstärker-/Receiver bei der Zweikanalwiedergabe klingen, doch dem versierten Stereo-Liebhaber wird es definitiv zu wenig sein. Daher lohnt sich der Griff zu einem teureren Modell, soll nicht noch eine separate Stereoanlage betrieben werden. Die Bühne steht stabiler, die einzelnen akustischen Ebenen sind besser zu unterscheiden und Stimmen lösen sich deutlich besser von den Lautsprechern. Um in den Genuss der verbesserten Stereoqualitäten zu kommen, ist es aber unerlässlich, hochwertige Standlautsprecher (oder Regallautsprecher in Verbindung mit einem musikalisch abgestimmten aktiven Subwoofer) einzusetzen.
- Besseres Herausarbeiten der Vorzüge von High Resolution Audio-Dateien. Ein größerer Dynamikumfang und die Darstellung des Oberwellenbereiches sorgen bei High Resolution Audio-Dateien, die zum Beispiel in FLAC, WAV, ALAC, AIFF oder DSD vorliegen, für mehr Hörvergnügen gerade beim anspruchsvollen Hörer. Schon AV-Receiver/-Verstärker der Liga ab 700/800 EUR geben alle relevanten Hi-Res-Audio-Formate wieder, allerdings kommen aufgrund der einfacheren Baugruppen an Bord die akustischen Vorzüge nicht so überzeugend zum Tragen. Die insgesamt deutlich höherwertigen Baugruppen, die in AV-Receivern der Oberklasse stecken, sind hier für ein akustisch überzeugendes Herausarbeiten der Vorzüge von Hi-Res-Audiodateien verantwortlich. Natürlich ist es elementar wichtig, dass auch ein erstklassiges angeschlossenes Lautsprechersystem zur Verfügung steht.
- Umfassendere Anschlussauswahl: Bereits AV-Verstärker-/Receiver der Liga um 700/800 EUR offerieren einen Vielzahl der heutzutage unerlässlichen HDMI-Terminals. Wer aber ein extrem aufwändiges Setup betreiben und dazu beispielsweise vier aktive Subwoofer installieren möchte, findet in teuren Modellen teilweise die passenden vier Subwoofer-Pre-Outs vor (z.B. große Denon-Modelle). Ebenso sind Mehrkanal-Pre-Outs für den Anschluss externer Endstufen zu finden, sollte die Leistung der im AV-Receiver oder AV-Verstärker eingebauten Verstärkereinheiten nicht ausreichen.
- Extrem leistungsfähige DSP-Prozessoren, zum Beispiel von Analog Devices oder Texas Instruments, sorgen für höchst exaktes Decoding, auch der objektbasierten Audio-Formate DTS:X, Dolby Atmos und Auro-3D. Durch die erhöhte Rechenleistung der internen CPU-Einheit ist ferner ein besonders exaktes Einmessen des angeschlossenen Lautsprecher-Setups durch das bordeigene Lautsprechereinmess- und Room EQ-Systems möglich.
- Gehäuse und Chassis sind aufwändiger gehalten. Noch weniger Resonanzen und Vibrationen stören das reine Hörvergnügen.
- Eine höhere Langzeitstabilität: Die bereits angesprochenen Vorzüge kostenintensiverer AV-Verstärker/Receiver die Qualität der verwendeten Bauteile betreffend manifestiert sich auch in einer besseren Haltbarkeit des Geräts.
Fazit
Es ist erstaunlich, welche Performance mit AV-Receivern und Verstärkern der mittleren Preisklasse um 700/800 bis 1.000 Euro bereits möglich ist. Dennoch zeigt unsere Übersicht die Bereiche, in denen Modelle der Ober- und Premiumklasse noch stärker, leistungsfähiger und flexibler sind, klar auf. Ob man nun zum Preis/Leistungs-Champion der Mittelklasse oder dem über alles erhabenen AV-Boliden greift, muss man letztendlich anhand des eigenen Anforderungsprofils selbst entscheiden.
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