Canton GLE 80 S2 Test – Viel Klang fürs Geld in der Mittelklasse
Cantons GLE-Serie war und ist stets eine sichere Bank. Seit Generationen steht die Einstiegs-Lautsprecherserie der Lautsprecher- und Elektronikmanufaktur aus dem Taunus für ausgesprochen überzeugenden Klang für vergleichsweise kleines Geld. Hinzu kommt, dass Canton bei der GLE-Serie stets eine außergewöhnliche Vielfalt im Modellprogramm fokussiert.
Aktuell finden sich neben verschiedenen Wandlautsprechern, Mehrkanal-Ergänzungen (Center & flexibel zu verwendende Lautsprecher für 3D-Audio) und Regalboxen gleich fünf verschiedene Standlautsprecher (bezieht man die GLE 90 AR S2 mit oben integrierten Dolby Atmos-Modulen mit ein). Auch drei passende aktive Basslautsprecher aus der „Power Sub S2“-Serie finden sich Portfolio des Herstellers aus Weilrod.
Warum wir uns für den GLE 80 S2 entschieden haben
Wir haben uns bewusst für den Canton GLE 80 S2 Standlautsprecher entschieden, da dieses Modell schlanke Abmessungen mit einer soliden akustischen Leistungsstärke verbinden könnte, so unsere Vermutung. 649 EUR kostet ein Lautsprecher, und lieferbar ist er in schwarzer oder weißer Dekorausführung.
Das ist der einzige Nachteil, den wir spontan finden können, der GLE 90 S2 ist, als einziger Standlautsprecher der Serie, zusätzlich noch in den Farbvarianten Makassar und Nussbaum Dekor lieferbar. Mit einem Stückpreis von 649 EUR fällt der GLE 80 S2 definitiv in die Sparte „fair kalkuliert“.
Vento-Serie als Vorbild
Schauen wir uns zunächst an, was Canton alles an der GLE S2-Baureihe verändert und verbessert hat. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich das hessische Entwicklerteam in Bezug auf die Chassis-Technologie stark an den preislich deutlich darüber rangierenden Vento-Lautsprechern orientiert hat. Schauen wir uns das jeweils verwendete Membranmaterial an. Bei den Vento-Schallwandlern verwendet Canton Aluminium-Titanium-Graphit als Materialmix, der exzellente Impulstreue mit hoher Belastbarkeit vereinen kann.
Bei den GLE S2-Lautsprechern verwendet der Hersteller in der aktuellen Generation Aluminium-Titan in schwarzer Optik. Also nicht das identische Material, aber sehr ähnliche Herstellungsprozesse, denn bei der Vento-Serie wird nicht lediglich eloxiertes, speziell geformtes Aluminium verwendet.
Aufgeraute Oberfläche
Canton setzt zusätzlich auf einen chemischen Prozess, der die Oberfläche aufraut – mit dem Ziel, durch die offenen Poren auf der Oberseite mehr Fläche zu erzeugen. Die Membran wird also mit dieser offenporigen Struktur eloxiert, und mehr Metallpartikel finden ihren Weg in die Oberfläche und versteifen die Membran zusätzlich. Genau dieses aufwändige, aber gewinnbringende Verfahren setzt Canton nun auch bei den Modellen der GLE S2-Baureihe ein. Optisch sichtbar ist dies, hier können wir eine Analogie zu den Oberklasse-Lautsprechern der Reference-Serie ziehen, in Form einer komplett schwarzen Membran.
Neu entwickelter Hochtöner
Was den 25 mm messenden, komplett neuentwickelten Hochtöner betrifft, verwendet man schwarzes Aluminium. Es finden sich gut erkennbare Unterschiede zur Vorgänger-Baureihe, die auf eine flache Kalotte für die Hochtonwiedergabe setzte. Nun arbeitet Canton mit einer Kalotte, die über eine hohe Kuppel verfügt, und das Schwingsystem richtet sich an den Modellen der Serien Vento und Reference aus.
Zu den Daten
Der Canton GLE 80 S2 ist als Dreiwege-Bassreflexlautsprecher ausgelegt. Im Bassbereich kommt eine Doppelbestückung (2 x 174 mm-Tieftöner) zum Einsatz, ergänzt wird das Treibersortiment von einem ebenfalls 174 mm messenden Mitteltöner und dem erwähnten 25 mm-Hochtöner. Frequenzen zwischen 23 Hz und 40 kHz kann der GLE 80 S2 darstellen, enorm für die Preisklasse. Mit dem erweiterten Hochtonbereich eignet sich der Lautsprecher sogar für die Wiedergabe von High Resolution Audio-Dateien.
Mit einem Wirkungsgrad von 89,5 dB (2,83V/1m) wird ein im guten Durchschnitt liegender Wert realisiert. Man sollte schon einen eher kräftigen Verstärker mit einer stabilen Dauerleistung zwischen rund 50 und 100 Watt pro Kanal verwenden. Das passt gut zu den Angaben des Canton GLE 80 S2 – hier nennt der Hersteller 130 Watt (Nennbelastbarkeit) und 280 Watt Impulsbelastbarkeit.
Mit 100 cm Höhe, 19 cm Breite und 30 cm Tiefe findet der Standlautsprecher auch dann problemlos Platz, wenn die Verhältnisse am Aufstellungsort eher beengt sind. Da der Canton GLE 80 S2 ein Bassreflexlautsprecher mit rückseitiger Bassreflexöffnung ist, sollte er nicht direkt an der Wand aufgestellt werden.
Solide Verarbeitung
Das MDF-Gehäuse der Canton GLE 80 S2 wurde sorgfältig mit einer schwarzen Dekorfolie versehen, die auch an den Ecken sauber aufgezogen wurde und mit einwandfreier Oberflächenqualität punkten kann. Im Lieferumfang enthalten sind zudem Lautsprecherabdeckgitter aus Holzmaterial, die faltenfrei mit schwarzem Akustikstoff bezogen sind. Die an den Enden gerundeten Schutzgrills sorgen für einen hohen optischen Wiedererkennungswert, sie haften magnetisch. Auf der Rückseite verbaut Canton ebenfalls optisch ansprechende und zudem robuste Lautsprecherkabel-Anschlussterminals mit Acrylummantelung. Sie sind allerdings lediglich in Single-Wiring-Form und nicht als Bi-Wiring-Terminal vorhanden.
Klanglich weit oben
Cantons GLE-Serie war noch nie eine akustische Enttäuschung, aber die aktuelle Baureihe hat wirklich einen hörbaren Sprung nach vorne gemacht. Gerade, was die Transparenz im Hochtonbereich, aber auch, was die Auflösung über den gesamten Frequenzbereich angeht, liegt der GLE 80 S2 deutlich über dem Niveau der Preisklasse. Auch, was die gebotene maximale Dynamik angeht, agiert der hessische Lautsprecher hervorragend.
Wir starten gleich furios, mit „Over The Hills And Far Away“ in der Coverversion von Nightwish. Und der GLE 80 S2 bietet einen straffen, nachdrücklichen Bassbereich sogar dann, wenn man mit deutlich erhöhter Lautstärke hört. Auch beim Trance-Klassiker „Universal Nation“ von Push wird deutlich, dass der Canton GLE 80 S2 erstaunlich souverän aufspielt und er auch bezüglich des möglichen Tiefgangs sehr gute Ergebnisse erzielt.
Überzeugende Darstellung vokaler Elemente
Allerdings sind unsere Testkandidaten auch in der Lage, bei klar auf die Stimme fokussierten Titeln zu überzeugen. Als Beispiele haben wir hier „Ain’t No Sunshine“ von Eva Cassidy und „Nessun Dorma“ aus Puccinis Oper Turandot, gesungen von Startenor Jonas Kaufmann, gewählt. Vokale Konturen stellt der Canton-Standlautsprecher mit Klarheit und Plastizität dar, und er schafft es zudem, stimmtypische Charakteristika herauszuarbeiten.
Zum Schluss der Klangwertung hören wir mit „Nothing Else Matters“ in der Version aus dem Film „Jungle Cruise“ (Metallica, James Newton Howard) nochmals ein Stück, das aufgrund seiner Vielfalt an akustischen Mustern und zahlreichen Dynamiksprüngen extrem schwierig wiederzugeben ist. Als Zuspieler hatten wir mit den beiden Vollverstärkern (der eine mit Streaming-Abteilung) NAD C 3030 und HiFi-ROSE RS520 zwei Geräte völlig unterschiedlicher Preisklassen am Start – und sowohl mit dem günstigen NAD (999 EUR) als auch mit dem deutlich teureren RS520 (3.699 EUR) bot der Canton GLE 80 S2 eine eindrucksvolle Präsentation des Titels. Und er war auch in der Lage, das Plus an Leistung, Dynamik und subtiler Räumlichkeit, das der teurere RS520 offeriert, akustisch eindrucksvoll umzusetzen.
Fazit
Zum Stückpreis von 649 EUR stellt der Dreiwege-Standlautsprecher Canton GLE 80 S2 ein sehr attraktives Angebot dar. Er ist sehr sauber verarbeitet und überzeugt mit aufwändiger Membrantechnologie, die an die deutlich teurere Vento-Serie angelehnt ist. Das merkt man in der akustischen Praxis, denn hier agieren die GLE 80 S2 dynamisch und zugleich sehr angenehm. Die Pegelfestigkeit ist verblüffend ausgeprägt, das hätten wir bei den 100 cm in der Höhe messenden, schlanken Lautsprechern nicht für möglich gehalten.
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