Onkyo ICON P-80 Test - Streaming-Vorstufe mit Dirac Live, starker Ausstattung und hoher klanglicher Souveränität
- Elegante Optik
- Gute Verarbeitung außen
- Flexible Streamingoptionen
- Controller App nicht konsequent ins Deutsche übersetzt
Fazit:
Großer Trumpf des P-80 ist seine extrem umfangreiche Ausstattung. So sind sämtliche Merkmale moderner Streaming-Optionen an Bord, und es gibt sogar zwei verschiedene Lautsprecher-Einmesssysteme...
- Moderne und Klassik perfekt vereint
- Für alles gewappnet
- Praxisgerechte Anschlussbestückung
- Fernbedienung im eleganten Design
- App mit enormer Funktionsvielfalt
- Onkyo Controller
- Einmessen direkt aus der App
- Dirac Live
- Verschiedene „Sweet Spots“ möglich
- Dirac Live arbeitet sehr effektiv
- Das Equipment
- Klanglich sehr ausgewogen und lebendig
- In jeder Kombination überzeugend
- Fazit
Onkyo feiert aktuell ein großes Comeback – mit neuen, frischen Produkten, die zeitgemäße Ausstattung mit sauberer Verarbeitung und eleganter Optik verbinden. Zu den Geräten, die für diese Erfolgsgeschichte verantwortlich sind, gehört auch die Stereo-Streamingvorstufe ICON P-80, die wahlweise in schwarzer oder silberfarbener Ausführung für 1.499 EUR angeboten wird. Perfekter Partner ist die Stereo-Endstufe M-80, die auf 1.599 EUR kommt.
Moderne und Klassik perfekt vereint
Onkyo beschreitet mit der ICON-Serie, zu der außer der Vorstufe P-80, der Endstufe M-80 auch noch der Streaming-Vollverstärker A-50 und der CD-Player C-30 gehört, bezüglich des Designs andere Wege als früher. So wecken der Onkyo-Schriftzug, die Produktbezeichnung und der Metallschalter zur Aktivierung der „Direct“ Funktion (für möglichst kurze Signalwege) nostalgische Erinnerungen, während der zentral untergebrachte Lautstärkedrehregler äußerst modern in Erscheinung tritt.
Die geriffelten Gehäuseseitenteile geben einen interessanten Kontrast zur Frontblende ab. Auf der linken Seite des Gehäuses befinden sich noch Standby-Schalter – dieser wirkt sehr zeitgemäß und ist hervorragend eingepasst – und die Buchse für den Anschluss eines Kopfhörers. Im rechten Teil der Gerätefront ist noch der Regler für die Eingangswahl. Leider gibt es kein Display, dadurch wirkt die Front des P-80 zwar sehr „clean“, aber es fehlen Informationen zum laufenden Betrieb.
Nun schauen wir uns das Innenleben des P-80 an. Immerhin sind der Trafo und die gesamte Netzteilsektion durch ein Abschirmblech vom Rest des Innenlebens getrennt worden – ansonsten mag keine große Begeisterung aufkommen, wobei man hier bedenken muss, dass die P-80 Vorstufe mit 1.499 EUR auch nicht überdurchschnittlich teuer ist. Die einzelnen Bauteile sind allerdings von guter Qualität.
Die Japaner setzen auf einen D/A-Wandler, der bis zu 768 kHz/32-Bit (PCM) beziehungsweise bis zu DSD512 nativ handhaben kann, was absolut zeitgemäß ist. Ebenso ist der „Dynamic Intermodulation Reduction Circuitry“, kurz DIDRC, Bestandteil der Ausstattung. Dieses technischen Merkmal beinhaltet eine patentiere Schaltung, die einen lebendigen und zugleich angenehmen Klang garantieren soll. DIDRC funktioniert als diskrete Signalsteuerungsschaltung, die wir im analogen Filter des D/A-Wandlers lokalisieren. Die enorme Anstiegsgeschwindigkeit von DIDRC setzt störendes Rauschen spürbar herab, was der akustischen Detailtreue zugutekommt.
Für alles gewappnet
Die umfangreiche Ausstattung haben wir bereits bei unserem Test des Streaming-Vollverstärkers Onkyo ICON A-50 gelobt. Und auch die P-80 Vorstufe gibt sich keinerlei Blöße, gerade wenn es um flexible, umfangreiche Streaming-Optionen geht. Google Cast und Apple AirPlay 2, TIDAL Connect, Spotify Connect plus Qobuz Connect sowie die Roon Ready-Zertifizierung dokumentieren, dass man einfach, praktisch & hochwertig streamen kann.
Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass das präzise vorgehende Dirac Live als Lautsprechereinmesssystem mit Room EQ gleich mitgeliefert wird. Als zweite Möglichkeit zur Einmessung der Lautsprecher steht Onkyos selbst entwickelte, einfachere Raumanpassung Fidelity IQ bereit.
Die Anschlusssektion, auf die wir gleich noch genauer eingehen, umfasst auch ein HDMI-ARC-Terminal zwecks der einfachen Verbindung mit dem Smart-TV.
Praxisgerechte Anschlussbestückung
Natürlich bringt der P-80 Vorverstärker Antennen für Bluetooth und WiFi mit, die sich wie üblich auf der Rückseite befinden und die für optimale Empfangsbedingungen hochgeklappt werden müssen. Vorne befinden sich noch die Kopfhörerbuchse und die Anschlussbuchse fürs mitgelieferte Einmessmikrofon. Gehen wir die Anschlüsse hinten von links nach rechts durch. Das Sortiment beginnt mit einem Phono-Eingang, erfreulicherweise für MM- und MC-Systeme, mit hochwertigen vergoldeten Cinch-Buchsen und Erdungsanschluss.
Es folgen ein optischer sowie ein koaxialer Digitaleingang und ein optischer Digitalausgang. Drei Cinch (RCA) Audio-In-Terminals folgen: CD, Analog 1 und Analog 2. Oben schließen sich dann die HDMI-ARC-Buchse und ein USB-A-Anschluss (5V/1A) sowie eine RJ45 Ethernet-Buchse ein. Gehen wir circa mittig nach unten, freuen wir uns über die zwei Vorverstärkerausgänge zum direkten Anschluss aktiver Subwoofer.
Nun folgt eine echte Überraschung, denn der relativ preisgünstige Vorverstärker lässt beim Anschluss an die Endstufe die Wahl zwischen asymmetrischem Cinch und symmetrischem XLR. Die Buchsen beider Anschlussformen sind hochwertig. Ganz rechts ist doch der Kaltgeräte-Netzsteckeranschluss.
Fernbedienung im eleganten Design
Nett sieht sie aus, die mitgelieferte Fernbedienung, aber ein Wunder an Hochwertigkeit ist sie bezüglich ihrer Materialqualität nicht. Wie sieht es mit dem Layout aus? In der obersten Reihe befinden sich der Standby-Knopf sowie ein zusätzlicher Knopf, um die LED-Beleuchtung an der Vorstufe entweder ein- oder auszuschalten. Es folgen dedizierte Tasten für sämtliche Eingänge. Darunter lokalisieren wir die „My Input Select“-Knöpfe (1, 2, 3, 4) sowie die „Tune Control“ (Titelsprung rückwärts, Play-/Pause, Titelsprung vorwärts).
Setzen wir unseren Weg nach unten fort, begegnen wir dem Lautstärke-Wippregler, darunter befindet sich die Mute-Taste. Darin schließen sich die Tonkontrolle Höhen und Bässe betreffend sowie der Balance-Regler an. Die Bedienknöpfe der Fernbedienung sind angenehm zu drücken, da eine leichte Gummierung aufgebracht wurde.
Ansprechverhalten, Reichweite und Arbeitswinkel der Fernbedienung sind tadellos.
App mit enormer Funktionsvielfalt
Selbstverständlich gibt es eine App für die Einrichtung und die Bedienung des ICON P-80 – sie hört auf den Namen „Onkyo Controller“ und steht selbstverständlich kostenlos in den jeweiligen Stores bereit. Nachdem wir die App aufs Smartphone heruntergeladen haben, kann man die Nutzung von Google Cast durch Bestätigung der Nutzungsbedingungen bestätigen, die identische Prozedur erfolgt für Google Home, möchte man den P-80 zu einem Google Home-basierten Multiroom-System hinzufügen.
Wer TIDAL, Spotify oder Qobuz nutzt, wird sich freuen, dass jeweils die Connect-Version vorhanden ist, sodass sich der P-80 direkt aus der App des betreffenden Streaminganbieters als Wiedergabegerät definieren lässt. Nutzlos ist der Onkyo Controller deshalb aber beileibe nicht.
In der App finden sich zahlreiche Punkte zur Geräteeinstellung, und der Anwender ist in der Lage, dem P-80 beispielsweise einen anderen Namen geben und dem Vorverstärker, inklusive passendem Hintergrundbild, eine Hörzone/einen Raum zuzuweisen.
Onkyo Controller
Auch der Zugriff auf alle Quellen kann mittels des Onkyo Controllers erfolgen. Das Sortiment umfasst zudem zahlreiche Einstellmöglichkeiten für Höhen, Vokal/Dialog, Bass sowie Balance, und der Pegel und die Distanz der beiden angeschlossenen Lautsprecher kann manuell festgelegt werden.
Innerhalb der App ist es darüber hinaus möglich, einen Sleep-Timer einzustellen, Informationen zum aktuellen Quellsignal zu erhalten und den Audio-/Video-Sync manuell einzugeben. Die App ist prinzipiell gut gelungen, aber leider wurde sie nicht konsequent in die deutsche Sprache übersetzt.
Einmessen direkt aus der App
Mit der App kann man direkt auf das „Fidelity IQ“ Lautsprechereinmess- und Room-EQ-System zugreifen. Beim Starten des Fidelity IQ wird als erstes die Hörumgebung analysiert, im Anschluss erfolgt das Setzen der passenden Filter. Nach Abschluss der Messungen und der Erstellung der Filter hat man die Wahl: Fidelity IQ kann in den Stufen Niedrig, Mittel sowie Hoch verwendet werden, ebenso besteht die Option, das System zu deaktivieren.
Dirac Live
Wir haben Dirac Live auf unser Notebook geladen, dem System erlaubt, im Netzwerk kompatible Geräten zu suchen und anschließend die Einmessung durchgeführt. Das mitgelieferte Mikrofon wird in den dafür vorgesehenen Anschluss auf der Vorderseite rechts unten beim ICON P-80 eingesteckt. Der Vorverstärker muss für die Dirac-Verwendung im Netzwerk angemeldet und somit aktiv sein. Im folgenden Schritt wählen wir in der Dirac-Anwendung exakt dieses Mikrofon aus, damit die Messungen korrekt ablaufen. Nachdem der Messpegels justiert ist, wird die Auswahl für den Sweet Spot festgelegt, für den die Messung durchgeführt werden soll.
Verschiedene „Sweet Spots“ möglich
Es gibt folgende Wahlmöglichkeiten: „Focused“ (ein Hörer, der auf einem festen Sitzplatz untergebracht ist), „Wide“ (kleine Gruppe mit Hörern an verschiedenen Positionen, wie es bei mehreren Personen auf der Couch der Fall ist) sowie „Expanded“ (größerer Sweet Spot für eine von der Anzahl her erweiterte Personengruppe).
Wir entscheiden uns für den „Focused Sweet Spot“, anschließend wird an neun Messpunkten eingemessen. Verwendet man „Wide“, misst Dirac Live an 13 Punkten ein, bei „Expanded“ sind es 17 unterschiedliche Positionen, die eingemessen werden.
Dirac Live arbeitet sehr effektiv
Jetzt beginnt die Einmessung mittels Dirac Live, und es besteht die Option, über die neun Hörpunkte hinaus weitere Einmessungen durchzuführen – wenn man möchte. Nach der Einmessung kann man die von Dirac Live ermittelten Filter betrachten, getrennt für den linken sowie den rechten Kanal. Im letzten Schritt wird das Filterdesign gespeichert und auf den Onkyo übertragen. Wirkt sich die Einmessung mittels Dirac Live auch positiv auf die Akustik aus?
Wir haben schon öfters mit diesem Einmess- und Room EQ-System gearbeitet und waren stets überzeugt von der Wirkung. Dirac Live erkennt raumakustische Schwächen präzise und wählt geschickt die passenden Filter aus, um negative Einflüsse wirkungsvoll einzudämmen. Auch beim ICON P-80 kann Dirac Live an unseren Wharfedale Elysian 3 überzeugen.
Wir haben bewusst auch mal einen kritischen, weil akustisch sehr lebendigen Raum (Steinboden, keine Tapete, sondern nur verputzte Wände etc.) gewählt, um es dem System „richtig schwer“ zu machen. Aber Dirac Live ließ sich nicht beeindrucken: Der zuvor vorhandene, störende Hall wurde tadellos eingedämmt, der Bass dröhnt kaum noch, und trotzdem wurde die feine, transparente Auslegung der Wharfedale Elysian 3 im Hochtonbereich nicht eingeschränkt.
Das Equipment
Wir haben den Onkyo ICON P-80 Vorverstärker an verschiedenen Endstufen betrieben: An der NAD C 298 und an der passenden Onkyo M-80 sowie am Marantz MODEL 30 (den man auch als Endstufe durch die AMP In-Buchsen verwenden kann). Zudem haben wir die interne Streamingfunktion genutzt (Titel von TIDAL Connect und von Spotify Connect zugespielt) sowie den Thorens TD 403 DD Plattenspieler mit Direktantrieb zur Zuspielung analoger Signale von Vinyl eingesetzt. Als Lautsprecher angeschlossen haben wir die edlen Wharfedale Elysian 3, aber auch die preisgünstigen und dafür erstaunlich klangstarken Canton GLE 80 S2.
Klanglich sehr ausgewogen und lebendig
Natürlich harmoniert die Kombination Onkyo P-80 und Onkyo M-80 besonders gut miteinander. Bei Diana Kralls „Stop This World“ überzeugen die Onkyo-Komponenten durch eine lebendige, räumlich sauber aufgebaute Darstellung, die auch eine charismatische Präsentation von Dianas leicht rauchiger, mitreißender Stimme beinhaltet. Und auch, wenn zahlreiche Dynamiksprünge im Material enthalten sind, wie beim „Imperial March“ von John Williams, agiert die P-80 Vorstufe mit enormer Impulstreue und einer authentischen akustischen Auslegung.
Nachdem wir die beiden ersten Titel per Streaming zugespielt haben, folgt jetzt Material von Schallplatte: Eva Cassidys „Ain’t No Sunshine“ wirkt feindynamisch akkurat gegliedert, Stimme und Instrumente werden feinfühlig wiedergegeben. Mit richtig Schwung und Nachdruck kommt der Nirvana-Klassiker „Smells Like Teen Spirit“ heraus – der Onkyo P-80 Vorverstärker nimmt sich auch hier wieder allen akustischen Elementen mit Sorgfalt an. Als Boxen haben wir hier die Wharfedale Elysian 3 verwendet.
In jeder Kombination überzeugend
Nun wechseln wir auf die NAD C298, belassen den Rest. Die vier Titel hören wir auch in dieser Kombination – und stellen fest, dass der C298 Endverstärker etwas kühler abgestimmt ist und bei der maximalen Dynamik noch entschlossener auftritt. Onkyo P-80 macht sich aber auch hier sehr gut. Der Marantz MODEL 30 als Endverstärker, zusammen mit den günstigen Canton GLE 80 S2, ist auch eine überzeugende Lösung, obwohl genau diese Kombination vermutlich niemand in der Praxis nutzen würde. Die sehr preisgünstigen GLE 80 S2 zeigen sich keinesfalls überfordert, sondern holen eine harmonische, in sich schlüssige und sogar recht gut detaillierte Akustik heraus. Was sollen diese Testreihen zeigen?
Nun, es kristallisiert sich ein gut definierter Charakter der P-80 Vorstufe heraus. Sie agiert sehr klar und offeriert eine ausgezeichnete Gesamt- und Feindynamik. Die Impulstreue liegt sehr hoch, und auch die charismatische Wiedergabe von Vinylmaterial gelingt auf hohem Level, erstaunlich für die Preisklasse.
Fazit
Onkyo liefert mit der P-80 eine optisch sehr attraktive, reichhaltig ausgestattete Stereovorstufe ab, die sich äußerst flexibel einsetzen lässt. Die Optik zitiert einige nostalgisch anmutenden Details und kombiniert diese geschickt mit modernen Elementen. Das Innenleben des P-80 ist preisklassengemäß gestaltet, hier merkt man aber verständlicherweise hinsichtlich der Gesamtanmutung schon einen Unterschied zu teureren Vorstufen. Das gilt in ähnlicher Form auch für die mitgelieferte Fernbedienung. Sie sieht zwar recht gut aus, die Materialqualität hebt sich aber nicht durch enorme Hochwertigkeit hervor.
Großer Trumpf des P-80 ist seine extrem umfangreiche Ausstattung. So sind sämtliche Merkmale moderner Streaming-Optionen an Bord, und es gibt sogar zwei verschiedene Lautsprecher-Einmesssysteme, eines von Onkyo und dazu das sehr effektiv arbeitende Dirac Live. Auch die Anschlussbestückung überzeugt auf ganzer Linie. HDMI-ARC, zwei Vorverstärkerausgänge zum Anschluss aktiver Subwoofer, und eine passende Endstufe kann entweder per XLR oder per Cinch verbunden werden. Phono-Fans können sich ebenfalls freuen, denn es werden MM- und MC-Tonabnehmersysteme unterstützt.
Akustisch erbringt der Vorverstärker aus der ICON-Serie saubere Leistungen: Er klingt detailreich, lebendig und homogen – hier ragt er klar aus seiner Preisklasse heraus.
laden...





























