Technics SL-1200GR2 Test - Plattenspieler mit Direktantrieb
- Direktantriebsmotor schon 1970
- 2016: Technics optimiert den Direktantrieb weiter
- Hochwertiger Plattenteller
- S-förmiger Hightech-Tonarm
- Hochstabiles Aluminium-Druckguss-Chassis
- Anschlüsse in Top-Qualität
- Dynavector MC-Tonabnehmer
- Handhabung
- Präziser, vielschichtiger Klang
- Tiefgründige und emotionale Stimmwiedergabe
- Souveräner Gleichlauf und DJ-Gene
- Ein wahrer Alleskönner
- Klanglich exzellent, hochwertig, langlebig: Unser Fazit
Wir haben den direktangetriebenen Plattenspieler Technics SL-1200GR, der auf 1.999 Euro kommt, zusammen mit dem sehr hochwertigen MC-Tonabnehmer-System Dynavector XX-2 MKII für 1.700 Euro, einem ausführlichen Test unterzogen. Als Verstärker greifen wir auf den Soulnote A-1 für 3.590 EUR zurück, als Phono-Vorstufe verwenden wir den anerkannt guten Soulnote E-1 für 3.990 Euro.
Schauen wir uns in den folgenden Abschnitten die Technik und die Ausstattung sowie die grundlegenden technischen Merkmale des Technics SL-1200GR2 aus der „Grand Class“-Baureihe an.
Direktantriebsmotor schon 1970
Zentrales Merkmal des SL-1200GR2 ist der eisenkernlose Direktantriebsmotor. Das gesamte System besteht aus der Tellerachse, der Rotorabdeckung, einem Magneten, der Wicklungsspule, dem Statorträger und dem Lagergehäuse. Technics ist Pionier dieser Antriebstechnologie und brachte bereits viele Jahrzehnte früher, präzise im Jahr 1970, den damals weltweit ersten Plattenspieler mit Direktantrieb auf den Markt. Während andere Plattenspieler mit Riemen- oder Reibradantrieb arbeiten und dabei der Riemen über einen Pulley gezogen wird, treibt der Motor des SL-1200GR2 den Vinyl-Experten ohne Umwege an.
Laut Technics arbeitet der Motor mit niedriger Drehzahl, und weder vom Motor herrührende Vibrationen noch Reibungsverluste mischen sich störend in den Antriebskreislauf. Zudem müssen keine bewegten Teile gewartet werden, und der Direktantrieb steht für enorme Langlebigkeit. Dass moderne Plattenspieler mit Riemenantrieb hier mittlerweile auch auf einem sehr hohen Niveau operieren, möchten wir natürlich nicht verschweigen.
2016: Technics optimiert den Direktantrieb weiter
2016 dann führte Technics den eisenkernlosen Direktantriebsmotor ein. Dieser setzte auf einen äußerst flachen Zwillingsrotor an beiden Seiten der Statorspule. Aufgrund der Tatsache, dass die Statorspulen nun keinen Eisenkern mehr benötigten, konnte das zuvor störende, aufgrund magnetischer Wechselwirkungen auftretende Rastmoment vermieden werden.
Der neue Motor wurde für den SL-1200G entwickelt, und das Modell wurde ein großer Erfolg. Beim SL-1200GR2 stand dieses System ebenfalls Pate, und wird bei unserem Testkandidaten nur in etwas weniger aufwändiger Form umgesetzt. Auch beim SL-1200GR2 wird ein eisenkernloser Direktantriebsmotor verbaut, dieser nutzt jedoch einen Einzelrotor, der aber ebenfalls nicht mit dem störenden Rastmoment aufwartet.
Hochwertiger Plattenteller
Nicht vergessen dürfen wir den überaus hochwertigen Plattenteller. Er beeindruckt durch seine hohe mechanische Steifigkeit bei zugleich enormer Vibrationsdämpfung. Die gesamte Rückseite des aus Aluminium-Druckguss gefertigten Plattentellers ist mit vibrationshemmendem Kautschuk versehen worden. Mittels dieser Maßnahme können sich keine Resonanzen über den Plattenteller ausbreiten – demnach beste Voraussetzungen für einen klaren, sauberen, feinen Klang.
Entlang einer speziellen Simulation wurde die Form des Aluminiumteller-Gussteils verbessert. Die sogenannte „träge Masse“ wurde erhöht, und Vibrationen konnten herabgesetzt werden. Verstärkungsrippen auf der Rückseite sind für eine Erhöhung der Steifigkeit zuständig.
S-förmiger Hightech-Tonarm
Dem Tonarm kommt eine wichtige Rolle zu, soll er doch, wenn er korrekt eingestellt ist, dem Tonabnehmersystem an dessen Spitze ermöglichen, die Rillen der Platte mit größtmöglicher Präzision abzutasten. Beim SL-1200GR2 setzen die Japaner auf einen S-förmigen Tonarm – ein schon beinahe legendäres Merkmal der Plattenspieler aus dem Hause Technics. Hergestellt wird der Tonarm aus einem enorm leichten, zugleich steifen Aluminiumprofil.
Das Lager des Tonarms ist kardanisch ausgeführt, und die Lagerschenkel sind aus hochpräzise gefertigten Teilen konstruiert, ebenso überzeugen die extrem exakten Nadellager für die Lagerachsen. Mit Hilfe maximaler Präzision bei der Fertigung, in die erfahrene, hoch spezialisierte Fachkräfte eingebunden wurden, wird eine Empfindlichkeit von weniger als 5 mg erzielt. Daher geht der Abtastvorgang der Vinylscheibe äußerst sensibel vonstatten.
Technics liefert den SL-1200GR2 ohne Tonabnehmer aus. Damit viele Systeme kombiniert werden können, packt Technics zusätzlich zum Haupt-Gegengewicht ein Hilfsgewicht in den Lieferumfang.
Hochstabiles Aluminium-Druckguss-Chassis
Das Aluminium-Druckguss-Chassis ist fest mit dem Unterbau aus BMC (Bulk Moulding Compound) verbunden. Daher sprechen wir beim SL-1200GR2 von einer zweischichtigen Gehäusekonstruktion, die sich vorbildlich in Bezug auf die Steifigkeit verhält. Bei den Dämpfungsfüßen, die unterm Chassis befestigt sind und es tragen, verwendet Technics speziellen Silikon-Kautschuk – für dieses Material sprechen eine hohe Vibrationsdämpfung und eine hervorragende Langzeitstabilität. Sich in horizontaler Richtung ausbreitende Vibrationen werden mittels eines zylindrischen Führungsrings aus kleinzelligem Polymer eliminiert.
Durch Schraub-Gewindebolzen kann man die Dämpfungsfüße in der Höhe verstellen. Das verhindert störende Erschütterungen, wenn der SL-1200GR2 zum Beispiel in einem Regal Aufstellung bezieht. Eine optimale horizontale Ausrichtung des Plattenspielers ist darüber hinaus für eine exzellente mechanische Rotationsstabilität ohne störende Unwuchten verantwortlich.
Anschlüsse in Top-Qualität
Der Technics SL-1200GR2 besitzt kein fest integriertes Anschlusskabel, sondern bringt vergoldete Phono-Buchsen (RCA) plus eine vergoldete Masseklemme mit. Das aus Metall bestehende, geschirmte Gehäuse rund um die Anschlussterminals sorgt dafür, dass keine externen Störeinflüsse auf die sensiblen Signale einwirken können.
Dynavector MC-Tonabnehmer
Der Dynavector XX-2 MKII bringt einen 6 mm langen Bor-Nadelträger mit PF-Line Contact-Nadel mit. Dies stellt eine ausgesprochen genaue Abtastung der Rillen der Schallplatte und, daraus resultierend, einen überaus präzisen Klang sicher. Ein Alnico-5-Magnet mit Flux-Dämpfer sorgt für eine stabil bleibende Magnetflussdichte bei gleichzeitig kleinstmöglichen Verzerrungen. Bedingt durch die Ausgangsspannung von 0,28 mV wird der Einsatz des Dynavector XX-2 MKII mit äußerst hochwertigen MC-Phonovorverstärkern möglich gemacht.
Der Hersteller verspricht zudem in einem Bereich von 20 Hz bis 20 kHz (-/+ 1dB) eine exzellente Linearität, was wiederum für einen sehr exakten, ausgewogenen und zugleich authentisch-dynamischen Klang sorgt. Das Gewicht des XX-2 MKII beträgt 8,9 Gramm, die Impedanz wird mit 6 Ohm angegeben.
Handhabung
Sollte man den SL-1200GR2 als DJ-Werkzeug bezeichnen? Schließlich steht Technics für ikonische DJ-Plattenspieler, was allerdings den HiFi-Freund eher abschrecken dürfte. Dass höchstens durchschnittliche akustische Leistungen nicht der Realität entsprechen, zeigt unser SL-1200GR2 später in den Klangtestreihen. Dort kann der SL-1200GR2 mit vielen Eigenschaften aufwarten, die ihn auch für Freude des hochwertigen Sounds sehr interessant machen dürfte. Fest steht aber, dass man den Technics-Vinylexperten einfach in Bezug auf Pitch und Drehzahl handhaben kann. Und der Hobby-DJ kann mit Hingabe dem Scratchen nachgehen.
Zudem bringt er weitere Spezialitäten mit, die wir persönlich richtiggehend gut finden – aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Der Plattenspieler verfügt zum Beispiel für den Plattenteller über eine Pitch-Beleuchtung. Und ebenfalls kann man kontrollieren, ob der SL-1200GR2 „richtig rund läuft“: Eines kleines, blau leuchtendes Licht dient hier als Werkzeug. Auch gibt es ein ausfahrbares Licht fürs Absenken des Tonabnehmers – sehr hilfreich bei unzureichenden Beleuchtungsverhältnissen. Das alles in Kombination ermöglicht eine so einfache, durchdachte Handhabung, dass es eine Freude ist.
Hier wirken sich die zitierten DJ-Gene sehr vorteilhaft aus: Denn der DJ möchte sich, bei meist ziemlich dunklen Lichtverhältnissen, auf sein Set konzentrieren und kann sich nicht mit widerspenstig zu bedienenden Plattendrehern herumärgern.
Präziser, vielschichtiger Klang
Aus akustischer Perspektive bereitet jedes Stück, das wir in dieser Kombination anhören, große Freude. Im Einzelnen hören wir von der Margriet Sjoerdsma-LP „A Tribute to Eva Cassidy“ die beiden Stücke „In The Early Morning Rain“ (Gordon Lightfoot) sowie „Fields Of Gold“ (Sting). Hier beeindruckt uns der Technics SL-1200GR2 in Verbindung mit dem edlen Dynavector MM-Tonabnehmersystem und der ebenfalls hervorragenden Soulnote-Kombination aus A-1 Vollverstärker und E1-Phonovorstufe mit einem sehr präzisen, sehr fundierten und enorm vielschichtigen Klang. Extrem exakt folgt der Dynavector XX-2 MKII den Rillen der Schallplatte, und Margriets Stimme kann sich frei und lebendig im Hörraum entfalten. Auch die Instrumente bestechen durch die feine Ausformung auch kleiner musikalischer Einzelheiten.
Tiefgründige und emotionale Stimmwiedergabe
Diese Eindrücke bestätigen sich bei zwei weiteren Titeln „Siciliano in G-Minor“ (Jaques Loussier) und „Ain’t No Sunshine“ (Eva Cassidy). Wie sauber und wie impulstreu der Technics mit dem hochklassigen MM-Tonabnehmer von Dynavector arbeitet, ist eine wahre Freude. Zudem erzeugt die Darstellung über unsere Kette auch beim erfahrenen HiFi-Hörer echtes Gänsehaut-Feeling: Sehr tiefgründig und emotional, wird hier eine starke Wirkung erzielt.
Legendärer britischer Synthie-Pop von den Pet Shop Boys steht jetzt auf dem Programm: „West End Girls“ und „Suburbia“ sind die zwei Stücke, die wir vom Album „Please“ hören. Neil Tennants Stimme überzeugt uns durch die klare, ehrliche Herausarbeitung der Konturen, und die Trennung von Stimme und Instrumenten gelingt exzellent. Sehr gut arbeitet unsere Kette auch die Synthesizer-Passagen heraus.
Souveräner Gleichlauf und DJ-Gene
Während unserer Test-Session schiebt sich der zudem Direktantrieb des SL-1200GR2 in den Vordergrund, durch seine präzise, extrem leise, gleichmäßige Arbeitsweise. Jetzt wechseln wir erneut die Musikrichtung: Zwei Trance-Tracks von Mauro Picottos „Best of“-Album lassen die Frage aufkommen, ob der SL-1200GR2 ein weiteres Mal für Furore sorgen kann. Ja, es stecken in jedem Technics Plattenspieler waschechte DJ-Gene – das verdeutlicht unser Testmodell extrem gut. Die Bässe haben Wucht, werden aber zugleich sehr sauber wiedergegeben. Die elektronischen Effekte und wiederum die Synthesizer-Parts wirken enorm dynamisch und werden akkurat im Raum platziert.
Ein wahrer Alleskönner
Insgesamt entpuppt sich der Technics SL-1200GR2 als echtes Universaltalent. Er stellt homogen sowie in sich schlüssig dar und entfaltet zugleich ein hervorragendes dynamisches Potential. Natürlich spielt auch der teure, exklusive und entsprechend klangstarke Dynavector MC-Tonabnehmer eine entscheidende Rolle in der akustischen Spitzen-Performance, die hier präsentiert wird.
Klanglich exzellent, hochwertig, langlebig: Unser Fazit
Der Technics SL-1200GR2 beeindruckt mit einer exzellenten Fertigungs- und Materialqualität – daher erscheint der Kaufpreis von knapp 2.000 EUR schon aus dieser Perspektive als durchaus gerechtfertigt. Der eisenkernlose Direktantriebsmotor, der massive Plattenteller und die zweischichtige Gehäusekonstruktion manifestieren den Eindruck eines Premium-Produkts ebenso wie der S-förmige Tonarm. In Verbindung mit dem Dynavector XX-2 MKII MC-Tonabnehmersystem erfüllt der SL-1200GR2 auch enorme Anforderungen an die akustische Leistungsfähigkeit souverän. Zwar wird für den hochentwickelten Tonabnehmer nochmals eine größere Investition fällig, aber der feinfühlige, zugleich räumlich authentische, homogen sowie dynamische Klang entschädigt dafür.
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