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28.04.2021
von: Philipp Kind
Auch im preislich sehr attraktiven Einstiegsbereich hält der britische Hersteller Cambridge Audio ein interessantes Portfolio an HiFi-Komponenten bereit. Der AX A35 ist ein integrierter Vollverstärker im üblichen HiFi-Rasterformat. Ein durchdachtes Konstruktionsprinzip mit hochwertigen Bauteilen sowie eine stattliche Leistungsperformance sollen ambitionierte Einsteiger überzeugen. Der AX A35 setzt dabei auf einen komplett analogen Aufbau auf, digitale Eingänge findet man ebenso wenig vor wie ein Streaming-Modul oder Bluetooth. Für Vinyl-Fans hält der Stereo-Verstärker aber einen Moving-Magnet-Phono-Vorverstärker bereit. Eine schicke, elegante Optik sowie eine schlanke Formensprache sprechen ebenfalls für den preisgünstigen Briten.
Der Cambridge Audio AX A35 ist 430 mm breit, 335 mm tief und lediglich 83 mm hoch. Er passt problemlos in jedes HiFi-Rack und kommt auch mit 5,6 kg mit einem stattlichen Gewicht daher. Der Verstärker ist ausschließlich in grau erhältlich und macht optisch einen sehr eleganten, puristischen Eindruck. Im rechten Bereich sitzt ein großer Lautstärke-Drehregler mit einer spürbaren Rasterung und überraschend sauberen Führung. Mittig ist ein einzeiliges Punktmatrix-Display integriert. Dieses bietet nicht enorm viel Platz für Informationen, ist aber für die Preisklasse durchaus als hochwertig einzuschätzen, ausreichend hell und in jeder Situation gut ablesbar. Direkt darunter befinden sich sauber integrierte Bedienelemente mit sehr gutem Druckpunkt. Der Power-Button, ein 3,5 mm AUX-Eingang und ein Kopfhöreranschluss im linken Bereich komplettieren die Geräte-Front, die aus Kunststoff besteht.
Insgesamt weist der AX A35 für den aufgerufenen Preis eine sehr solide Verarbeitungs- und Materialqualität auf. Im Inneren glänzen dazu noch echte Highlights, auf die wir im nächsten Absatz genauer eingehen. Auch das Display ist eine sinnvolle Ergänzung, die man z.B. im teureren CX A61 von Cambridge Audio nicht findet.
Der AX A35 bringt 2 x 35 Watt Leistung mit, der in Kombination mit Lautsprechern mit einer Impedanz von 8 Ohm bereitstellen kann. Auf dem preislichen Niveau, auf dem sich der AX A35 befindet, ist das ein respektabler Wert und bei der Paarung mit entsprechenden, nicht übermäßig anspruchsvollen Lautsprechern, sollte keinerlei Probleme mit sich bringen. Integriert sind vier analoge Stereo Cinch-Schnittstellen für den Anschluss von Tuner, CD-Player, etc., außerdem gibt es einen separaten Phono-Eingang für MM-Tonabnehmer sowie einen Rec Out. Die Lautsprecher-Terminals sind zwar nicht vergoldet, es handelt sich aber um sehr solide Schraubanschlüsse, die auch für Bananenstecker und größere Kabelquerschnitte problemlos geeignet sind. Mit einer Kunststoff-Kapselung wirken sie robust und sind, ebenso wie die Cinch-Eingänge fest und akkurat im Gehäuse montiert. Zwischen analogen Cinch-Anschlüssen und den Lautsprecher-Terminals ist noch ein USB-Anschluss Typ A verbaut.
Ein Ethernet-Slot, ein WLAN- oder auch ein Bluetooth-Modul findet man im günstigen AX A35 nicht vor. Wer diese flexiblen Möglichkeiten der Zuspielung nutzen möchte, muss einen externen Streamer oder ein Bluetooth-Modul optional erwerben. Die Verbindung zum Cambridge Audio-Verstärker erfolgt dann ganz konventionell via Cinch.
Wirft man einen Blick ins Innere, wird der audiophile Anspruch des Herstellers direkt ersichtlich. Selbst im unteren Preisbereich verbaut Cambridge Audio einen üppig dimensionierten Ringkerntrafo und trennt die einzelnen Sektionen der Stromversorgung und Signalverarbeitung. Auch der schwarz eloxierte Alu-Kühlkörper ist hier kein Standard.
Die stationären Bedienelemente des AX A35 verfügen über einen sehr guten Druckpunkt. Die gewünschte Quelle kann direkt angewählt werden. Auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich ist, dass der Verstärker auch Klangeinstellungen ermöglicht. Betätigt man die Menu-Taste, die sich links neben dem Lautstärke-Drehregler befindet, kann man durch mehrmaliges Drücken die Parameter Bass, Treble und Balance aufrufen. Die beiliegende Fernbedienung zeigt sich mit schwarzer Oberfläche sehr schlicht und weist ein mattes Kunststoff-Finish auf. Erwartungsgemäß gibt es keine beleuchteten Tasten, der Druckpunkt ist aber nicht zu beanstanden. Die etwas ausladende Größe ist u.a. darauf zurückzuführen, dass man z.B. auch einen entsprechend kompatiblen CD-Player mit der Cambridge Audio Systemfernbedienung bedienen kann.
Der preisgünstige Cambridge Audio-Verstärker agiert sehr harmonisch und bildet insbesondere Vokalstimmen sehr gefühlvoll und charakteristisch ab. Ausbalanciert und rund klingt er, ohne dabei eine authentische Präsentation außer Acht zu lassen. Überraschend gut realisiert der AX A35 eine durchhörbare, transparente Bühne, die mit einer sauberen Staffelung und Instrumentaldifferenzierung überzeugt. Auch die gebotene atmosphärische Dichte ist innerhalb der Preisklasse ausgezeichnet ausgeprägt. Der Hochtonbereich weist eine gute Detaillierung auf, kann aber für zart besaitete Hörer etwas zu direkt erklingen. Wirklich anstrengend wird es nicht, aber bei hoher Lautstärke können längere Hör-Sessions dann doch etwas fordernd werden. Erfreulicherweise bietet der Cambridge Audio-Verstärker die Möglichkeit der Klanganpassung. Eine leichte Absenkung der Höhen ist schnell vorgenommen und beeinflusst die soeben angesprochene Problematik sofort positiv. Enorm negative Auswirkungen hat die Klanganpassung nicht, die Auflösung und Detaillierung der Höhen ist immer noch auf gutem Niveau. Selbst, als sich ein Piano zu den übrigen Instrumenten auf der Bühne gesellt, kann die Klangfarbe und Anschlagdynamik überzeugen.
Der AX A35 liefert eine durchaus lebendige, mitreißende akustische Präsentation. Auch mit komplexen Stücken kommt er gut zurecht und differenziert die breite Bühne gut durch. Dabei gelingt es ihm auch, eine sehr gute Räumlichkeit zu realisieren. Die verschiedenen musikalischen Ebenen kommen gut heraus, hintergründige Signalinformationen kann er nicht völlig erfassen und verrät dann doch seine Preisklasse. Bilanzierend gefällt er mit hoher Glaubwürdigkeit und einer harmonischen Gesamtpräsentation.
Als Stereo-Vollverstärker mit rein analogem Aufbau ist Flexibilität nicht unbedingt die Stärke des AX A35, wenngleich der integrierte Phono-Eingang für MM-Tonabnehmer Vinyl-Fans zugutekommt. Stattdessen bietet er einen preisgünstigen Einstieg in die HiFi-Welt mit typisch harmonischer und ausgewogener Cambridge Audio-Klangsignatur. Trotz der lebendigen Akustik mit ausgeprägter Räumlichkeit bietet er im unteren Preissegment eine hohe Glaubwürdigkeit und Natürlichkeit. Die Verarbeitungs- und Materialqualität geht absolut in Ordnung und die Güte des inneren Aufbaus sticht die Konkurrenz im identischen Preisumfeld zweifellos aus.